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Schkeuditz erinnert an sechs weitere Nazi-Opfer

Stolpersteine für Sinti-Familie Schkeuditz erinnert an sechs weitere Nazi-Opfer

Das mittlerweile dritte und in Schkeuditz größte Projekt im Zusammenhang mit der Verlegung von Stolpersteinen nähert sich dem Ende: Am 29. Mai sollen sechs dieser personalisierten Erinnerungs- und Mahnungssteine in der Mühlstraße vor dem Haus Nummer 10 verlegt werden.

Hulda Laubinger wurde mehrmals festgenommen und 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet.

Quelle: Erich-Zeigner-Haus-Verein

Schkeuditz. Das mittlerweile dritte und in Schkeuditz größte Projekt im Zusammenhang mit der Verlegung von Stolpersteinen nähert sich dem Ende. Am 29. Mai sollen sechs dieser personalisierten Erinnerungs- und Mahnungssteine in der Mühlstraße vor dem Haus Nummer 10 verlegt werden. Zuvor hatten sechs Schülerinnen und Schüler des Schkeuditzer Gymnasiums in Zusammenarbeit mit dem Erich-Zeigner-Haus-Verein Leipzig recherchiert. Erinnert werden soll an die von den Nazis ermordete Sinti-Familie Laubinger/Steinbach.

Die Stolpersteine werden ebenerdig in den Fußweg verlegt und sollen an Verfolgung, Entrechtung, Deportation und Ermordung der Opfer der Nationalsozialisten erinnern. Die Steine sind mit einer Messingplatte versehen, auf der Namen, die Geburts- und Sterbedaten sowie Hinweise zum erlittenen Schicksal zu lesen sind. Der Künstler Gunter Demnig wird die Verlegung selbst vornehmen.

Die Projektgruppe der 10. Klasse des Schkeuditzer Gymnasiums recherchiert seit Herbst letzten Jahres unter Anleitung von Henry Lewkowitz vom Erich-Zeigner-Haus-Verein zum Schicksal der ermordeten Sinti Familie. Ausgangspunkt der Recherchearbeit war das Schicksal der am 12. September 1873 geborenen Händlerin Hulda Laubinger, geborene Steinbach. Die Schüler fanden anhand historischer Dokumente – wie zum Beispiel im Staatsarchiv Magdeburg – heraus, dass Hulda Laubinger unter anderem 1935 und 1937 als „wahrsagende Zigeunerin“ wegen „Betruges und Verstoßes gegen die Gewerbeordnung“ in das Gefängnis Halberstadt inhaftiert und später in das sogenannte „Zigeunerlager Magdeburg-Holzweg“ vertrieben wurde. Zudem lässt sich nachweisen, dass Laubinger 1940 in sogenannte „Vorbeugehaft“ kam und 1943 in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert wurde, bevor sie ein Jahr später mit der Häftlingsnummer Z 573 in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde.

Während der Recherchen kam heraus, dass auch ihr zweiter Ehemann, Maximilian Laubinger, und vier ihrer sieben Kinder den nationalsozialistischen Gräueltaten zum Opfer fielen. So fanden die Gymnasiasten heraus, dass Maximilian Laubinger diffamiert und entrechtet sowie gezwungen wurde, im „Zigeunerlager Magdeburg-Holzweg“ zu leben. Laubinger war nachweislich bemüht, seine Frau Hulda aus der Haft zu befreien, wurde aber 1943 in Auschwitz ermordet. Auch die vier unehelichen Kinder Wanda Steinbach, Karl Steinbach, Josef Steinbach und Hildegard Steinbach wurden in Auschwitz ermordet. Das Schicksal der anderen drei Kinder Adolf Steinbach, Rudi Weiß und Anton Steinbach ist unbekannt.

„Charakteristisch für Sinti und Romas ist die fehlende häusliche Niederlassung auf langfristige Sicht. Somit ist es nicht möglich, dass die Stolpersteine an dem zuletzt freigewählten Wohnort verlegt werden können, wie es sonst der Regelfall ist“, erklärte Projektleiter Lewkowitz. Daher würden die Steine in der Mühlstraße – dort sei der Eintragungsort Hulda Laubingers Geburt – verlegt. Lewkowitz betont, dass die jeweils 120 Euro kostenden Stolpersteine nur aus Spenden finanziert werden und baut auf eine große Unterstützung seitens der Schkeuditzer. Die Zehntklässler würden dafür am Montag einen Kuchenbasar veranstalten.

Von Roland Heinrich

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