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"Jeder müsste wissen, was ein Schlaganfall bedeutet"

"Jeder müsste wissen, was ein Schlaganfall bedeutet"

Ein halbes Jahrhundert gibt es die Neurologie im Sächsischen Krankenhaus (SKH) Altscherbitz. Jenen Geburtstag nutzt der dortige Chefarzt der Neurologischen Klinik, Thomas Vetter, um am 2. Mai zu einer fachlich-wissenschaftlichen Festveranstaltung in das SKH in Schkeuditz einzuladen.

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Der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Neurologischen Klinik im Sächsischen Krankenhaus Altscherbitz, Thomas Vetter, lädt Kollegen zu einem Symposium ein. Anlass ist das 50-jährige Bestehen der Neurologie in Altscherbitz, eine der ersten Neurologien in der Region.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. "Es ist keine Feier für die Öffentlichkeit, darauf haben wir zunächst verzichtet. Es ist ein Symposium für auf dem Gebiet der Neurologie Tätige", sagt der 61-Jährige.

Aus München wird der Dekan der Medizinischen Fakultät, Peter Henningsen, am Festtag referieren. Der Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin bei der Robert-Bosch-Stiftung, Robert Jütte, wird aus Stuttgart anreisen. Und der ehemalige Chefarzt der Rehaklinik Sonneneck in Badenweiler wird - natürlich neben Vetter selbst - auch am Rednerpult stehen. Weniger um einen Rückblick auf die vergangenen 50 Jahre oder auf den medizinischen Fortschritt in dieser Zeit soll es am Festtag im SKH gehen. Eher soll auf die verbindende und überschneidende Bedeutung von Körper, Psyche und Umwelt eingegangen werden, erklärt Vetter.

"Egal, wie das Krankheitsbild aussieht: ein intaktes soziales Umfeld beschleunigt den Heilungsprozess", meint der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Dies sei auch beim Schlaganfall oder bei der Multiplen Sklerose (MS) der Fall - bei beiden Krankheitsbilder habe es in der Neurologie im Laufe der letzten Jahrzehnte enorme Fortschritte gegeben.

Ein Verdienst der Neurologie in Deutschland und auch in Altscherbitz etwa sei die Behandlung von Schlaganfall-Patienten und die Einrichtung sogenannter Stroke-Units gewesen. "Das ist eines der wenigen Gebiete, das auch auf Amerika positiv ausgestrahlt hat", sagt Vetter. Die bei Medizinern vor 50 Jahren vorherrschende Meinung war es, Schlaganfall-Patienten zu Hause zu lassen. "Leichte Fälle bessern sich auch ohne Behandlung und bei schweren Fällen konnte man nicht helfen, war die Begründung", sagt Vetter. Heute komme jeder Schlaganfall, der als solcher erkannt werde, ins Krankenhaus, auch wenn die Symptome wieder verschwunden sind. Es werde viel genauer untersucht und es gebe wirksame Behandlungsmethoden.

Allerdings sei der Prozentsatz der unerkannten Schlaganfälle noch sehr hoch. "Jeder müsste wissen, was ein Schlaganfall bedeutet und welche Symptome er zeigt", mahnt Vetter. Zwar sei das Bewusstsein für eine gesunde Lebensweise in der Bevölkerung gestiegen, der Anteil der Raucher nehme ab und auch die Motivation, mit jenem Laster zu brechen, sei einfacher, aber die Aufklärung laufe recht zähflüssig. "Es ist eine Verbesserung zu registrieren. Die steht aber in keinem Verhältnis zum aufklärerischen Aufwand, den wir betreiben", sagt der Neurologie-Chef.

Aus diesem Grund geht das SKH in Sachen Schlaganfall-Aufklärung auch neue Wege. "Wir haben mit dem Gymnasium Schkeuditz eine Kooperation und laden Schulklassen in das Krankenhaus ein", sagt Vetter. Dabei habe er die Hoffnung, dass die Kinder das Thema in die Familien tragen. Seit gut einem Jahr gebe es diese Zusammenarbeit mit dem Ziel, noch mehr für das Thema zu sensibilisieren.

Bei der MS-Krankheit verhalte sich die Entwicklung bezüglich eines notwendigen Krankenhaus-Aufenthaltes entgegen der des Schlaganfalls. "Vor 50 Jahren hat man bei MS nichts machen können. Die Maßnahmen beschränkten sich darauf, die Beweglichkeit der Patienten aufrecht erhalten zu können. Oft führte die Krankheit unweigerlich in den Rollstuhl", erklärt der Chefarzt. Heute habe die MS dank einer sehr erfolgreichen medikamentösen Behandlung oft einen recht günstigen Verlauf, auch wenn diese Medikamente sehr teuer seien. Erst seit den 1990er Jahren gebe es die Arznei. Auch bei den Untersuchungen seien die Methoden heute andere, als vor 50 Jahren. Die Kriterien, wann eine Krankheit als MS bezeichnet wird, seien heute ebenfalls andere. "Der Anteil derer, denen geholfen werden kann, ist viel größer", sagt Vetter, auch wenn die MS-Krankheit selbst nach wie vor unheilbar sei.

Die Neurologie in Altscherbitz war vor 50 Jahren im Kreisgebiet Leipzig die erste. Seit mehr als 15 Jahren ist Vetter der Chefarzt der Neurologischen Klinik. Im gemeinsamen Bau vom Altscherbitzer SKH und der Helios-Klinik ist ihr Sitz. "Für eine enge Zusammenarbeit der beiden Häuser habe ich mich immer eingesetzt", sagt Vetter. Diese Chance sollte auch nicht ungenutzt bleiben und zum Wohle der Patienten weiter intensiviert werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.04.2015
Roland Heinrich

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