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"Ich bleibe der Theater-Welt treu"

"Ich bleibe der Theater-Welt treu"

Schkeuditz. Am 21. Dezember fiel der letzte Vorhang für das Burgtheater Wehlitz. Der von Marianne Hubrich geleitete Verein löst sich heute, acht Tage vor seinem 14. Geburtstag, auf.

Die 49-Jährige will ihre Theater-Leidenschaft dennoch nicht ganz aufgeben und auch für die weitere Betreuung ihrer derzeitigen Ensemble-Mitglieder sorgen, sagte die engagierte Sozialpädagogin der LVZ.

Frage: In sechs Vorstellungen haben Sie und Ihre Mitstreiter jetzt das jüngste Stück "Die Eisfürstin" mit großem Erfolg auf die Bühne gebracht. Warum gerade jetzt der Schlussstrich?

Marianne Hubrich: Ich bin beruflich sehr eingespannt, schaffe es nicht mehr, den organisatorischen Aufwand mit Proben und der bürokratischen Vereinsarbeit zu bewältigen. Mit meinen Schauspielern habe ich bereits vor rund anderthalb Jahren darüber gesprochen, sie überrascht das also nicht. Einige der größeren Darsteller hatten selbst schon ihren Ausstieg erwogen, weil sie es mit ihren Arbeitszeiten oder Prüfungsvorbereitungen kaum noch zu den Proben schafften. Dann ging es aber doch noch ein Jahr weiter.

Wenn einige ausgeschieden wären, hätte es nicht genügend neue Mitspieler für Ihr Ensemble gegeben?

Wir hatten unseren Stamm, der von Anfang an dabei war, die Laura Jochmann und mein Sohn Max, schon als Vierjährige. Doch mit dem Alter wachsen die Ansprüche, 18- bis 20-Jährige wollen nicht nur Märchen aufführen, auch ernsthaftere Stücke. Wir hatten zwar immer noch eine große Altersspanne, doch den Anfragen von Zweit- und Drittklässlern konnten wir nun nicht mehr nachkommen. Wir hatten es mit zwei Achtjährigen versucht, aber das passte nicht. Doch ab zwölf Jahre aufwärts fehlten auf Dauer die Interessenten, um das Ensemble aufstocken zu können. Dennoch hat unsere kleine Burgtheatergruppe mit bis zu 15 Mitgliedern und tatkräftiger Unterstützung der Eltern viel unternommen, nicht nur Theater gespielt, sondern in Workshops zum Beispiel Kampftechniken gelernt, wie wir sie dann bei Robin Hood zeigten. Und wir waren auch selbst viel im Theater. Insgesamt haben wir über 100 Stücke auf die Bühne gebracht und pro Jahr über 1000 Zuschauer begeistert. In den 14 Jahren waren über 70 Kinder und Jugendliche im Ensemble dabei.

Jetzt aber wurde die Eisfürstin zum endgültig letzten Stück des Burgtheater-Vereins. Sehr traurig?

Ja, natürlich. Gerade die vollen Säle jetzt und der herzliche Applaus gingen doch sehr nah. Bei sieben Aufführungen hatten wir über 700 Besucher, also immer 100 zahlende Gäste. Wir haben damit stets vor vollem Haus gespielt, und das Publikum war begeistert. Das war auch noch einmal wichtig für uns. Es gab Zugabe-Rufe, stehene Ovationen und einige Hortkinder weinten, weil wir aufhören. Aber es ist nun für alle ein guter Zeitpunkt für den Ausstieg und wie gesagt, kein spontaner Entschluss.

Wie geht es jetzt für Sie und Ihre verbliebenen Darsteller weiter? Fallen die in ein "Loch"?

Das würde ich nie zulassen. Wir haben gute Kontakte zum Theatrium Leipzig. Von dort hatte ja Viola Kowski schon bei unserer letzten Inszenierung mitgewirkt. Dort werden einige ihrem Hobby weiter nachgehen können. Andere wechseln in die Theatergruppe von Steffen Hirn am Gymnasium. Auch ich bleibe der Theaterwelt treu. Vier Zehn- bis 13-Jährige würden mit mir ins Schkeuditzer Hoffnungszentrum wechseln. Dort werde ich ein Projekt begleiten, in abgespeckter Form und nicht mehr als Theater-Verein. Was genau, weiß ich noch nicht, es muss sich erst mal alles setzen. Aber alle, die weitermachen wollen, sind untergebracht. Auch das Kulturhaus Sonne oder die Fechter hatten angeboten, uns aufzunehmen.

Wenn Sie jetzt die knapp 14 Jahre Theater- und Vereinsarbeit Revue passieren lassen, welche sind für Sie die schwierigsten und welche die schönsten Momente dieser Zeit?

Schwierig war immer, trotz aller Unterstützung von Familie und Freunden, die Arbeitswelt und das Ehrenamt in Einklang zu bringen. Außerdem ist es sicher einfacher, Kinder für das Fußball- als für das Theaterspielen zu begeistern. Die schönsten Momente waren, wenn meine Spieler, die anfangs schüchtern waren und sich überhaupt nicht trauten, auf die Bühne zu gehen und zu sprechen, mit der Zeit plötzlich eine eigene Szene oder gar eine Hauptrolle forderten. Es freute mich immer wieder, wenn ich sah, wie bei den Kindern und Jugendlichen durch das Theaterspielen Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein wuchsen. Wenn sie von sich aus dann eine tragende Rolle forderten, eine tragende Figur in einem Stück sein wollten, dann wusste ich, dass ich alles richtig gemacht hatte.Interview: Olaf Barth

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.12.2013
Olaf Barth

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