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Schkeuditz bekommt erste „Stolpersteine“

Gedenken an NS-Opfer Schkeuditz bekommt erste „Stolpersteine“

Inzwischen gibt es 55.000 von ihnen, in 1600 Orten in ganz Europa sind sie verlegt: „Stolpersteine“. In das Trottoir eingelassen sollen sie Blickfang und Mahnung sein. An Opfer der Zeit des Nationalsozialismus sollen die als quadratische Messingtafeln auf dem Fußweg erkennbaren Steine erinnern. Demnächst auch erstmals in Schkeuditz.

An Opfer der Zeit des Nationalsozialismus sollen die als quadratische Messingtafeln auf dem Fußweg erkennbaren Steine erinnern. (Archivfoto)

Quelle: André Kempner

Schkeuditz.  Inzwischen gibt es 55 000 von ihnen, in 1600 Orten in ganz Europa sind sie verlegt: „Stolpersteine“. In das Trottoir eingelassen sollen sie Blickfang und Mahnung sein. An Opfer der Zeit des Nationalsozialismus sollen die als quadratische Messingtafeln auf dem Fußweg erkennbaren Steine erinnern. Demnächst auch erstmals in Schkeuditz. Vier dieser Erinnerungssteine sollen vom Künstler Gunter Demnig aus Köln im Mai hier verlegt werden.

Die von Demnig in Handarbeit gefertigten Messingtafeln, die auf quadratische Betonsteine aufgebracht werden, kennzeichnen den letzten freiwilligen Wohnsitz von Personen, die Opfer des Dritten Reiches wurden und ums Leben kamen. Die „Stolpersteine“ benennen den Namen, den Geburtsjahrgang, das Deportationsjahr und den Todesort. In Schkeuditz sollen nun für die Familie Goldberger in der Schillerstraße 9 und für den Kommunisten Kurt Beyer in der Landwehrstraße 4 insgesamt vier solcher Steine verlegt werden.

Dafür soll der Stadtrat Ende des Monats per Beschluss seine Zustimmung erteilen. Zuvor ist die Beschlussvorlage am kommenden Montag im Verwaltungsausschuss und wird dort öffentlich beraten werden. Wohlwollende Äußerungen zum Projekt soll es im Stadtentwicklungsausschuss schon gegeben haben.

Bereits vor elf Jahren wurde das Projekt Stolpersteine von der Stadt angeschoben. Damals, als es 2005 in nur 125 Städten etwa 7000 „Stolpersteine“ gab, wollte die Stadt gemeinsam mit dem Gymnasium Schkeuditz auf die Suche nach Fakten gehen. „Die Daten zu ermitteln ist ein langwieriger und schwieriger Prozess“, hatte Stadtsprecher Helge Fischer damals betont. Auch glaubte Fischer da noch, dass etwa zehn bis zwölf jüdische Familien in Schkeuditz wohnten.

Die Kooperation mit dem Gymnasium hatte sich ziemlich bald erledigt: „Die Ergebnisse waren nicht zu verwenden“, hatte Fischer 2010 erklärt. Inzwischen ist die Recherche – auch vom Stadtmuseumsleiter Hans Neubert – fortgesetzt worden und die Liste bekannter Opfer der NS-Zeit auf 47 Personen angewachsen. „Diese Liste ist die Grundlage für die jetzigen Nachforschungen der Gymnasiasten“, sagte Neubert. Gemeinsam mit dem Erich-Zeigner-Haus-Verein Leipzig nämlich recherchieren Schüler der zehnten Klasse seit letztem Jahr zum „Stolperstein“-Projekt.

Konkret wird am letzten, frei gewählten Wohnsitz in der Schillerstraße Nummer 9 Golda Goldberger, geborene Rosenzweig, die 1887 geboren wurde, benannt. Gemeinsam mit ihrem Mann Bernhard Goldberger (Jahrgang 1889) wurde sie 1938 nach Polen deportiert. Wie die beiden gestorben sind, ist unbekannt. Der Tochter Hanna Goldberger, die 1914 geboren wurde, gelang 1940 die Flucht nach Palästina. Auf den jeweiligen „Stolpersteinen“ sollen diese Daten nachzulesen sein. Ein vierter Messingstein soll vor der Landwehrstraße 4 an den 1899 geborenen Kurt Beyer erinnern, der 1941 im Konzentrationslager Dachau ermordet worden war.

Verlegt werden sollen die Erinnerungssteine nicht direkt an der Hauswand, sondern möglichst mittig auf dem Fußweg und vor dem Eingang. Die Verlegung werde 120 Euro pro Stein kosten. Diese insgesamt 480 Euro sollen durch eine Spendensammlung der Gymnasiasten eingeworben werden. Als Termin für die Verlegung ist der 6. Mai geplant.

Still geworden ist es allerdings um die Errichtung eines Erinnerungsortes für die Altscherbitzer Opfer der NS-Euthanasie. Von 2060 ehemaligen Patienten der Heilanstalt, die auf dem Anstaltsfriedhof bestattet wurden, seien alle Namen, Geburts- und Einlieferdaten, die Patientennummern und die sogenannten Sterbedaten bekannt. Ein schon 2010 erarbeiteter Entwurf einer Erinnerungsstätte, der alle Namen aufzeigen sollte, heißt „Mantel des Schweigens“ und scheint sich als solcher über das Thema gelegt zu haben.

Von Roland Heinrich

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