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Schkeuditz Rinder starten von Schkeuditz in den Nahen Osten
Region Schkeuditz Rinder starten von Schkeuditz in den Nahen Osten
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13:02 20.02.2017
Verladung der Rinder in die Frachtmaschine vom Typ Boeing 747 05. Je fünf Rinder teilen sich einen sogenannten Einweg-Stall. Quelle: Foto: Filip Lachmann
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SCHKEUDITZ

Ein voll besetzter Jumbo-Jet; der am Flughafen Leipzig/Halle abhebt, kann als Alltag bezeichnet werden. Dass die 165 Passagiere jeweils mehr als 500 Kilogramm auf die Waage bringen, eher nicht. Kurz nach 5 Uhr hob am Donnerstagmorgen eine Frachtmaschine vom Typ Boeing 747 mit dem Ziel Bagdad ab – an Board ausschließlich tragende weibliche Rinder.

Obwohl die tierische Reisegruppe ihren Jungfernflug antrat, ertrug sie das obligatorische Check-In-Prozedere mit stoischer Ruhe. Frisch aus dem Tiertransporter kommend, mussten sich jeweils fünf junge Kuh-Damen in einer standardisierten Frachtkiste für Großtiere einfinden. Von außen fest verzurrt ging es dann per Schlepper über das Vorfeld zum gecharterten Jumbo, bis das lebendige Frachtgut schließlich nach und nach mittels Hebebühne sicher in dessen Bauch verstaut war. Die Verteilung der 33 Transportställe ist eine Kunst für sich. Für die optimale Frachtaufstellung innerhalb des Fliegers wurde jeder einzelne Stall gewogen und ihm ein bestimmter Platz auf den verschiedenen Ladeebenen zugewiesen.

Abgefertigt und verladen wurden die vierbeinigen Fluggäste vom Bodenabfertigungsdienstleister Portground im sogenannten Animal Export Center (AEC) des Flughafens. Die 2010 eröffnete Einrichtung dient allein der Ausfuhr von Nutztieren. Als Abfertigungsterminal steht dem AEC eine 1300 Quadratmeter große Frachthalle zur Verfügung, in der die gesamte Transportvorbereitung erfolgt. Bereits am Vorabend rollten nacheinander fünf vollbeladene Tiertransporter in die Halle. „Gerade in der kalten Jahreszeit ist es wichtig, dass wir über geschützte Räume verfügen, in denen die Tiere in die Transportställe gebracht werden und die Zeit bis zur Verladung ins Flugzeug überbrücken können“, berichtet AEC-Leiterin Gabriele Pokrandt. Der Schkeuditzer Airport sei neben dem Flughafen in Frankfurt/Main bundesweit der einzige, der Tierausfuhren in dieser Größenordnung bewältigen könne. Zur Überwachung der Aufträge befinden sich daher stets zwei Veterinäre auf dem Gelände.

In Auftrag gegeben wurde der aktuelle Transport von der Firma Farhat, einem Vieh- und Fleischgroßhandel aus dem sächsischen Löbau. Dieser kaufte die 165 Holstein-Rinder in Betrieben aus Sachsen-Anhalt und Thüringen im Auftrag des späteren Empfängers auf. Seit mehr als 25 Jahren organisiert Inhaber Youssef Farhat Viehexporte dieser Art: „Rinder aus Deutschland sind erfahrungsgemäß leistungsstärker und robuster als Züchtungen der Golfregion und daher dort stark nachgefragt.“ Zumeist handelt es sich bei seinen Abnehmern außerhalb Europas um finanzstarke Agrarunternehmer aus Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie weiteren Staaten der Golfregion.

Im Vergleich zu Ferntransporten auf der Straße sind Flüge für die Tiere in der Regel weniger stressig, da sie nur Stunden und nicht Tage dauern. Dieser Komfort hat natürlich seinen Preis, sodass Charter-Flüge für Nutztiere nach wie vor ein Nischenmarkt sind. „Bisher konnten wir erst einmal einen so großen Transport auf unserem Gelände abwickeln. Im Dezember 2015 wurde die gleiche Anzahl Rinder nach Kuwait geflogen“, berichtet Pokrandt.

Deutlich häufiger, dafür in kleineren Stückzahlen von zumeist ein bis zwei Tieren, stehen edle Zuchtpferde auf der Passagierliste. Diese gehen dann als sogenannte Zulader an Bord regulärer Frachtmaschinen. Auch eine Herde Ziegen wurde im ACE bereits abgefertigt. Ganz gleich um welche animalische Fracht es sich handelt, die Zielregionen ähneln sich jeweils. So dominieren die wohlhabenden Golfstaaten gefolgt von Ländern aus Südostasien, wie zum Beispiel der Stadtstaat Singapur.

Bisher macht der Export von Großtieren am Frachtaufkommen des Flughafen Leipzig/Halle nur einen sehr geringen Anteil aus, der laut Pressesprecher Uwe Schuhart perspektivisch jedoch ausgebaut werden soll: „Da wir vor Ort sowohl über die erforderlichen Einrichtungen als auch über die optimalen logistischen Voraussetzungen im Umfeld des Flughafens verfügen, möchten wir künftig gern noch stärker an diesem Markt partizipieren.“

Von Filip Lachmann

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