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Schkeuditz In Schkeuditz wird das Trinkwasser-Rohrnetz von Ablagerungen freigespült
Region Schkeuditz In Schkeuditz wird das Trinkwasser-Rohrnetz von Ablagerungen freigespült
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10:01 08.04.2016
Philipp Hülle (links) sorgt am Schkeuditzer Markt für den richtigen Abfluss. Im Hintergrund wird die Arbeit am Pilotprojekt fotografisch dokumentiert. Quelle: Roland Heinrich
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Schkeuditz

Was beim Menschen als Arterienverkalkung durchaus unangenehme Folgen haben kann, ist auch für die Trinkwasserleitungen der Leipziger Wasserwerke (LW) nicht gut: Ablagerungen verengen den Querschnitt des Leitungssystems und haben, wenn sie sich lösen womöglich zerstörerische Wirkung. Deshalb spülen die LW in Schkeuditz das Trinkwasser-Leitungsnetz mit hohem Druck. Erstmals passiert das im Rahmen eines Pilotprojektes in einer kompletten Kleinstadt.

„Das Schkeuditzer Trinkwasser-Leitungsnetz ist rund 74 Kilometer lang. In 285 Spül-Abschnitte haben wir es unterteilt“, erklärte Uwe Boeck, der bei der LW im Bereich Wasserverteilung arbeitet. Man habe überlegt, längere Leitungsabschnitte zusammenzufassen, aber sobald eine Veränderung im Leitungs-Querschnitt erfolge, müssten die Bereiche separat gespült werden.

Im so genannten Spülwagen befindet sich jede Menge Technik. Quelle: Roland Heinrich

In einem sogenannten Spülwagen – einem Transporter mit sensiblen Technikeinbauten – würden Daten zu den jeweiligen Abschnitten erfasst. „Wir messen die Fließgeschwindigkeit, den Druck, den ph-Wert, die Trübung und die Leitfähigkeit des Wassers.“ Danach ließe sich ziemlich genau ermitteln, wo sich eine Ablagerung befunden habe.

„Wir schaffen etwa 15 Abschnitte am Tag“, sagte Bernd Lehmann von der Betriebswartung. In der Regel seien zwei Mitarbeiter mit dem Spülwagen unterwegs. „Es gibt aber auch Tage, an denen drei Mitarbeiter vor Ort sind“, meinte er. Das sei von Vorteil bei Abschnitten, in denen die Absteller weit entfernt liegen oder mit doppelter Manneskraft geöffnet oder geschlossen werden müssten. In etwa zwei Wochen ist das Schkeuditzer Netz fertig durchgespült.

„Jeweils vor und nach der Spülung wird eine Probe in ein Fläschchen abgefüllt, an das Labor gegeben und dort ausgewertet“, erklärte Boeck. Das bedeutet 570 Proben, die das Labor zu untersuchen hat. Das, was die Leitungen bei der Spülung mit fünf bis sieben Bar Wasserdruck verlässt, würde sich bei der normalen Wasserentnahme aus dem Wasserhahn nicht lösen. „Der hohe Druck liegt in den Leitungen sonst nicht an“, erklärte Lehmann.

Spülen pflegt die Leitungen

Gespült werde so lange, bis die Trübung einen niedrigen Wert erreicht hat. Was das Wasser, das bei der Probeentnahme vor der Spülung mancherorts doch recht braun daherkommt, einfärbt, ist Eisen und Mangan, erklärte Rohrleger Jens Goldbach. Bei PE-Rohren sind es auch Schlammablagerungen, ergänzte Boeck. Mit der Spülung würden nun die Leitungen gepflegt und die Qualität des Trinkwassers gewährleistet.

In einem Jahr wird die gesamte Prozedur wiederholt. „Erst nach der Spülung im nächsten Jahr lässt sich sagen, wie oft welcher Bereich wann gespült werden muss“, sagte Boeck. Erst dann nämlich ließen sich erfasste Daten vergleichen und sogenannte Spülpläne erstellen.

Auch in anderen kleineren Städten seien derartige Komplett-Spülungen angestrebt. Dass sich die in ganz Leipzig realisieren lassen, zweifelt Lehmann wegen der notwendigen Sperrungen und möglicher Verkehrsbehinderungen an.

Von Roland Heinrich

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