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Lesung aus Flüchtlingsdrama wird im DHL-Hangar zum Erlebnis

Lesung aus Flüchtlingsdrama wird im DHL-Hangar zum Erlebnis

Rucksack ablegen, metallische Gegenstände und Telefone aus den Taschen holen und durch eine Sicherheitschleuse gehen - so begann am gestrigen Vormittag eine Veranstaltung für Schkeuditzer Gymnasiasten.

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Erlebnis: Unter einer Boeing-Frachtmaschine von DHL lauschte eine Schkeuditzer Gymnasiumsklasse der Leipziger Autorin Anna Kuschnarowa. Sie schildert in ihrem Buch "Kinshasa Dreams" die jahrelange Flucht eines Jugendlichen - auch als "Flugzeugfracht" - aus dem Kongo nach Europa.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Nicht in der Schule, sondern im Hangar der DHL. Dort hatte die Leipziger Kinderstiftung mit dem Fracht-Unternehmen eine Lesung organisiert, die für die Jugendlichen zu einem Erlebnis werden sollte. Unter einer Boeing sitzend konnten die Schülerinnen und Schüler der Leipziger Autorin Anna Kuschnarowa zuhören, die Episoden aus ihrem Buch "Kinshasa Dreams" vorlas.

"Wie ihr an meinem Namen hört, habe auch ich einen sogenannten Migrationshintergrund. Mein Großvater ist vor etwa 100 Jahren von Russland nach Deutschland gekommen", leitete Kuschnarowa ein. Heute habe sie einen kongolesischen Mann, der zwölf Jahre gebraucht habe, um dann in Deutschland eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Ihr Buch sei ein Stück auch seine Geschichte. In dem Flüchtlingsdrama geht es um Freundschaft, Liebe und Verrat, aber auch ums nackte Überleben.

"Natürlich habe ich das Buch vorher gelesen", sagte Christine Bödecker, Projektleiterin von der Leipziger Kinderstiftung. Im vergangenen Jahr sei "Kinshasa Dreams" mit dem Gustav-Heinemann-Preis für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet worden. Für diesen Preis, der von der nordrhein-westfälischen Landesregierung verliehen werde, seien Themen wichtig, die auf gesellschaftliche Gegebenheiten hinweisen. "Mich hat das Buch tief berührt. Klar, man hat ein allgemeines Bild zur Flüchtlingssituation. Aber so konkret habe ich die Problematik noch nicht erfahren", gab Bödecker zu.

Im Roman lebt der Junge Jengo, dessen Traum es ist, Boxer zu werden, mit seiner Familie im Kongo. Als die Mutter verschwindet, macht er sich auf die Reise. Zusammen mit einem Straßenjungen begibt er sich auf eine jahrelange Odyssee. Als "Frachtgut" versteckt er sich in einer Kiste und kommt per Flugzeug unbeabsichtigt nach Kairo. "Er spricht Lingala und ein bisschen französisch, muss aber im arabischen Kairo zurechtkommen", erklärte Kuschnarowa die Situation. Über Lampedusa gelingt schließlich die nicht ganz legale Einreise nach Europa.

Als Ergänzung zur Lesung, die von den Gymnasiasten aufmerksam verfolgt wurde, gab Frank Oswald von DHL eine nicht ganz gewöhnliche Führung durch die Boeing-Frachtmaschine: Er wies an der Maschine auf mögliche Verstecke hin. "In Amerika ist es einem Jugendlichen gelungen, versteckt im Fahrwerk mitzufliegen. Das ist gleich mehrfach gefährlich. Hier gibt es mechanische Risiken. Auch herrschen hier beim Flug bis zu 60 Grad unter Null", erklärte Oswald und erwähnte, dass besagter Jugendlicher überlebte. Im Zwiegespräch mit Kuschnarowa schloss er eine derartige "Reise" aufgrund der Sicherheitsbestimmungen innerhalb Europas aber als unwahrscheinlich aus.

"Ich hatte bei der Recherche für mein Buch keine Möglichkeit, so nah an ein Flugzeug heranzukommen. Ich habe viel im Internet erfahren", sagte die Autorin. Bödecker bezeichnete die ungewöhnliche Lesung als Paukenschlag, der auf das Thema Flucht hinweisen soll. "Ich hoffe, wir konnten Anregungen geben. Das Thema wird uns die nächsten Jahre stärker beschäftigen", sagte sie.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.09.2014
Roland Heinrich

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