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Schkeuditz erhält neue Staatsstraße

Verkehrsentlastung für Innenstadt Schkeuditz erhält neue Staatsstraße

Fast 20 Schkeuditzer nutzten unlängst die Chance, selbst mit Planern und Vertretern der Stadtverwaltung über den Bebauungsplan „Verlängerung Altscherbitzer Straße und M.-Niemöller-Straße“ zu diskutieren. Noch bis zum 27. Oktober können online und in der Stadtverwaltung die Unterlagen für eines der größten Straßenbauprojekte der nächsten Jahre eingesehen werden.

Für den geplanten Neubau der Altscherbitzer Straße ist dieser Kreuzungsbereich ein noch umstrittener Knackpunkt. Nach ersten Überlegungen hatten die Planer ein Linksabbiegen auf die Leipziger Straße, wie hier gerade zu sehen, künftig ausgeschlossen. Nun wird über Anregungen aus der Bürgerschaft nachgedacht.

Quelle: Olaf Barth

Schkeuditz. Noch bis zum 27. Oktober können online und in der Stadtverwaltung die Unterlagen für eines der größten Straßenbauprojekte der nächsten Jahre eingesehen werden. Fast 20 Schkeuditzer nutzten darüber hinaus die Chance, selbst mit Planern und Vertretern der Stadtverwaltung über den Bebauungsplan „Verlängerung Altscherbitzer Straße und M.-Niemöller-Straße“ zu diskutieren. Dabei erhielten sie die aktuellsten Informationen aus erster Hand. Und die lösten nicht nur Freude aus.

Zum Beispiel bei Bauherren in der neuen Siedlung neben der Altscherbitzer Kirche. „Wir sind mit unseren Kindern hier her gezogen, weil wir eine ruhige Ecke gesucht hatten und Schkeuditz mit Schulen, Kindergärten und Verkehrsanbindung eine gute Infrastruktur bietet. Und nun setzen sie uns eine Hauptverkehrsstraße vor die Nase“, sagte ein empörter Familienvater fast schon verzweifelt. Ähnlich äußerte sich ein weiterer Bauherr, der nun am liebsten wieder verkaufen würde. Denn die derzeit noch zwischen Altscherbitzer Kirche und Krankenhausgelände vorbeiführende beschauliche Altscherbitzer Straße soll zu einer Staatsstraße ausgebaut werden, die künftig den Verkehr zwischen Theodor-Heuss-Straße und Leipziger Straße aufnehmen soll (die LVZ berichtete). Wie Bürgermeister Lothar Dornbusch (FW) erklärte, sollen damit der Lkw-Verkehr aus der Kernstadt rausgenommen und die Bewohner dort entlastet werden.

Für das Planungsbüro stellte Bettina Kreisel das Projekt vor. Sie erläuterte zunächst den nördlichen Teil. So wird die aus dem Stadtteil Papitz kommende und dann verlängerte Martin-Niemöller-Straße auf die ausgebaute Altscherbitzer Straße treffen und weiter bis zum neuen Walter-Lutze-Stadion führen, das hier eines Tages entstehen könnte. Der Kreuzungsbereich dieser beiden Straßen wird als Kreisverkehr gestaltet. Die Altscherbitzer Straße trifft dann gerade auf die Brückenrampe und wird künftig als S 8 zur Hauptstraße werden.

Zu diesen, zumeist auf freiem Feld zu realisierenden Plänen gab es mehr an technische Details interessierte, als kritische Nachfragen. Erst bei Vorstellung des südlichen Bereichs, nahe der Siedlung an der Altscherbitzer Kirche, wurden die eingangs erwähnten Meinungen geäußert. Ob es in diesem Bereich Lärmschutzwände geben wird, in welcher Ausführung und Höhe, konnte Kreisel noch nicht konkret beantworten, da das alles noch genauer untersucht werden müsse. Auch das Sächsische Krankenhaus Altscherbitz war mit einem Vertreter an der Diskussion beteiligt. Dieser kritisierte, dass diese geplante verkehrsreiche Trasse die Funktion der gerade sanierten Kirche als Ort der Ruhe und Kultur für Patienten und Klinikpersonal infrage stelle. Die Kirche müsse trotz der Straße weiterhin gut für deren Nutzer erreichbar bleiben.

Einer der konfliktreichsten und wohl auch bautechnisch anspruchsvollsten Knackpunkte ist die Einbindung der dann neuen Altscherbitzer Straße in die Leipziger Straße, inklusive der Querung der Straßenbahngleise. Zunächst machten generell einige Anwohner aus der gegenüber dieser Kreuzung liegenden Siedlung „Gut Altscherbitz“ ihrem Ärger Luft. „Da ziehen wir vom Lärm weg, und Sie bringen uns nun neuen hin“, sagte einer der Anwohner. Die Siedlung wird auch „Neu-Kursdorf“ genannt, da viele der einst in Kursdorf inmitten des Flughafens lebenden Bewohner dort ein neues Zuhause erhielten. Besonders aber ärgerten sich die Anwohner darüber, dass sie aus ihrer Siedlung dann nicht mehr direkt nach links auf die Leipziger Straße gen Schkeuditz abbiegen dürfen, sondern dieser Verkehr erst durch die ganze Siedlung geführt wird, ehe es dann eine andere Linksabbieger-Möglichkeit gibt.

Begründet wurde diese Lösung mit den komplizierten Straßenverhältnissen vor Ort, die eine vollwertige, vierarmige Kreuzung nicht erlauben würden. Aus der Diskussion darüber, wie man dieses Linksabbieger-Verbot doch noch verhindern könnte, kam aus den Reihen der Besucher dieser Vorschlag: Der mit Ampeln geregelte Kreuzungsbereich sollte so aufgeweitet werden, dass die jetzige Ausfahrt aus der Siedlung frei bleibt und weiter in alle Richtungen genutzt werden kann. Dieser Vorschlag soll nun geprüft werden und gegebenenfalls Eingang in die Planungsunterlagen finden.

Auch nach mehr als drei Stunden intensiver Diskussionen waren an dem Abend Fragen offen geblieben. Was allerdings bei diesem Planungsstand nicht ungewöhnlich sei. „Wir befinden uns doch in einem sehr frühen Stadium und haben Sie deshalb eingeladen, um Ihre Einwände und Anregungen aufnehmen zu können“, erklärte Gabriele Oertel, die in der Stadtverwaltung Schkeuditz die Stabstelle Stadtentwicklung leitet. Baustart könnte wohl frühestens 2019 sein.

Von Olaf Barth

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