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Pilotprojekt für Deutschland

Pilotprojekt für Deutschland

Jetzt wird es ernst. Das im Herbst erstmals vorgestellte Projekt Kunst im öffentlichen Raum an der Kleinliebenauer Kirche (wir berichteten) nimmt konkrete Züge an.

Kleinliebenau. Dieser Tage trafen sich Dorfbewohner, Mitglieder des Kunst- und Pilgervereins Kleinliebenau sowie Künstler im Gasthof Kleinliebenau zu einer angeregten Diskussion. Fast 50 Interessenten redeten sich zwei Stunden lang die Köpfe heiß. Mit einem Modell der kleinen Pilgerkirche und Zeichnungen hatten die Künstler Marc Pouzol, Veroniqué Faucheur und Anne Przybill vom Berliner Atelier le Balto ihre Ideen für die Gestaltung der Außenanlagen vorgestellt. Unter anderem ging es um das Anlegen eines Wassergrabens mit Laufstegen aus einheimischen Hölzern und die Bepflanzung mit Trauerweiden. Sofort entspann sich ein Disput über die Materialien. „Sie sollten langlebig sein und keinen hohen Wartungsaufwand mit sich bringen“, gab zum Beispiel Giesela Noser zu bedenken. Sie unterstützt als engagiertes Vereinsmitglied leidenschaftlich die Sanierung und Gestaltung der Pilgerkirche. Diskutiert wurde zudem darüber, inwieweit bei der Gestaltung auch der Friedhof an der Kirche mit einbezogen werden darf. Dazu und zu vielen anderen Fragen gab es keine abschließende Meinungsbildung, wohl aber Anregungen, sich weiter damit zu beschäftigen und die noch offenen Fragen zu klären. Zu den Gästen der Veranstaltung gehörte auch Barbara Steiner. Sie ist an der Leipziger  Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) Direktorin sowie Kuratorin. „Ich hatte bereits viel in der LVZ über den Kleinliebenauer Pilgerverein und das Geschehen um die Kirche gelesen. Schon bei meinem ersten Besuch hier hatte mich die kleine Kirche sehr berührt, sie hat einen sehr tiefen Charakter“, sagte die Direktorin, die seit kurzem auch Mitglied im Kultur- und Pilgerverein ist. Ein weiterer Gast war Bauamtsleiter Wolfgang Walter. Angeregt mitdiskutierend betonte der Oberbürgermeisterkandidat, als Privatmann uns aus Interesse gekommen zu sein, erwähnte Vereinsvorsitzender Henrik Mroska. Beeindruckt von den bisherigen Leistungen des Vereins zeigte sich auch Sabine Dengel. „Was hier mit Hilfe der Künstler entstehen soll, ist eine echte Herausforderung. Mir gefällt, wie hier die Leute interessiert diskutieren, mitmachen und anpacken“, sagte die Vertreterin aus der Bonner Bundeszentrale für politische Bildung. Vor allem gefalle ihr, dass Interessenten verschiedener Altersklassen einbezogen sind. Ob nun ältere Dorfbewohner oder Schüler des Evangelischen Schulzentrums Leipzig. Denn die werden sich während eines Workshops Ende Mai/Anfang Juni mit dem Projekt befassen. Die Ergebnisse sollen dann in eine themenbezogene Ausstellung in der GfZK mit einfließen, berichtet Steiner. Zuvor steht allerdings am 24. April das nächste Treffen in Kleinliebenau an. Bis dahin wollen die aus Paris stammenden Künstler vom Atelier le Balto ihre Entwürfe präzisieren und die Ideen aus der jüngsten Diskussionsrunde mit eingearbeitet haben. Dann dürfte das Projekt, das unter der Überschrift „Neue Auftraggeber“ läuft, allmählich in die entscheidende Phase gehen. Und die heißt Finanzierung und Umsetzung. Auftraggeber sollen die Dorfbewohner selbst sein. Um ihre Bedürfnisse gehe es, deshalb sollen sie auch unbedingt so zahlreich wie möglich mit eingebunden werden, hatte bereits im Herbst Projekt-Betreuerin Ilina Kovalova von der GfZK erklärt. Für Deutschland wäre dies ein Pilotprojekt. In Frankreich gibt es bereits über 200 Neue-Auftraggeber-Projekte.

Olaf Barth / Michael Strohmeyer

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