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Schkeuditz Hoëcker nimmt Tekkies und Wikipedia aufs Korn
Region Schkeuditz Hoëcker nimmt Tekkies und Wikipedia aufs Korn
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06:00 13.03.2010
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Schkeuditz

Der Spaß ist selbst dann groß, wenn Hoëcker auf Kosten der Zuhörer Witze macht. Seine „Opfer“ in der ersten Reihe spielen gern mit, lassen sich aushorchen. So verraten sie neben Berufen und Familienstand auch stolz, dass sie aus Modelwitz kommen. Mooodelwitz? Schon hat Hoëcker den Running Gag des Abends. „Wie seid ihr hier, mit der Kutsche?“ Wo kommt der Name her, wie alt ist das Dorf, etwa älter als Köln, Hoëckers Heimat? Auch der Name von Schkeuditz soll die erste Reihe erklären und schafft es. Slawisch, 981 erstmals als Scudici erwähnt, dazu der Mann ohne Kopf, im Wappen sichtbar. „Ihr habt einen Mann ohne Kopf im Wappen? War der für das Wappen zu groß?“, staunt Hoëcker. Kann ihm bekanntlich nicht passieren. Weiß er, und erzählt stolz, dass er als Messdiener der katholischen Jugend schon mal Mutter Theresa begegnete. Spielt dann vor, wie er mit seiner linken Hand auf ihrem Rücken ihr sanft den Weg durch die Menge wies. Die Hand immer noch auf dem imaginären Rücken haltend, fragt Hoëcker das Publikum eindringlich: „Und, fällt euch etwas auf? – Sie war kleiner als ich!“ Später nimmt er sich noch einmal auf die Schippe und gesteht: „Fußball ist nicht meine Sportart. Ich bin eher der Basketballer.“ Lachen im Saal, ungläubiges Kopfschütteln. Vermeintliche Einsicht beim kleinen Mann: „Gut, ich weiß, dass ich da kaum eine Chance habe. Als Weißer.“ Bei aller spontanen Flachserei mit den zirka 130 Gästen spult er natürlich sein vorbereitetes Programm ab. Es heißt Wikihoëcker, zielt auf die Manie, Wissen meist nur noch schnell im Internet bei Wikipedia abzurufen. Er macht sich lustig über den Abkürzungswahn und die Verhunzung der „schönen deutschen Sprache“ beim SMS-Versenden und über die Tekkies, die Technik-Hörigen. Etwa jene, die sich für ihren stets neusten i-Pod permanent überflüssige Apps kaufen und möglichst auffällig präsentieren. Nicht weil man es braucht, sondern „weil es geht“. Auch die Homöopathie „ein Bereich der Medizin, der sich ganz dem Placebo-Effekt verschrieben hat“ nimmt er aufs Korn. Ja, Hoëcker macht keinen Hehl daraus, dass er ein Klugscheißer ist. Selbst flache Witze wirken bei ihm noch intelligent, und wenn es mal ausnahmsweise unter die Gürtellinie geht, dann nur, um die Einsteinsche Zeitdilatation und Wahrnehmungsverzerrungen zu erklären. Anhand eines Paares: Wie kann es sein dass ER von einer langen Nacht der Leidenschaft schwärmt, während SIE nur einen kurzen Moment der Enttäuschung in Erinnerung hat? „Weil sich Zeit relativ zur Geschwindigkeit verhält. Je schneller man sich bewegt, um so langsamer vergeht die Zeit“, postuliert Hoëcker und überlässt es dem Publikum, diese Erkenntnis mit dem Pärchen in Verbindung zu bringen. Der Abend vergeht sehr schnell. Hoëcker, nach eigener Aussage AC/DC- und angeblich auch bekennender Reinhard-Mey-Fan, findet das Sächseln seiner Zuhörer sehr sympathisch: „Ich könnte euch stundenlang zuhören.“ Nur, dass Sächsisch so wie früher an deutschen Höfen jetzt bald wieder überall unterrichtet wird, das glaubt er nicht. „Vielleicht hier in Schkeuditz, aber sonst dürfte dies eher die Meinung einer Minderheit sein“, antwortet der Comedian auf eine entsprechende Behauptung aus dem Publikum. Am Ende gibt es viel Beifall, eine Zugabe. Hoëcker dankt den Zuhörern, auch er habe viel Spaß gehabt. „Und ich habe heute wieder eine Menge Sachen gelernt, die ich eigentlich gar nicht wissen wollte.“

Olaf Barth

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