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In der Schmiede ist der Winter heiß

In der Schmiede ist der Winter heiß

Während gerade die nächste Kältewelle über die Region rollt, geht es bei Andreas Kunitzsch nach wie vor heiß her zu. Denn der Umgang mit Feuer gehört zum Berufsalltag des 50-Jährigen.

Dölzig. Er ist Schmied und führt in Dölzig mit seiner Arbeit eine lange Tradition fort.

Die Dölziger Schmiede gehört wohl zu den ältesten Betrieben dieser Art in Deutschland. Immerhin kann Schmiedemeister Andreas Kunitzsch Dokumente mit Siegel vorweisen, die bis in das Jahr 1821 zurückreichen. Doch nicht nur deshalb ist die Generationsschmiede von Dölzig in der Umgebung von Leipzig recht bekannt. Schließlich arbeiten von den im Leipziger Raum etwa 30 Innungsschmieden nur noch wenige mit dem Schmiedefeuer. „Ich hatte mich recht spät entschieden, den Betrieb von meinen Eltern zu übernehmen. Sie hatten mich auch nicht gedrängt, sondern akzeptiert, dass meine Interessen woanders lagen“, erzählt Kunitzsch. In seiner Jugend habe er viel lieber an Mopeds und Autos herumgebastelt. So war die Entscheidung, Fahrzeugbauer zu werden, ein nur logischer Schritt. Doch das bindende Element zur elterlichen Profession blieb erhalten: das Metall. Das Interesse an dessen Verarbeitung wuchs beim Fahrzeugbauer. So besuchte Kunitzsch schließlich mit Erfolg von 1982 bis 1984 die Abendschule und legte so die Grundlage für seinen zweiten Beruf, den des Schmiedes. „Ich arbeitete dann gemeinsam mit meinem Vater Alwin und zwei Angestellten in der Schmiede. Hier musste ich dann wirklich handwerkliche Fähigkeiten unter Beweis stellten. Als es klappte, entschloss ich mich, 1986 meinen Meister zu machen. Mein Meisterstück war an der ehemaligen Post das schmiedeeiserne Tor mit Ornamenten und Verzierungen“, beschreibt Kunitzsch seinen Werdegang. Das Tor habe er vom Ausschnitt des Metalls bis zur Fertigstellung vor Ort komplett allein anfertigen müssen. „Drei Wochen habe ich gebraucht, aber ich hatte es geschafft und die Prüfungskommission hat es mir abgenommen“, freut er sich noch heute über den Erfolg dieses Kraftakts. Nach der Wende hieß es, sich neu zu orientieren. „Wir hatten unter dem Schmiedefeuer Lkw- und Trabbifedern zu hunderten aufgearbeitet. Plötzlich zeigten die Betriebe kein Interesse mehr“, blickt Kunitzsch auf eine schwierige Zeit zurück. In dieser Umbruchzeit vollzog sich gleichzeitig der Generationswechsel. Andreas Kunitzsch übernahm vom Vater, der 2001 starb, die Schmiede. „Mit Handzetteln zog ich los zu den Häuslebauern und Firmen, von denen ich vermutete, dass sie Fenstergitter, Tore, Treppengeländer und andere Verzierungen am Haus bräuchten. Mein Konzept ging langsam auf, aber leicht war der Start nicht“, erzählt der Schmied und ergänzt: „Ich sagte mir: Du kannst Arbeiten, hast ein vernünftiges Handwerk gelernt und die Schmiede hat schon so viel überstanden, da schaffe ich auch das noch.“ Wie heute zu sehen ist, hat Andreas Kunitzsch es auch geschafft. Und im Dorf ist er ein anerkannter Handwerker. Viele Dölziger kommen zu ihm, wenn mal schnell was gemacht werden soll. So steht  Manfred Böttcher etwa gleich mal in der Schmiede und will was geschweißt haben. Man kennt sich und manche Sachen werden dann eben sofort erledigt. Auch Uwe Hofmann aus Markranstädt ist froh, dass die Schmiede noch existiert: „Zu DDR-Zeiten habe ich hier meine Trabbifedern aufarbeiten lassen, heute komme ich mit meinen Meißeln. Wenn so ein Schmied das erledigt, dann ist das richtige Wertarbeit und hält länger.“ An Arbeit mangelt es Andreas Kunitzsch nicht. Für den Gasthof „Goldener Hirsch“ etwa hat er die Metallverzierungen für Blumenkästen, Lampenhalterungen und vieles in der guten Gaststube geschmiedet. Aber auch die Produkte, für die er damals mit Handzetteln warb, sind gefragt. Tore für Eigenheimbauer fertigt der 50-Jährige genauso an wie Geländer, Handläufe und Fenstergitter mit Verzierungen. Alles entsteht mit Hilfe seiner Maschinen oder im Schmiedefeuer nach Wunsch und Vorlage des Kunden. Auch Nachbauten für den Denkmalschutz oder die Aufarbeitung landwirtschaftlicher Geräte gehört zum Arbeitsumfang. „Es ist nicht immer einfach, es jedem Kunden terminlich recht zu machen. Im Herbst und Winter ist es zwar etwas ruhiger, aber sowie die Frühlingssonne wieder rausschaut, kommen alle mit ihren Aufträgen und wollen sie möglichst schon gestern erledigt haben“, erzählt der Meister schmunzelnd. Mit einer Temperatur von mindestens 800 bis 1000 Grad werden die Metalle erwärmt und bearbeitet. „Die Kunst ist es, im richtigen Moment das Metallstück aus dem Schmiedefeuer zu nehmen und zu verformen. An der Farbe des Metalls kann man den richtigen Zeitpunkt erkennen“, schildert Kunitzsch „Mein Handwerk macht mir nach wie vor Spaß. Im Jahr 2021 will ich als aktiver Schmied noch unser 200-jähriges Firmenjubiläum feiern, das habe ich mir fest vorgenommen“, blickt der Dölziger voraus. Gleichzeitig bedauert er etwas, dass seine Töchter Anka und Kathleen so wie er einst andere Interessen haben, als die Schmiede zu übernehmen. „Sollte sich aber jemand finden, der Interesse hat, dann bin ich nicht abgeneigt, die Schmiede zu übergeben. Aber bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit“, sagt er lächelnd und bearbeitet wie zur Bestätigung am Amboss mit gezielten Schlägen einen Meißel, das die Funken nur so sprühen.

Heiko Trebs/Olaf Barth

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