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Schkeuditz Schkeuditzer Ärzte lehnen KV-Pläne ab
Region Schkeuditz Schkeuditzer Ärzte lehnen KV-Pläne ab
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14:01 16.04.2018
Die Ärzte im Bereitschaftsdienst sind künftig länger und öfter unterwegs. Quelle: dpa
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Schkeuditz

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen hält an der Neugliederung der Bereitschaftsdienste in Sachsen fest. Zum 2. Juli tritt diese in den drei Pilotregionen Annaberg/Mittlerer Erzgebirgskreis, Görlitz-Niesky und in Delitzsch in Kraft. „Nach Evaluation der Pilotphase soll die Bereitschaftsdienstreform ab dem Jahr 2019 schrittweise auf ganz Sachsen ausgerollt werden“, informierte Katharina Bachmann-Bux von der KV Sachsen auf Anfrage der LVZ. Von den derzeit bestehenden 95 Bereitschaftsdienstbereichen will die KV auf 23 Bereiche herunterkommen.

Dagegen regt sich in Nordsachsen, speziell in Eilenburg und jetzt auch in Schkeuditz, Widerstand. Mit einer „Eilenburger Erklärung“ hatten sich nach einer Info-Veranstaltung der KV im Januar alle dort anwesenden Ärzte gegen das KV-Vorhaben ausgesprochen. „Ich habe diese Erklärung an die Schkeuditzer Kollegen weitergeleitet und von allen niedergelassenen Ärzten eine schriftliche Erklärung der Befürwortung erhalten. Diese Schreiben habe ich dann gebündelt an die KV Sachsen weitergeleitet“, sagte der in Schkeuditz niedergelassene Arzt Jörg Steindorf. Zur Stadtratssitzung am Donnerstagabend wollen nun auch die Stadträte fraktionsübergreifend ein als Antrag formuliertes Statement abgeben. Wie SPD-Stadtrat Dieter Schöne, selbst jahrelang praktizierender Arzt, auf LVZ-Anfrage äußerte, werde es mit der Umstrukturierung sowohl für die Patienten, als auch für die Ärzte Verschlechterungen geben. Im Antrag fordert der Stadtrat die KV auf, ihre Pläne zu überdenken und die wohnortnahe Versorgung im Bereitschaftsdienst beizubehalten.

Was ist geplant? Der gegenwärtig bestehende Hausbesuchsdienst werde durch ein Behandlungsangebot in Bereitschaftspraxen an ausgewählten Krankenhausstandorten ergänzt, heißt es von der KV Sachsen. Nach Abschluss der Reform soll eine sachsenweit zuständige Vermittlungszentrale Hausbesuche über die Nummer 116117 vermitteln. Außerdem solle der Fahrdienst zentral organisiert werden.

Übersetzt bedeutet das, dass ab Juli ein neuer Bereitschaftsdienstbereich Delitzsch entsteht, der sich aus den aktuell bestehenden Bereichen Bad Düben, Delitzsch, Eilenburg-Ost, Eilenburg-West, Schkeuditz und Taucha zusammensetzt und dann von zwei Bereitschaftspraxen aus gewährleistet werden wird. Eine sogenannte Portalpraxis soll am Krankenhaus Delitzsch und eine zweite am Krankenhaus Eilenburg eingerichtet werden. „Das bedeutet Fahrzeiten von bis zu drei Stunden“, meinte Stadtrat Schöne. Denn der von der Vermittlungsstelle in Gang gesetzte Hausbesuch, für den es dann keinen Kontakt zwischen Patient und Arzt mehr gebe, erfolge jetzt mit einem an der Bereitschaftspraxis stationierten KV-eigenen Pkw, der womöglich zunächst den diensthabenden Arzt von zu Hause oder am Praxisort abholen muss, bevor es zum Hausbesuch geht.

„Der Hausbesuchsdienst wird für Ärzte und Patienten dramatisch verschlechtert, da lange Fahrtzeiten, unnötige Hausbesuche und lange Wartezeiten vorprogrammiert sind“, meinte Diabetologe Steindorf. Die Reform sei auch noch mit horrenden Mehrkosten etwa für die Einrichtung der Praxen, die Anschaffung der Fahrzeuge sowie für das Personal verbunden. Diese Mehrkosten würden von den niedergelassenen Ärzten getragen. Das bestätigte die KV am Mittwoch: „Zur Finanzierung wird eine Bereitschaftsdienstumlage von den Mitgliedern der KV Sachsen erhoben werden.“ Außerdem habe die KV Sachsen eine finanzielle Beteiligung der Krankenkassen ausverhandelt.

Bei der Größe des Dienstbezirkes ist davon auszugehen, dass der Hausbesuchsdienst die gesamte Nacht unterwegs sein wird, meinte Steindorf. Am nächsten Tag werde der Dienstarzt übermüdet seine Praxissprechstunde durchführen oder, wie von der KV empfohlen, seine Praxis geschlossen halten.

Die Vertreterversammlung der KV Sachsen habe 2017 einstimmig die Reform beschlossen, heißt es von der KV zur Ärzte-Kritik. Die in den Pilotregionen gewonnenen Erkenntnisse würden in die Weiterentwicklung der Organisationsstruktur einfließen. Von einer gegenüber den Ärzten geäußerten Aussage, von der Reform bei Ablehnung Abstand nehmen zu wollen, sei keine Rede mehr.

„Wir gehen davon aus, dass sich für die Patienten durch die Einrichtung von Bereitschaftspraxen grundsätzlich positive Änderungen ergeben“, meinte Bachmann-Bux von der KV. So würden die Patienten künftig zentrale Anlaufstellen kennen und müssten nicht mehr jeweils tagesaktuell recherchieren, welche Arztpraxis zur Zeit des Bereitschaftsdienstes geöffnet habe. „Es muss niemand recherchieren: Über die Nummer 116117 gibt es schon jetzt Kontakt zum diensthabenden Arzt“, konterte Steindorf.

Von Roland Heinrich

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