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Natur nutzt die alten Wasserläufe

Natur nutzt die alten Wasserläufe

Das Hochwasser im Januar vorigen Jahres war am Dienstagabend noch einmal Thema im Technischen Ausschuss. Der Experte eines Berliner Landschaftsarchitekturbüros stellte die Ergebnisse einer Untersuchung vor, bei der es um die Ausbreitung der Wassermassen und mögliche Konsequenzen ging.

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Mit Sandsäcken wurde in der Aue bei Schkeuditz versucht, die Zufahrt und die Domholzschänke vor Überflutung zu schützen.

Quelle: Olaf Barth

Schkeuditz. Es ist gerade mal 18 Monate her, als die Bundesstraße 186 zwischen Schkeuditz und Dölzig gesperrt war. Feuerwehrleute schleppten Sandsäcke und schützten die Domholzschänke vor der Überschwemmung. Oberbürgermeister Jörg Enke und Ordnungsamtsleiter Michael Winiecki kamen damals aus ihren Gummi-Stiefeln gar nicht mehr raus. Amtsleiter Frank Wenzel weilte als Kontaktperson im Leipziger Krisenstab. Derweil suchten sich an der Kreuzung mit den Abzweigen zur Domholzschänke und nach Kleinliebenau die Wassermassen ihren Weg. Leipzig hatte das Nahle-Auslassbauwerk öffnen und so die als Polder dienende und bis zum Kleinliebenauer Deich reichende Auenlandschaft fluten müssen. Weshalb das Hochwasser aber dann so und nicht anders durch die Aue strömte, dazu hielt Jörg Putkunz vom bgmr-Landschaftsarchitekturbüro einen Vortrag. Denn das Büro hatte im Auftrag der Stadt Leipzig und der Landestalsperrenverwaltung entsprechende Untersuchungen vorgenommen.

Das Fazit des Experten: Beginnend in der Burgaue hat die Natur die historischen Wasserläufe reaktiviert und das Hochwasser durch Arme und Verästelungen des einstigen Luppe-Binnendeltas geschickt. Der Polder habe funktioniert, und dessen Überflutung habe ihr Ziel erreicht, den Druck vom Luppe-Deich zu nehmen. Klar ist für Putkunz aber auch: „Das Hochwasser hat uns die Bedeutung der historischen Flussläufe erkennen lassen. Das Wasser sucht sich seinen bekannten Weg.“

Obwohl in dem alles in allem zehn Kilometer breiten und zirka sieben Quadratkilometer umfassenden Polder alles sehr gut geklappt habe und die Spitzen der Neuen Luppe gekappt werden konnten, differenzierte Putkunz. Während der „Binnenabluss“ im östlichen Teil gut funktionierte, habe es im westlichen Teil Rückstaus gegeben, weil die historischen Abflussbahnen gestört waren. Der Bau der Neuen Luppe in den 30-er Jahren habe die Altläufe der Luppe durchtrennt und den natürlichen Abfluss in Richtung Nordwesten unterbrochen. So suchte sich das Wasser teils seinen Weg nach Westen parallel zum Deich oder staute sich an der Zschampertmündung, was sogar zu einer Umkehr der Fließrichtung Richtung Süden führte, ehe das Wasser wieder auf historische Rinnen stieß und sich dann wieder nordwestlich ausbreitete. „Eine Lehre wäre, die Wasserabläufe zu optimieren und einige wieder herzustellen, sodass das Wasser stetig, aber verzögert durch den Polder von Ost nach West fließen kann. Das mindert die Gefahr für die Siedlungsinseln im Polder und hat für die Natur des Auenwaldes einen positiven Effekt“, so Putkunz.

Aussagen über die Auswirkungen auf das Grundwasser könnten jetzt aber noch nicht getroffen werden. Das müsse noch untersucht werden, sagte der Landschaftsarchitekt und antwortete damit auf die Frage eines Stadtrates. Die Erkenntnisse aus der Untersuchtung können in das Projekt „Lebendige Luppe“ zur Wiedervernässung der Aue mit einfließen. Olaf Barth

Olaf Barth

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