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Recherche zu Schkeuditzer NS-Opfern bringt neue Erkenntnis

„Stolpersteine“ Recherche zu Schkeuditzer NS-Opfern bringt neue Erkenntnis

Am 6. Mai werden in Schkeuditz die ersten sogenannten Stolpersteine verlegt. Sie sollen auch an das jüdische Ehepaar Golda Gusta und Bernhard Goldberger und deren Tochter Hanna (Chana) Goldberger erinnern, die Opfer des nationalsozialistischen Systems wurden. Nun wird eine weitere Tochter genannt.

Hanna Beuthner (geb. Goldberger) benennt im Immigrations-Dokument von 1940 in Haifa eine weitere Schwester.

Quelle: Stadt Schkeuditz

Schkeuditz. In knapp zwei Wochen werden am 6. Mai in Schkeuditz die ersten sogenannten Stolpersteine verlegt. Sie sollen an den Kommunisten Kurt Beyer sowie an das jüdische Ehepaar Golda Gusta und Bernhard Goldberger und deren Tochter Hanna (Chana) Goldberger erinnern, die Opfer des nationalsozialistischen Systems wurden. Wie berichtet, waren ursprüngliche Recherche-Ergebnisse zur Familie Goldberger – nämlich, dass die 1914 geborene Hanna Goldberger die einzige Tochter des Ehepaares gewesen sein soll – von LVZ-Leserinnen dementiert worden.

Ihre Erinnerungen verwiesen auf zwei weitere Töchter: Esther und Mali Goldberger. Während zur um 1926 geborenen Esther Goldberger keine weiteren Informationen vorliegen, konnte die 94-jährige Ruth Lipinski aus Leipzig von ihrer Klassenkameradin Mali Goldberger berichten. Bis 1936 hatten beide die Schulbank im Gebäude des heutigen Gymnasiums gedrückt: „Ich saß direkt hinter Mali“, erinnerte sich die in Schkeuditz Geborene. Von ihrer Schwester habe Mali Goldberger Jaffa-Orangen aus Palästina geschickt bekommen – eine Sensation in damaliger Zeit.

Recherche beim „United States Holocaust Memorial Museum“

Jene Information warf Fragen auf: Nach Recherchen des Stadtmuseums ist Hanna Goldberger mit dem Schiff „SS Pacific“ erst 1940 in der palästinensischen Stadt Haifa angekommen. Sie kann es also nicht gewesen sein, die die Orangen geschickt hat. „Es sei denn, Hanna Goldberger wäre schon vor 1936 – dem Schulende von Mali Goldberger – nach Palästina gereist. Das halte ich aber für ausgeschlossen“, sagte Helge Fischer von der Stadtverwaltung, der an der Recherche beteiligt ist.

Die neuen Informationen waren für Fischer Anlass genug, erneut zur Flucht von Hanna Goldberger zu recherchieren. Beim „United States Holocaust Memorial Museum“ in Washington forderte er Dokumente der dortigen „Holocaust Survivors and Victims Database“ ab. Hanna Goldberger wird in dieser Datenbank als Hanna Beuthner gemeinsam mit ihrem Ehemann Manfred aufgeführt. Beide wurden als illegale Immigranten am 1. November in Haifa registriert.

Bezugsperson war Onkel Abraham Rosenzweig

Interessant auf dem Papier zu Hanna Beuthner sind die Bezugspersonen, die sie scheinbar angeben musste. Zum einen nannte sie ihren Onkel Abraham Rosenzweig, der südlich von Tel Aviv in Kfar Bilu lebte. Hannas Mutter war eine geborene Rosenzweig. Zum anderen gab die damals 26-jährige Hanna mit Adele Greidinger eine weitere und wohl ebenfalls verheiratete Schwester in Tel Aviv an.

„Wir wussten, dass bei der Einreise nach Haifa eine Schwester als Bezugsperson benannt wurde“, sagte Fischer. Es sei aber nicht klar gewesen, ob die Schwester Hanna oder Manfred Beuthner zuzuordnen sei. Mit den jetzt vorliegenden Dokumenten-Kopien sehe man klarer. Auf Manfred Beuthners Papieren ist ebenfalls der Onkel erwähnt. Die Schwester und damit die vierte Tochter von Golda Gusta und Bernhard Goldberger ist aber nur auf Hannas Einreisepapieren genannt.

Die Orangen, die Mali Goldberger vor 1936 geschickt bekam, waren zwar von ihrer großen Schwester, aber wohl nicht von Hanna, sondern von Adele.

Von Roland Heinrich

Schkeuditz, Schillerstraße 9 51.398401862432 12.220556203705
Schkeuditz, Schillerstraße 9
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