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Gräberfeld aus der Bronzezeit im Schkeuditzer Gewerbegebiet entdeckt

Gräberfeld aus der Bronzezeit im Schkeuditzer Gewerbegebiet entdeckt

Voraussichtlich noch bis Ende nächsten Monats untersuchen Archäologen vom Landesamt für Archäologie Sachsen das Gewerbegebiet Watzschkenbreite direkt an der A 9 und gerade noch auf sächsischem Terrain.

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Grit Kosche markiert den Fund, den Torsten Wagner in den Rechner einliest. Im Hintergrund skizziert Christina Wagner die Erdschichten.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Etwa 200 000 Quadratmeter groß ist das untersuchte Areal rund um das ehemalige Möbelhaus Erbe. 40 sogenannte Suchstreifen wurden mit Hilfe eines Baggers gezogen. Vier Meter breit und zirka 500 Meter lang durchziehen diese Streifen die Ackerfläche nahezu komplett.

"Auf diese Art gelingt uns ein Blick auf die verborgenen Schichten. Dieser Blick ist mit dem durch eine Jalousie zu vergleichen, weil die Schichten ja immer nur in Streifen zu sehen sind", erklärte Grabungsleiterin Kathrin Balfanz. Effektiv haben die Archäologen rund 40 000 bis 50 000 Quadratmeter freigelegt, Daten erfasst, Skizzen angefertigt und Befunde kartiert. Scherben von Keramik sind in großer Anzahl gefunden worden. "Es gibt archäologische Hinterlassenschaften", sagte Balfanz.

Diese Hinterlassenschaften sind mehr als 3000 Jahre alt, stammen aus der Zeit zwischen 1000 und 600 vor Christus und sind damit der Bronzezeit-Epoche zuzuordnen, informierte die Grabungsleiterin. "Es handelt sich um ein Gräberfeld mit Urnengräbern", sagte Balfanz. An der äußersten, nordwestlichen Ecke des Grabungsgebietes haben die Archäologen jenes Feld als eine Häufung von Scherben entdeckt. Auf der benachbarten Fläche in Sachsen-Anhalt könne jenes Gräberfeld noch weiter gehen.

"Der sogenannte Leichenbrand wurde zu damaliger Zeit sogar der richtigen Reihenfolge nach in die Urnengefäße eingebracht", erklärte Christoph Heiermann, Sprecher des Landesamtes für Archäologie. Das heißt, dass zuerst die Füße und zum Schluss der Schädel in die Urne kamen. "Die Gefäße haben einen Deckel und wurden zum Teil sogar bekleidet. Das haben Funde von Nadeln ergeben, die den Stoff, der natürlich bereits verwittert ist, halten sollten", sagte Heiermann. Auch gebe es Urnen, die Gesichterprofile oder sogar Gliedmaßen angebracht bekamen. "Es gibt in dieser Zeit viele Rituale", meinte der Archäologie-Sprecher. So seien große Gefäße zerschlagen worden, bevor die Urne ins Grab kam. Auch gab es im Grab Beigaben, wie Tassen oder Essen und Trinken.

Das besondere am Fundort in Schkeuditz ist die große Streuung der Funde. "In dem Maße habe ich das auf noch keiner Grabungsstätte gesehen", gestand die Archäologin Balfanz. Um dieser Streuung auf den Grund zu gehen wird jetzt noch genauer und ohne Bagger per Hand gegraben. Gründe für die Verteilung der Funde können zum einen biologischer Natur sein. So sorgen Nager wie Mäuse für den Transport der Scherben. Hauptsächlich aber wird als Ursache für die Verteilung der Pflug angenommen. "Es gibt an anderen Stellen in Sachsen Gespräche mit Landwirten", sagte Heiermann. Ziel dieser Gespräche sei es, dass der Landwirt nicht so tief pflügt und dadurch wichtige Schichten erhalten bleiben.

Interessant in Bezug auf das Gewerbegebiet an sich sind auch zwei Senken. "Es handelt sich um die kleine und die große Watzschke", wusste Balfanz zu berichten. Beide Senken sind schon in den sogenannten Sächsischen Meilenblättern aus der Zeit um 1800 verzeichnet und damit noch vor Entstehung der Infrastruktur existent gewesen. "Die Einheimischen nennen die Senke 'Schweineloch'. Der Name Watzschke kommt aus dem Slawischen und bezieht sich auf eine Person", sagte Balfanz.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.07.2015
Roland Heinrich

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