Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Schneeschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Gräberfeld aus der Bronzezeit im Schkeuditzer Gewerbegebiet entdeckt

Gräberfeld aus der Bronzezeit im Schkeuditzer Gewerbegebiet entdeckt

Voraussichtlich noch bis Ende nächsten Monats untersuchen Archäologen vom Landesamt für Archäologie Sachsen das Gewerbegebiet Watzschkenbreite direkt an der A 9 und gerade noch auf sächsischem Terrain.

Voriger Artikel
Schkeuditzer Feuerwehrmann geht es wieder gut
Nächster Artikel
EU-Projekt führt zwei Spanier zur Ausbildung bei DHL

Grit Kosche markiert den Fund, den Torsten Wagner in den Rechner einliest. Im Hintergrund skizziert Christina Wagner die Erdschichten.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Etwa 200 000 Quadratmeter groß ist das untersuchte Areal rund um das ehemalige Möbelhaus Erbe. 40 sogenannte Suchstreifen wurden mit Hilfe eines Baggers gezogen. Vier Meter breit und zirka 500 Meter lang durchziehen diese Streifen die Ackerfläche nahezu komplett.

"Auf diese Art gelingt uns ein Blick auf die verborgenen Schichten. Dieser Blick ist mit dem durch eine Jalousie zu vergleichen, weil die Schichten ja immer nur in Streifen zu sehen sind", erklärte Grabungsleiterin Kathrin Balfanz. Effektiv haben die Archäologen rund 40 000 bis 50 000 Quadratmeter freigelegt, Daten erfasst, Skizzen angefertigt und Befunde kartiert. Scherben von Keramik sind in großer Anzahl gefunden worden. "Es gibt archäologische Hinterlassenschaften", sagte Balfanz.

Diese Hinterlassenschaften sind mehr als 3000 Jahre alt, stammen aus der Zeit zwischen 1000 und 600 vor Christus und sind damit der Bronzezeit-Epoche zuzuordnen, informierte die Grabungsleiterin. "Es handelt sich um ein Gräberfeld mit Urnengräbern", sagte Balfanz. An der äußersten, nordwestlichen Ecke des Grabungsgebietes haben die Archäologen jenes Feld als eine Häufung von Scherben entdeckt. Auf der benachbarten Fläche in Sachsen-Anhalt könne jenes Gräberfeld noch weiter gehen.

"Der sogenannte Leichenbrand wurde zu damaliger Zeit sogar der richtigen Reihenfolge nach in die Urnengefäße eingebracht", erklärte Christoph Heiermann, Sprecher des Landesamtes für Archäologie. Das heißt, dass zuerst die Füße und zum Schluss der Schädel in die Urne kamen. "Die Gefäße haben einen Deckel und wurden zum Teil sogar bekleidet. Das haben Funde von Nadeln ergeben, die den Stoff, der natürlich bereits verwittert ist, halten sollten", sagte Heiermann. Auch gebe es Urnen, die Gesichterprofile oder sogar Gliedmaßen angebracht bekamen. "Es gibt in dieser Zeit viele Rituale", meinte der Archäologie-Sprecher. So seien große Gefäße zerschlagen worden, bevor die Urne ins Grab kam. Auch gab es im Grab Beigaben, wie Tassen oder Essen und Trinken.

Das besondere am Fundort in Schkeuditz ist die große Streuung der Funde. "In dem Maße habe ich das auf noch keiner Grabungsstätte gesehen", gestand die Archäologin Balfanz. Um dieser Streuung auf den Grund zu gehen wird jetzt noch genauer und ohne Bagger per Hand gegraben. Gründe für die Verteilung der Funde können zum einen biologischer Natur sein. So sorgen Nager wie Mäuse für den Transport der Scherben. Hauptsächlich aber wird als Ursache für die Verteilung der Pflug angenommen. "Es gibt an anderen Stellen in Sachsen Gespräche mit Landwirten", sagte Heiermann. Ziel dieser Gespräche sei es, dass der Landwirt nicht so tief pflügt und dadurch wichtige Schichten erhalten bleiben.

Interessant in Bezug auf das Gewerbegebiet an sich sind auch zwei Senken. "Es handelt sich um die kleine und die große Watzschke", wusste Balfanz zu berichten. Beide Senken sind schon in den sogenannten Sächsischen Meilenblättern aus der Zeit um 1800 verzeichnet und damit noch vor Entstehung der Infrastruktur existent gewesen. "Die Einheimischen nennen die Senke 'Schweineloch'. Der Name Watzschke kommt aus dem Slawischen und bezieht sich auf eine Person", sagte Balfanz.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.07.2015
Roland Heinrich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Schkeuditz
Schkeuditz in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Nordsachsen

Fläche: 81,47 km²

Einwohner: 17.587 Einwohner (April 2017)

Bevölkerungsdichte: 216 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04435

Ortsvorwahlen: 034204, 034205, 034207

Stadtverwaltung: Rathausplatz 3, 04435 Schkeuditz

Ein Spaziergang durch die Region Schkeuditz
  • VDE 8 - Alle Infos und Fakten

    Am 10. Dezember eröffnete Deutschlands größte Bahnbaustelle, das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 - hier gibt es Infos, Hintergründe und Foto... mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

16.01.2018 - 08:31 Uhr

ESV-Boss Zahn will den Ex-Coach im Verein halten, eventuell als sportlicher Leiter.

mehr
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2018
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 14. LVZ-Fahrradfest lädt am 29. April 2018 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Alle Infos zum Event finden Sie in unserem Sp... mehr