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Schkeuditz Organist bringt Piraten und Hobbits in die Kirche
Region Schkeuditz Organist bringt Piraten und Hobbits in die Kirche
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07:00 06.02.2012
Rico Feist entlockt der Orgel in der Altscherbitzer Kirche ganz ungewohnte Klänge. Am Ende bekommt er dafür viel reichlich Applaus. Quelle: Olaf Barth
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Schkeuditz

Gut 100 Zuhörer waren am späten Freitagnachmittag gekommen, spendeten reichlich Applaus und auch einige Bravo-Rufe. Was war passiert?

Der 22-jährige Informatik-Student hatte mit zahlreichen für die Orgel umarrangierten Ohrwürmern den Nerv der Zuhörer getroffen. Zunächst wärmte er sich mit Klassikern wie „Hit the Road Jack“ von Ray Charles oder „Sunny“ von Bobby Hebb auf. Bereits nach dem dritten von rund 20 Titeln, inklusive zweier Zugaben, hatte der junge Mann sein Jackett ausgezogen. So wie er mit den Füßen über die Pedale tänzelte und stampfte, mit den Fingern über die Manuale flitzte, musste es ihm auch warm werden. Dann ließ er vielstimmig Glenn Millers Big-Band-Sound mit Titel wie „In the Mood“ oder „Chattanooga Choo Choo“ lebendig werden.

Für den Engelsdorfer Hobby-Musiker, der auch als Kantor der Gemeinde Bennewitz-Püchau tätig ist, ist es kein Frevel, der Orgel diese Art Musik zu entlocken. „Jazz und Spirituals haben religiöse Wurzeln in den Liedern der amerikanischen Sklavenarbeiter auf den Baumwollfeldern. Ich erinnere da nur an New Orleans und an das, was dort in den Gottesdiensten musikalisch passiert“, hatte Feist nach der Begrüßung durch Pfarrer Axel Meißner seinem Publikum mit auf den Weg gegeben. Doch dieses sprang selbst bei den schwungvollen Miller-Melodien nicht aus den Bänken, um mitzuswingen. Das macht man hierzulande nicht. „Ich würde mir schon wünschen, dass auch bei uns die Zuhörer mehr aus sich herausgehen zeigen“, meinte Feist.

Die ganze Klangwucht einer Orgel spielte Feist dann auch bei den Filmmelodien aus. So ließ er anfangs leise erst die fabelhafte Welt der Amelie und dann das kleine Hobbit-Dorf aus dem Film „Der Herr der Ringe“ auferstehen. Später steigerte er das bekannte Ringe-Thema voluminös zum kirchenfüllenden Klangbild. Ähnliches vollzog sich bei der Filmmusik von „Piraten der Karibik“, ehe Feist dann mit „Star Wars“ den Schlusspunkt setzte. Selbst dieser eigentlich martialische Titel passte in die Kirche, denn dort ist bis zu den Winterferien noch eine Ausstellung mit Sternenfotos des Schkeuditzer Planetariums zu sehen. Dessen Leiter Peter Schilling lud dann auch gleich ein, sich noch am selben Abend den Sternenhimmel anzuschauen.

Rico Feit aber stand nachher Besuchern Rede und Antwort. Denn einige rätselten, welche Vielfalt er aus diesem Instrument gezaubert hatte. „Na ja, diese Orgel hat einige Spielhilfen, die die Arbeit des Organisten erleichtern“, verriet der Musiker lachend. Bestimmte Einstellungen an den Registern könne er vor dem Titel schon festlegen und hätte dann beide Hände frei zum Spielen.

Olaf Barth

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