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Nahversorgung muss kommen

Nahversorgung muss kommen

Ein Ladengeschäft im Schkeuditzer Ortsteil Dölzig muss kommen und könnte aus wirtschaftlicher Sicht auch machbar sein. Zu diesem Ergebnis gelangen Studentinnen der Westsächsischen Hochschule Zwickau nach der Auswertung einer im Ort durchgeführten Befragung.

Dölzig. Ein Finanz- und Invest-Plan soll noch erstellt werden.

Dölzig möchte wieder ein Ladengeschäft im Ort haben - und das schon seit Jahren. Die Einwohner würden nur noch Autos hinterherlaufen, hieß es, als hier nach dem Fleischer und dem Bäcker auch noch die Sparkasse auf ein mobiles Angebot umstieg. Jetzt haben sich sieben Studentinnen der Hochschule Zwickau unter der Leitung der Professorin Gabriele Günther und der Projektbetreuerin Marianne Vogel der Thematik wissenschaftlich genähert und erste Ergebnisse vorgestellt.

"Rund 97 Prozent der Dölziger erachten eine Grundversorgung im Ort für notwendig und wünschen diese", sagte Franziska Wendel. Vor Ortschaftsräten und einigen Bewohnern Dölzigs präsentierte sie Ergebnisse einer Umfrage, die zunächst Klarheit über den Ist-Zustand verschaffen sollte. Fragebögen waren dafür im Ort verteilt worden. Enthalten waren Fragen, die die jeweiligen Haushalte betreffen. Aber auch personenbezogene Auskünfte wurden anonym abgefragt (die LVZ berichtete). "Der Rücklauf war recht gut", sagte Wendel. Rund 950 Antwortbögen konnten in die Auswertung einfließen.

Fast 81 Prozent der Befragten fahren zum Einkaufen demnach mit dem eigenen Pkw. Nocheinmal rund 10 Prozent fahren bei jemandem im Auto mit. Ohne weitere Tätigkeiten damit zu verbinden, erfolgt der Einkauf bei rund 61 Prozent der Dölziger separat. Dabei legen sie zu rund 76 Prozent zwischen drei und zehn Kilometern für eine Fahrt zurück. Nocheinmal rund neun Prozent fahren bis zu 15 Kilometer und weiter, um einkaufen zu können. Einiges Einsparpotential bietet diese Situation also für den Dölziger. Immerhin rund 68 Prozent der Dölziger wären dafür auch bereit, in einem im Ort ansässigen Geschäft mehr bezahlen zu müssen.

"Die Studenten machen dieses Projekt in ihrer Freizeit und auf eigene Kosten. Wenn Vorlesungen oder Prüfungen anstehen, dann ruhen natürlich die Arbeiten", erklärte die Professorin fast entschuldigend jene vom Verteilen der Fragebögen im April bis zur jetzigen Auswertung verstrichene Zeit. "Wir sind froh, dass wir diese Daten bekommen. Und ein möglicher Ladeninhaber oder -betreiber wird ebenfalls nicht undankbar sein", entgegnete Ortsvorsteher Lothar Böttcher. Tatsächlich haben eine derartige Analyse wohl nicht viele Unternehmens-Starter zur Verfügung.

In welcher Form, in welchem Objekt oder wo im Ort ein künftiges Geschäft betrieben werden könnte, ist indes noch unklar. Immerhin kämen laut Befragung bei der Variante, Genossenschaftsanteile zu je 100 Euro zu verkaufen, von 82 Dölzigern 44 300 Euro zusammen. Als Standort für den im Studentinnen-Projekt Minimarkt genannten Geschäft biete sich der Wohn- und Gewerbepark Dölzig an, meinte Böttcher. Nach ersten Schätzungen der Studentinnen werde man wegen einer sich lohnenden Größe des Geschäftes wohl auch über einen Neubau nachdenken müssen.

"Auch in Orten mit weniger als 2000 Einwohnern ist ein Lebensmittelmarkt möglich. Eine Nahversorgung als ein Baustein zur Sicherung der Lebensqualität, insbesondere auch in einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung, muss entwickelt werden", resümieren die Studentinnen. Derartige Herausforderungen würden unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung in den nächsten 20 bis 30 Jahren eine Vielzahl von Orten im ländlichen Raum unausweichlich zu bewältigen haben. Roland Heinrich

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.10.2013
Roland Heinrich

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