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Papitzer Kirche wird im Winter nicht genutzt

Vor 110 Jahren wurde Gotteshaus geweiht Papitzer Kirche wird im Winter nicht genutzt

Die Papitzer Kirche ist 110 Jahre alt und fungiert quasi nur noch als Sommerquartier. Zum Buß- und Bettag wird hier das letzte Mal in diesem Jahr gepredigt.

Die Papitzer Kirche wurde vor 110 Jahren geweiht. Offizieller Anlass: Erinnerung an die Silberhochzeit von Kaiser Wilhelm II. und Auguste Viktoria.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. „Mit Tannengrün und Fahnen reizend geschmückt“ war 1906 „das Kirchlein, das äußerlich klein, aber einladend daliegt“. An jenem Dienstag vor 110 Jahren wurde die neu errichtete Kirche am 13. November feierlich geweiht. Ein Festzug bewegte sich „von der Schule her unter Glockengeläut zu der Hauptpforte“, heißt es im Schkeuditzer Tageblatt vom 15. November des Jahres. Mit Geld, das dem Evangelisch-Kirchlichen Hilfsverein in Preußen wegen des 25. Ehejubiläums von Kaiser Wilhelm II. und Auguste Viktoria zur Verfügung stand, wurde die Kirche gebaut. Ab 1911 durfte sie den Namen Gedächtniskirche tragen.

„Ich werde bei der Predigt am 30.Oktober auch den 110. Geburtstag der Kirche erwähnen“, sagte Pfarrer Axel Meißner auf Anfrage der LVZ. Groß habe man 2006 den 100. Jahrestag des Gotteshauses mit einem Gemeindefest gefeiert, erwähnte er. Eine größere Würdigung könne er sich dann wieder zum 125. Geburtstag 2031 vorstellen. Nach dem erwähnten sonntäglichen 10-Uhr-Gottesdienst werde es noch einmal zum Buß- und Bettag am 16. November einen Gottesdienst geben. Dann bleibt die Papitzer Kirche ungenutzt. „Wir weichen in den Wintermonaten in die Altscherbitzer Kirche aus. Die Papitzer Kirche ist quasi unsere Sommerkirche“, erklärte der Pfarrer.

Das Bevölkerungswachstum infolge der Industrialisierung und auch der kontinuierliche Ausbau der „Provinzial-Irrenanstalt Altscherbitz“ verstärkten im damals noch eigenständigen Ort Papitz den Wunsch nach einer Kirche. Die Altscherbitzer Kirche, die 2013 ihr 100-jähriges Bestehen feierte, gab es noch nicht und wäre als Krankenhauskirche von den Papitzern damals womöglich auch nicht angenommen worden.

Das Grundstück für den Papitzer Kirchenbau gehörte ursprünglich dem Gutsherren von Modelwitz und wurde fast genau ein Jahr vor der Kirchweihe, am 8. November 1905, der Evangelischen Kirchengemeinde Cursdorf überlassen. Es lag zentral im Ort. Schon zwei Monate vorher wurde am 3. September der Grundstein für die Kirche gelegt.

Unerwähnt im Artikel zur Kirchweihe 1906 blieb übrigens der Architekt. Zwar werden die „prächtigen Glasfenster der Firma Guckeisen“, die „wunderbare Deckenmalerei“ des „Kunstmalers Braun“ aus Berlin und die „kunstvoll geschmiedeten Kronleuchter“ des „Kunstschmiedes Kupka“ aus Schkeuditz genannt. Ein Hinweis auf Artur Beck, der der Architekt und gleichzeitig ehrenamtlicher Kantor der Papitzer Kirche war, fehlt aber. Der fertigte 1921/22 zwei sogenannte Naturaufnahmen an, die jetzt erstmals öffentlich gezeigt wurden. Auf dem ersten Blatt sind Straßen- und Seitenansicht sowie Querschnitt, Grundriss und Details der Kirche akribisch aufgezeichnet. Ein zweites Blatt zeigt einen Querschnitt des Kirchturmes und Einzelheiten des Baus. Pfarrer Meißner hatte die Blätter jetzt zugänglich gemacht.

Von Roland Heinrich

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