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Schkeuditz In Altscherbitz wird neuartige Wohnstätte für Crystal-Kranke gebaut
Region Schkeuditz In Altscherbitz wird neuartige Wohnstätte für Crystal-Kranke gebaut
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00:21 18.11.2017
Das Haus 15 des Altscherbitzer Krankenhauses soll Wohnstätte für chronisch mehrfach geschädigte Suchtkranke werden. Quelle: Foto: Roland Heinrich
Schkeuditz

Dass das Haus 15 des Sächsischen Krankenhauses (SKH) Altscherbitz seit Jahren ungenutzt war und leer stand, ist ein Glücksfall für das Suchtzentrum Leipzig gewesen, sagte dessen Geschäftsführer Holger Herzog. Denn jenes Haus hatte er für die Teilnahme an einer Ausschreibung des Sächsischen Ministeriums für Soziales und Verbraucherschutz ins Auge gefasst. Es ging um die Betreibung einer Sozialtherapeutischen Wohnstätte für suchtmittelabhängige Menschen, für die es in Sachsen bisher keine derartige Einrichtung gab. „Es haben sich eine Reihe von Trägern beworben und drei haben den Zuschlag erhalten“, sagte Herzog.

Drei Wohnstätten für chronisch mehrfach geschädigte Abhängigkeitskranke, insbesondere durch Crystal-Konsum, entstehen derzeit in Sachsen. Die in Altscherbitz soll bis Ende Mai nächsten Jahres fertig sein, berichtete die Technische Leiterin des SKH, Birgit Gumbert. 18 Patienten sollen im Gebäude Platz finden. Seit Mai dieses Jahres werde bereits gebaut.

Das Haus 15, das im Zusammenhang mit dem Bau der damaligen Pflege- und Heilanstalt zwischen 1880 bis 1885 gebaut wurde, war zunächst die erste geschlossene Abteilung für Männer. „Der Umbau zum Maßregelvollzug fand zwischen 1993 bis 1996 statt. 2007, als der neue Maßregelvollzug fertig gebaut war, wurde das Haus freigezogen, teilsaniert und dann noch bis 2008 für Dösen weiterbetrieben“, zählte Gumbert auf. Seitdem stehe das Haus leer.

Für den jetzigen Umbau werden circa 1,8 Millionen Euro ausgegeben, informierte Gumbert. „Das Vorhaben wird aus Fördermitteln finanziert, die der Sächsische Landtag dafür im Haushaltsplan 2015/2016 bereitgestellt hat.“ Entstehen sollen vorwiegend Einzelzimmer, wobei auch an Mütter mit Kleinkind gedacht worden ist. „Es wird eine Gemeinschaftsküche und einen Aufenthaltsraum geben. Die Sanitärbereiche werden von jeweils drei Patienten gemeinsam genutzt“, erklärte die Baukoordinatorin im SKH.

Beim Ausbau müssten natürlich Auflagen des Denkmalschutzes beachtet werden. Neben der Fassade gelte das auch innen. So müssten Türen und auch alte Fußböden aufgearbeitet werden. Fliesen für letztere sind immer schwerer neu zu besorgen, wusste Gumbert. Zu den Denkmalschutzauflagen kommen Anforderungen, wie Brandschutz und Barrierefreiheit, hinzu. Ein Aufzug im Haus soll jene Barrierefreiheit gewährleisten.

Nach dem Ausbau soll das Haus 15 längerfristig – 20 bis 25 Jahre sind im Gespräch – an das Suchtzentrum Leipzig vermietet werden. Es bleibt aber im Besitz des Freistaates. Auch das Personal, das die Patienten dann betreuen soll, kommt vom Suchtzentrum. „Wir haben seit Längerem schon Ausschreibungen für unterschiedliche Berufsgruppen auf unsere Internetseite gestellt“, sagte Geschäftsführer Herzog. Wie viele Betreuer für die 18 Patienten notwendig sind, wie es sich also mit einem sogenannten Betreuungsschlüssel verhält, sei allerdings noch Bestandteil von Gesprächen. Auch das Suchtzentrum betrete wie der Freistaat mit der Einrichtungsform Neuland.

Bei den Patienten handele es sich um Suchtkranke, die therapiert, wieder rückfällig und wieder therapiert worden seien, um sogenannte Drehtür-Patienten. Mit dem eigenständigen Wohnen sind sie überfordert. Die Form der Wohnstätte bietet nun ein zusätzliches Spektrum der Nachsorge. „Das Haus wird keine bauliche Insel im Krankenhausgelände“, erklärte Gumbert. Es gebe keine Abtrennung und Sportanlagen in der Nähe könnten sowohl von den eigenen als auch von den Suchtpatienten genutzt werden.

Eine Multimedia-Reportage zum Thema Crystal lesen Sie hier.

Von Roland Heinrich

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