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Schkeuditz Schkeuditz musste sich von vielen Bränden erholen
Region Schkeuditz Schkeuditz musste sich von vielen Bränden erholen
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13:55 19.05.2015
Zu gemütlicher Runde fanden sich interessierte Schkeuditzer im Stadtmuseum zusammen. Dort wurde zur Stadt im 16. Jahrhundert berichtet. Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz im 16. Jahrhundert war das Thema, zu welchem Matzke referierte. Dabei stützte er sich auf Protokolle der Kirchenvisitationen von 1562 und 1578, die in Buchform vorlagen.

Glaubt man den Berichten, herrschten im 16. Jahrhundert in Schkeuditz Verhältnisse wie in Sodom und Go- morrha, meinte Matzke. "Doch man muss die Protokolle der Visitationen auch einordnen. Die damalige Rolle der Kirche ist mit der der heutigen Parteien zu vergleichen. Mit den gehobenen, kirchlichen Moralvorstellungen lesen sich die Berichte im Vergleich zur DDR-Zeit wie Stasi-Protokolle", sagte Matzke. Und tatsächlich wird namentlich erwähnt, wer in Papitz "sein Weib sitzengelassen" und andernorts eine neue Magd "zu Fall gebracht" hatte. Es wurden "Saufgelage" erwähnt, selbst im Rathaus wurde ausgeschenkt. "Das ist auch kein Wunder, da es dort bereits seit 1502 ein Schankrecht gegeben hatte", erklärte der Schkeuditzer.

Völlig im Dunkeln tappe er und der Geschichtsverein allerdings bei der Frage, wie das damalige Rathaus eigentlich ausgesehen habe. "Im 13. Jahrhundert wurde der Markt angelegt. Das Rathaus, was wir dort von alten Aufnahmen kennen, wurde erst 1732 errichtet. Das vorherige ist uns nicht bekannt", erklärte Matzke, als leiser Protest in den Zuhörerreihen anschwoll. Überhaupt habe Schkeuditz ein Bild geboten, das heute kaum noch vorstellbar sei: "Die Häuser waren mit Stroh gedeckt. Erst mit Gründung der Feuerwehr 1867 sind die Dächer Stück für Stück mit Ziegeln eingedeckt worden", sagte Matzke.

Apropos Feuer: Dass Schkeuditz überhaupt noch existiert und immer wieder aufgebaut wurde, ist verwunderlich. Diesen Eindruck zumindest vermitteln die Schilderungen Matzkes. "Gebrannt hat es 1430 während der Hussitenkriege. Dabei ist auch das Stadtarchiv in Mitleidenschaft gezogen worden. Dem mühevollen Wirken von Otto Apitzsch ist es zu verdanken, dass wir auf historische Unterlagen, die er in Magdeburg, Merseburg, Wernigerode sowie in Leipzig und Halle gesichtet hat, zurückgreifen können", sagte der Hobby-Historiker. Dann habe es 1547 während des Schmalkaldischen Krieges gebrannt. 1578 wurden durch Feuer 56 Häuser zerstört. Im 30-jährigen Krieg habe Schkeuditz zwölf Mal in Flammen gestanden. 1667 dann brannten 111 Häuser, 1685 waren es 123 Häuser und um die 50 Scheunen. "Das Amtshaus am Markt - heute Sitz der Polizei - wurde 1590 errichtet und ist vor, während und nach dem 30-jährigen Krieg drei Mal abgebrannt und wieder aufgebaut worden. Heute sind nur noch die Gewölbe im Ursprungszustand", sagte der 75-Jährige.

Überhaupt habe Schkeuditz unter jedem Krieg zu leiden gehabt. Es habe keine befestigte Stadtmauer gegeben und so war das Eindringen jeglicher Feinde möglich gewesen. "Dafür gab es Stadttore: Das Hallesche Tor befand sich etwa in Höhe der heutigen Straße Klingelborn. Das Leipziger Tor befand sich in der Kurve der Leipziger Straße, dort, wo einst die Wohnhäuser der Brauerei standen. Und das Vieh- oder Nordtor stand dort, wo sich heute in der Friedrich-Ebert-Straße Eisdiele und Pizzeria gegenüberstehen", klärte Matzke auf.

Eine historische Ansicht von Schkeuditz aus jener Zeit befindet sich im Museum. Um 1629 ist sie entstanden. Sie zeige die Stadt, die sich zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert kaum verändert habe. Erst mit der Eisenbahn kam 1840 auch die Veränderung in die Stadt.

Mit Blick auf die Nachbarstadt Leipzig, die in diesem Jahr das 1000. Jahr ihrer Ersterwähnung feiert, mahnt Matzke die Schkeuditzer zur Bescheidenheit: "Es stimmt, dass Schkeuditz bereits 981 erstmals erwähnt worden ist und damit die 1000-Jahr-Feier schon eine Weile hinter sich hat. Aber beide Burgen, die Burg Scudici und die Burg Lipzi, haben im 10. Jahrhundert gestanden", sagte der Schkeuditzer und gab auf die Erwähnungs-Feier nicht viel. Es sei anzunehmen, dass Leipzig älter als dieses Papier sei.

Mit Applaus dankten die Zuhörer und befürworteten einen weiteren Vortragsteil. Einen Termin gibt es noch nicht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.02.2015
Roland Heinrich

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