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Schkeuditz Hat die Dölziger Kirche einen vorreformatorischen Haken?
Region Schkeuditz Hat die Dölziger Kirche einen vorreformatorischen Haken?
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16:00 27.10.2016
Die Restaurierung in der Dölziger Kirche soll etwa noch zwei Wochen dauern. Das Atelier Höhne & Steude aus Leisnig arbeitet hier. Quelle: Foto: Roland Heinrich
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Dölzig

Die Restaurierung im Altarraum der Dölziger Kirche schreitet voran. „Noch etwa zwei Wochen werden wir wohl zu tun haben“, meinte Diplom-Restaurator Mathias Steude. Fehlende oder schadhafte Holzornamente werden ersetzt, Farbmuster an der Bemalung vervollständigt. Gemeinsam mit seinem einstigen Studienkollegen und jetzigen Kompagnon Thomas Höhne bessert der 52-jährige Steude gerade das Chorgestühl an der Südseite der Kirche aus.

Dort ist während der Restaurierung in einer Nische hinter dem Gestühl ein Haken entdeckt worden, dessen Bedeutung sowohl der Pfarrerin Ines Schmidt, als auch den Restauratoren unklar ist. Bei der Nische selbst ging Steude zunächst davon aus, dass es sich um eine sogenannte Piscina oder ein Sacrarium handelt. In spätmittelalterlichen Kirchen bezeichnete man ein kleines Wasserbecken mit Abflussvorrichtung so. „Reste des Weihwassers sind dort wahrscheinlich hineingeschüttet worden“, meinte der Restaurator. Den fehlenden Abfluss nach draußen erklärte er mit den geringen Wassermengen. Wofür ein im oberen Bereich der Nische angebrachter Haken dienen sollte, war ihm schleierhaft.

Sein 51-jähriger Firmenkollege Höhne bemerkte: „Der Haken scheint schon beim Kirchenbau mit installiert worden zu sein.“ Eine Eisenstange nämlich befindet sich quer am oberen Ende der Nische und ist in die Sandsteinpfeiler eingelassen. Um die Eisenstange herum ist der mysteriöse Haken geschmiedet. Die dann angestellten Vermutungen von der Pfarrerin und vom Restaurator Steude gehen in die Anfangszeit der spätgotischen Kirche zurück.

Anfang des 16. Jahrhunderts ist der Chor der Kirche gebaut worden, heißt es im „Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler“. Der Saal der Kirche ist laut Inschrift am Strebepfeiler von 1522. Der Chorbau könnte also noch vor 1517 – dem Jahr von Luthers Thesenanschlag in Wittenberg – begonnen worden sein. Nun wird die Reformation wohl nicht augenblicklich in Dölzig angekommen sein. Zeitlich würden die Vermutungen von Steude und Schmidt, die nämlich von einer katholischen Ausrichtung der Kirche ausgehen, also passen: „Womöglich hat an dem Haken das Weihrauchgefäß oder das ewige Licht gehangen.“

Das wäre durchaus möglich, weil die Nische zunächst noch unverkleidet, also offen war. Das älteste Chorgestühl, an der Nordseite der Kirche ist die Jahreszahl noch zu lesen, stammt aus dem Jahr 1596. Wie lange die Nische in der Ecke der Südseite tatsächlich noch offen stand, ist unbekannt. Das jetzige Gestühl stammt jedenfalls aus einer späteren Zeit, vermutlich um 1722, als die Emporen gebaut wurden.

Wie alt der Haken nun tatsächlich ist, könnten nur Untersuchungen mit einer C14- oder Radiokarbon-Methode beantworten. Jenes radioaktive Isotop C14 zerfällt regelmäßig. Wenn man feststellt, wie viel davon noch im Eisen ist, kann berechnen werden, wann das Eisen geschmiedet wurde. So wichtig scheint die Bedeutung, die dann ja immer noch nicht klar wäre, jedoch nicht zu sein. Zumindest der Restaurator Steude winkt ab, und auch die Pfarrerin blickt auf die momentan und auch künftig wichtigere Sanierung.

Nicht im derzeitigen Sanierungsabschnitt dabei sind nämlich der Altar und auch die Kanzel. „Perspektivisch muss aber auch da etwas passieren“, meinte die Pfarrerin. Zunächst sei sie aber überaus positiv überrascht, wie spendefreudig sich die Dölziger für ihre Kirche zeigten. „Insgesamt sind schon 2243 Euro eingegangen. Für jeden Euro möchte ich mich bedanken“, sagte Schmidt. Rund 1800 Euro fehlten also noch. Wie berichtet, seien insgesamt 4000 Euro nötig, um für den jetzigen Bauabschnitt den Eigenanteil zu erbringen.

Spenden können unter dem Verwendungszweck „RT 1931 Innenrenovierung Kirche Dölzig“, an den Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirk Leipzig auf die Bank Dortmund gezahlt werden. Die IBAN lautet DE71 3506 0190 1620 1790 78.

Von Roland Heinrich

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