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Schkeuditz Rund 50 Prozent des Auwaldes bildet die gefährdete Baumart
Region Schkeuditz Rund 50 Prozent des Auwaldes bildet die gefährdete Baumart
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18:37 05.10.2015
Ein Zeichen, dass eine Esche krank ist, zeigt Revierförster Carsten Pitsch. Dann nämlich wirft sie grüne Blätter ab. Quelle: Foto: Roland Heinrich
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Schkeuditz

Nicht gut sieht die momentane Situation für die Eschen in der Leipziger Nordwestaue aus. Ein Pilz, das sogenannte Falsche Weiße Stängelbecherchen, sorgt dafür, dass die Wasserzufuhr zunächst zu den Trieben unterbrochen wird, erklärte Revierförster Carsten Pitsch. Früher oder später bedeute das den Tod des Baumes. „Vor allem jüngere Bäume, bis zu einem Alter von 60 Jahren, sind von der Krankheit betroffen“, gab Pitsch Beobachtungen preis.

Dabei gibt es das Weiße Stängelbecherchen schon immer, meinte Pitsch. „Es sorgt dafür, dass die zu Boden gefallenen Blätter zersetzt werden. Doch der neue Pilz bleibt nicht am Boden, sondern befällt die gesunden Bäume“, erklärte der Förster. Das Sterben beginnt an den Trieben, weshalb die Krankheit auch Eschentriebsterben genannt werde.

Gerade jetzt, wenn gesunde Eschen eigentlich noch grün aussehen, können Wanderer die kranken Bäume gut erkennen. Die sehen schon kahl und auch vertrocknet aus und müssen entfernt werden. „Rund 30 bis 40 Prozent, bei jüngeren Bäumen sogar 50 Prozent sind von der Krankheit betroffen“, sagte Pitsch. Es gebe aber durchaus auch Eschen, die resistent zu sein scheinen. Nichtsdestotrotz müssen vier bis fünf Hektar Eschen entnommen werden. Markierungen an kranken Bäumen sind schon erfolgt.

„Wir werden dann hauptsächlich Eichen neu anpflanzen“, informierte der Revierförster zum weiteren Vorgehen. Es werde aber auch Kleinflächen geben, bei denen die Natur sich selbst überlassen werde. „Das müssen wir von Fläche zu Fläche entscheiden“, sagte Pitsch.

Das Eschensterben indes ist kein Problem, das nur in der Nordwestaue auftritt. „Wir haben hier erste Schäden 2008 festgestellt. In Mecklenburg-Vorpommern gab es das Sterben schon etwa fünf Jahre früher“, erwähnte der Revierförster. Auch seien die Auswirkungen hier noch nicht so fatal. Doch keiner wisse, wohin die Entwicklung gehe. Besonders gravierend sei die Auswirkung der Krankheit auf einer Fläche, die erst 2012/2013 mit Eschen bepflanzt wurde. Auch hier hat der Pilz zugeschlagen und nun müssten die kranken Bäume wieder entfernt werden.

„Inzwischen gibt es ein Pflanzverbot für Eschen in ganz Sachsen“, sagte Pitsch und erwähnte, dass das auch auf Privat-Wald zutreffe. Vergleichbar sei das Eschensterben mit dem Ulmensterben, das in den 1970er Jahren einsetzte und als Grund eine Kombination aus Pilz und Käferbefall hatte. „Der Käfer befiel immer nur die schon geschädigten Bäume, gesunden Ulmen konnte er nichts anhaben. Dann kam der Pilz dazu, der auch die gesunden Bäume befiel und damit den Weg für den Käfer frei machte“, erklärte der Förster. Jetzt sei der Anteil der Ulmen auf ein Prozent gesunken.

Wie bedeutend die jetzt beginnende Umwandlung des Baumbestandes ist, macht Pitsch deutlich: „Der Auwald besteht zu etwa 50 Prozent aus Eschen. Und mit dem Pflanzverbot besteht die Gefahr, dass nicht nur die Eschen verloren gehen.“ So sei der Maivogel unmittelbar vom Verschwinden der Esche betroffen. Der auch Eschen-Scheckenfalter genannte Schmetterling ist stark vom Aussterben bedroht, gehört zu den am meisten gefährdeten Arten in Deutschland und ist in der Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie verzeichnet. „Es gibt nur noch vier Vorkommen in ganz Deutschland. Hier im Auwald ist das einzige in Ostdeutschland“, sagte der Förster. Das Problem: Der Schmetterling legt seine Eier nur an Eschenblättern ab, hier vor allem an jungen Eschen. Gerade die sind aber am häufigsten vom Eschentriebsterben betroffen.

Dass die Eschen-Krankheit ein wichtiges Thema im Freistaat ist, zeigt sich auch bei der Messe „Jagd & Angeln“, die von Freitag bis Sonntag in Markkleeberg stattfindet. Der Staatsbetrieb Sachsenforst will dort Krankheiten und Schädlinge an Bäumen in Wald, Park und Garten thematisieren und unter anderem auch zum Eschentriebsterben und dessen Auswirkungen diskutieren.

„Das Bild des Auwaldes wird sich ändern“, sagte Pitsch. Zusätzlich zur normalen Waldpflege und -verjüngung müssen nun auch kranke Bäume entfernt werden. Die Fällungen beginnen demnächst und enden mit dem Februar des nächsten Jahres.

Von Roland Heinrich

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