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Kranker Gartenfreund sieht sich ungerecht behandelt

Kranker Gartenfreund sieht sich ungerecht behandelt

Etwas geknickt und verständnislos schilderte diese Woche der Schkeuditzer Heinz Rose in der LVZ-Redaktion seinen Fall. Seit fast 44 Jahren hat er einen Garten im Kleingärtnerverein "Auenblick" und eigentlich nie Ärger gehabt.

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Heinz Rose zeigt den Brief, mit dessen Inhalt er nicht einverstanden ist.

Quelle: Olaf Barth

Schkeuditz. Doch jetzt sieht er sich ungerecht behandelt. Der Grund: In der Jahresabrechnung taucht die Position "Entgelt für nicht geleistete Gemeinschaftsarbeit 2013" in Höhe von 120 Euro auf. Acht Stunden Arbeit im Jahr sind laut Satzung Pflicht, oder jeweils 15 Euro pro Stunde. Der 74-Jährige will das nicht zahlen, hatte schriftlich Widerspruch eingelegt und das so begründet: "Ich kann doch gar nicht mehr arbeiten. Nach zehn Minuten muss ich mich gleich wieder hinsetzen und ausruhen."

Das klingt bei seiner Krankengeschichte nachvollziehbar. 20 Operationen habe er nach seinen zwei Herzinfarkten im Jahr 2010 hinter sich, davon 14 im Jahr 2011, die letzte im Oktober 2013. 14 "Ersatztzeile" habe er nun inklusive eines Herzschrittmachers in der Brust, muss jeden Tag drei Blutverdünner zu sich nehmen. "Ich kann einfach keine Stunde lang mehr arbeiten", sagt der Senior. Und: "Freundliche Nachbarn haben mir 2010 und 2011 ja schon in meinem eigenen Garten geholfen." Denn seine 85-jährige Frau sei gar nicht mehr in der Lage, mitzuhelfen. Gemeinschaftsarbeit habe er seitdem nicht mehr geleistet. "Ich hatte noch Stunden gut und habe davon gelebt. Für 2012 hatte es nicht mehr ganz gereicht, da habe ich schon einen Teil als Ausgleich bezahlt", so Rose. Denn ein Drückeberger sei er nicht. Im Gegenteil. Als er noch dazu in der Lage war, habe er mehr geleistet als nötig. Als Lehrausbilder war er in der Gartenanlage für anfallende Schweißarbeiten zuständig. "Ich möchte den Garten behalten, aber wenn es gar nicht geht, muss ich mich eben um einen anderen Verein bemühen, wo man als kranker Rentner von der Gemeinschaftsarbeit befreit ist", sagt Rose. Er ist im Rahmen seiner Möglichkeiten selbst noch bei der TSG Schkeuditz in der Wandergruppe aktiv, legt einmal in der Woche mit Pausen mehrere Kilometer zurück und hat sich jahrelang ehrenamtlich mit seiner Frau um die Wanderer gekümmert.

Roses schriftlicher Widerspruch gegen die 120-Euro-Forderung wurde ebenfalls schriftlich vom Vereinsvorsitzenden Torsten Enger zurückgewiesen. Weder die Kleingartenordnung des Kreisverbandes Leipzig der Kleingärtner Westsachsen noch die Satzung des KGV "Auenblick" sehe eine Befreiung von der Gemeinschaftsarbeit vor. Zu deren Ableistung sei jedes Mitglied verpflichtet. Zum Nachlesen verwies er noch auf die entsprechenden Punkte und Paragrafen. Bis zum 15. Februar werde die Zahlung des gesamten Betrages der Jahresabrechnung erwartet, es sei auch Ratenzahlung möglich.

"Als Vorstand haben wir uns an die Ordnungen und an die von den Mitgliedern beschlossene Satzung zu halten. Warum ist Herr Rose nicht zu uns gekommen?", fragt der Vorsitzende etwas verärgert. Gesprächsgelegenheiten gebe es bei regelmäßigen Sprechstunden oder den Mitgliederversammlungen. "Wir können nicht zu jedem einzelnen Gartenfreund gehen und fragen, ob er ein Problem hat." Auf der 7,5 Hektar großen Fläche gibt es 196 Gärten. Persönlich kennengelernt haben sich Rose und Enger noch nicht.

Es ist reine Spekulation, dass ein persönliches Gespräch die Luft aus dem Kessel genommen hätte, ausgeschlossen ist es nicht. Denn Enger sagt auch: "Natürlich haben wir Respekt vor dem Alter, wir kommen ja selbst einmal dahin." Der 47-Jährige zeigt für solche Fälle, wenn jemand selbst nicht mehr arbeiten kann, Lösungsmöglichkeiten auf: "Man kann sich von Verwandten oder Bekannten vertreten lassen. Wir drücken niemandem den Spaten in die Hand, bis er umfällt. Es gibt leichte Arbeiten und sicher lassen sich in Einzelfällen die Stunden auch aufteilen."

Die 120-Euro-Forderung steht aber weiter im Raum und ist laut Satzung auch nicht zu Unrecht erhoben worden. Wie er damit umgeht, muss Heinz Rose, so schwer es fällt, nun selbst entscheiden. Olaf Barth

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.01.2014
Olaf Barth

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