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Lichtwirbel im Schkeuditzer Depot

„La turbulenza“-Performance entführt in andere Welten Lichtwirbel im Schkeuditzer Depot

Großflächig auf eine Leinwand projiziert, werden Linien und Lichtbündel in Bewegung versetzt. Was das Publikum da im Straßenbahndepot in der Überschneidung von Kunst und Technik zu sehen bekam, war spektakulär.

Scheinbar dreidimensional wirbeln zur Musik bunte Liniengebilde durch das alte Straßenbahndepot am Schkeuditzer Rathausplatz. An zwei Abenden wurde dort das einzigartige, visuelle Konzert aufgeführt.

Quelle: Michael Strohmeyer

Schkeuditz. Schade, jammerschade, dass zur ersten von zwei Aufführungen neulich nur zwei Dutzend Besucher der Einladung des Vereins art Kapella Schkeuditz gefolgt waren. „Die Leute“, das räumt auch Brunhild Fischer ein, „konnten sich unter der Ankündigung nicht viel vorstellen. Aber wenn wir berühmt sind, kommen sie“, ist die Musikerin zuversichtlich. Damit liegt sie vermutlich richtig. Für das staatlich geförderte Programm „La turbulenza“ komponierte sie die Musik, spielte Orgelpassagen und digitalen Sound ein.

Für dieses akustische Material, das mit vielschichtigen Assoziationen zum ortsprägenden Flughafen Leipzig/Halle spielt, entwickelten Julia Schäfer und Johannes Schmidt eine ideenreiche Lichtmalerei. Das Konzept, eine musikalische Performance damit kongenial zu vernetzen, dürfte seinesgleichen suchen. Die Malerin und der Medienkünstler vom Berliner Ensemble „Kopffarben“ ertüftelten eine frappierende Technik, mit der sie parallel zur Musik live auf einem Monitor Bildgefüge aufbauen. Großflächig auf eine Leinwand projiziert, werden diese Strukturen in Bewegung versetzt. Was das Publikum da im Straßenbahndepot in der Überschneidung von Kunst und Technik zu sehen bekam, war spektakulär. Zu sphärischen Klängen oder zu von Fischer live gespielter Flötenmusik rotierten, wirbelten und taumelten zarte Liniengebilde, Spiralen oder Strichbündel in explodierende Farbextasen. Hausfassaden fächerten sich auf, fragile Gestalten, Flugzeuge und Kräne entfalteten sich Strich für Strich. Lineare Netze trudelten scheinbar ins Dreidimensionale, begleitet auf ihrem Weg in die Tiefe des Raums von zarten Molluskenstrukturen und bunten Fischen. Formen drifteten in die Fernen fremder Galaxien, brachen auf in dunkle Tiefen oder entluden sich in einem sprühenden Feuerwerk. Dem Publikum bot sich ein Farbenspiel ohnegleichen, ein ästhetisches Erlebnis, das ganz in einer träumerischen Musik aufging, die auch ins kraftvoll Dynamische umschlagen konnte. Die Stunde der Turbulenzen, der Verwirbelungen im Strömungsfeld, ging jedenfalls vorüber, als wäre die Zeit aufgehoben.

Der Abend stand im Zeichen des Projektes „Schkeuditz und der Rest der Welt – Stadt des Flugzeugbaus – unbekanntes Drehkreuz“ und spielte technische Entwicklung in einer packenden künstlerischen Aktion aus. Abgerundet, so Vereinsvorsitzende Petra Kießling, wird das Vorhaben Ende November mit einer Podiumsdiskussion in der art Kapella im Stadtpark, bei der sowohl unter historischem als auch aktuellem Aspekt über Vor- und Nachteile des Flughafens Leipzig/Halle für die Stadt Schkeuditz diskutiert werden soll. Eine Videodokumentation des visuellen Konzertes „La turbulenza“, welches sich mit seinen beiden Aufführungen in den Reigen der 4. Tage der Industriekultur in Leipzig einfügte, wird dann noch einmal kurz den Bogen zum künstlerischen Teil des Projektes schlagen.

Kleiner Trost für Aktive wie Organisatoren: Zur zweiten Vorstellung ließen sich 40 Besucher auf den mitreißenden Dialog zwischen Lichtmalerei und Musik-Performance ein.

Von Ingrid Leps

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