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Geschichten aus acht Jahren DFW-Flugzeugbau

Geschichten aus acht Jahren DFW-Flugzeugbau

Flugzeuge starten, Flugzeuge landen: Das Kulturhaus Sonne in Schkeuditz war am Sonnabendnachmittag der perfekte Ort für Vorträge rund um die Luftfahrtgeschichte in Leipzig, zu denen die Interessengemeinschaft Luftfahrt Schkeuditz eingeladen hatte.

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Autor Peter Kühne zeigt Manfred Schneider (li.) und Volker Goethling sein Buch "Mars-Doppeldecker und Stahltauben".

Quelle: Julia Tonne

Schkeuditz. Mehr als 90 Besucher kamen, um an dem Ort etwas über die Deutschen Flugzeug-Werke (DFW) zu erfahren, an dem der Flugzeughersteller während des Ersten Weltkriegs ansässig war.

Peter Kühne, profunder Kenner der Luftfahrtgeschichte in und um Leipzig, gab detaillierte Einblicke in die DFW, die vor rund 100 Jahren zu den wichtigsten deutschen Flugzeugherstellern gehörten. "In Leipzig war der Enthusiasmus für die Fliegerei riesig", erklärte Kühne dem Publikum. Entsprechend viel Kapital sei damals in die Werke und die Technologie gesteckt worden. Zwei Plätze entstanden 1911 in Lindenthal. Einer wurde vorrangig für Flugvorführungen und die Flugtage genutzt.

Vor dem Ersten Weltkrieg wurden in den vom Leipziger Verleger Bernhard Meyer und dem Ingenieur Erich Thiele gegründeten Werken zunächst Nachbauten bekannter Flugzeugtypen hergestellt, bis kurze Zeit später eigene Entwicklungen zum Tragen kamen. "Erfolgreichstes Modell mit der größten produzierten Stückzahl war der Mars-Doppeldecker", berichtete Kühne. Er hatte zwei Besonderheiten: Zum einen wurde das Modell aus einem Stahlrohrgerüst gefertigt und nicht mehr aus einem Holzgerüst, zum anderen hatten sie klappbare Tragflächen. In Lindenthal wurde laut Kühne nicht nur produziert, sondern auch erprobt. "Die Balkankriege 1912/1913 waren für die Konstrukteure eine gute Gelegenheit, das Material zu testen."

Leipzig war Anfang des 20. Jahrhunderts ein beliebter Standort für die Flugzeugindustrie. Weitere Werke siedelten sich an - weit im Landesinneren, weit weg von der Front. "Zudem gab es eine ausgesprochen gute Zuliefersituation", betonte Kühne, der zusammen mit Karsten Stölzel einige Bücher zum Thema geschrieben hat. Die Messestadt hatte ein weit verzweigtes Eisenbahnnetz und eine weit entwickelte Chemieindustrie. Und die sei für die Flugzeugherstellung unerlässlich gewesen, denn Farben, Treibstoff und Spannlacke brauche jedes Flugzeug.

Bereits 1911 hatte Thiele in Lindenthal eine werkseigene Fliegerschule gegründet, an der bis zur Feldpilotenprüfung ausgebildet wurde. Acht Jahre nach Gründung der Werke mussten sie nach den Bestimmungen des Friedensvertrags von Versailles den Betrieb einstellen. 1919 ging aus den DFW die Allgemeine Transportanlagen-Gesellschaft hervor, in der Aufzüge, Tagebaugerätschaften und Drahtseilbahnen hergestellt worden. Letztere, "um den Bleichert-Werken Paroli zu bieten".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.03.2014
Julia Tonne

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