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Inklusion nur ein Modewort?

Inklusion nur ein Modewort?

Heute, beim Sommerfest der Wohn- und Lebensgemeinschaft für Menschen mit Behinderung im Ziegeleiweg, wird es verteilt: das in dieser Woche neu erschienene Jahresjournal für soziale Welten "Wörter im Wind".

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Die sechste Ausgabe des Journals für soziale Welten ist fertig.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. "Wir haben auch bei der sechsten Ausgabe eine Auflage von 3500 Exemplaren, die wir kostenfrei verteilen oder gegen Versandkosten auch verschicken", sagte der Wohngemeinschafts-Leiter und Herausgeber der Zeitschrift, Mario Kulisch. Inzwischen werde das Journal, das es nun seit 2009 gibt, deutschlandweit nachgefragt und verteilt. "Auch diejenigen, die sich inhaltlich angesprochen fühlen sollten, nehmen verstärkt Notiz von uns", schätzte Kulisch ein.

So räumt ein Artikel im Heft mit dem Trugschluss auf, dass gesellschaftliche Vorurteile gegenüber psychisch Erkrankten in den letzten Jahren abgenommen hätten. Im Gegenteil: "Während 1990 knapp ein Fünftel der Befragten keine Schizophreniekranken als Nachbarn dulden wollte, war es 2011 fast ein Drittel", heißt es in dem Artikel, der mit der Frage "Nehmen Vorurteile zu?" überschrieben ist. Am Arbeitsplatz sei die Umfrage, die unter anderem der spätere Leipziger Sozialpsychiater Matthias Angermeyer 1990 und 2011 durchführte, nicht anders ausgegangen: "Zwei Fünftel konnten sich 1990 nicht vorstellen, mit einem Psychosekranken befreundet zu sein, 2011 waren es bereits mehr als die Hälfte der Befragten", ist im Journal zu erfahren. Diese Entwicklung sei kein isoliertes deutsches Problem. Eine Expertengruppe habe im vergangenen Jahr 16 Studien aus westeuropäischen Ländern, aus den USA und aus Australien vorgelegt, die zu weitestgehend den gleichen Ergebnissen gekommen seien. Asmus Finzen - Autor des Artikels und einstiger leitender Arzt an psychiatrischen Kliniken in Deutschland und der Schweiz - gibt auch Lösungsvorschläge.

Ein weiterer Artikel greift das gleiche Thema auf: Kinder würden in eine Gesellschaft hineinwachsen, in der das Wort Inklusion in der Fachwelt inzwischen "aus jeder Ritze quillt", Menschen mit Behinderung aber andererseits stigmatisiert und ausgegrenzt würden. Unmengen von Definitionen würden verfasst, Fachtagungen abgehalten und Literatur veröffentlicht, "aber in der Bevölkerung kommt davon scheinbar nichts an", schreibt Isabel Gerhardt von der Journal-Redaktion. Sie fordert mehr Möglichkeiten für fachlich fundierte Aufklärung und ehrliche Begegnung genauso, wie qualitativ hochwertige und vor allem transparente Arbeit der Träger. "Inklusion kann nur vor Ort und von Mensch zu Mensch stattfinden", schreibt Gerhardt. Dass sie zum Verfassen des Artikels Konkretes aus jüngerer Vergangenheit veranlasst hat, ist unschwer zu erraten.

"Unser Journal soll nicht meckern. Es soll eine Diskussions- und Gesprächsgrundlage darstellen", sagte Herausgeber Kulisch. Denn sprechen müsse man miteinander.

Infos zum und Bestellung des Journals unter 034204 702700.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.06.2014
Roland Heinrich

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