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Schkeuditz Schkeuditzer Stadtrat sagt Nein zu Autohof
Region Schkeuditz Schkeuditzer Stadtrat sagt Nein zu Autohof
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19:11 18.11.2018
Am geplanten Autohof an der A14 in Freiroda haben die Arbeiten bereits begonnen. Nun hat der Schkeuditzer Stadtrat den Bau überraschend abgelehnt. Quelle: Linda Polenz
Schkeuditz

Paukenschlag im Schkeuditzer Stadtrat: Am Donnerstagabend wurde mit großer Mehrheit die Beschlussvorlage zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Autohof Flughafen Leipzig/Halle“ abgelehnt. Eigentlich sollte am Montag die öffentliche Beteiligung starten, die archäologischen Vorgrabungen laufen bereits. Der Technische Ausschuss, so Oberbürgermeister Rayk Bergner (CDU), habe der Vorlage mehrheitlich zugestimmt.

Freiroda ist schon jetzt ein Hotspot der Lärmschwerpunkte“

Und dann kam im Stadtrat doch alles anders. Nachdem es von Stadtrat Oliver Gossel (B90/Die Grünen) zunächst Bedenken wegen des geplanten 35 Meter hohen Werbe-Pylonen und der Nähe zum Flughafen gab, meldete sich Dieter Schöne (SPD) zu Wort: „Ich werde, wie schon im Technischen Ausschuss, nicht zustimmen“, erklärte er gleich zu Beginn der Diskussion. „Das ist eine enorme zusätzliche Belastung für Freiroda.“ Neben den Lärm- kämen auch Dieselemissionen hinzu. „Durch die Lage werden die Dieselabgase direkt in den Ort geleitet“, so Schöne. Dem konnte Evelyn Hütel von den Grünen nur beipflichten: „Freiroda ist schon jetzt ein Hotspot der Lärmschwerpunkte“, sagte sie. „Und jetzt sollen noch die Dieselfahrzeuge, die ihre Abgase am Autohof abblasen, hinzukommen.“

„Die Lkw stehen derzeit ohnehin in der Ortslage“

Der Investor, die Herecon Unternehmensgruppe, hat die entsprechenden Grundstücke mit einer Gesamtfläche von etwa 30 000 Quadratmetern bereits vom Flughafen erworben – mit der Absicht, einen Autohof zu bauen. Konkret geht es um eine Tankstelle mit mindestens jeweils drei Zapfsäulen für Pkw und Lkw, 100 Lkw-Stellplätze inklusive Hochsicherheitsparkplatz und Enteisungsfläche sowie ergänzende Nutzungen wie beispielsweise Spielhalle, Shop und Gastronomie. Ein klassischer Autohof also.

„Die Lkw stehen derzeit ohnehin in der Ortslage Freiroda, um ihre Pausenzeiten einzuhalten“, versuchte der Oberbürgermeister zu beschwichtigen. „Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die dann eher auf dem Autohof parken.“ Weil es dort auch gewisse Annehmlichkeiten, wie Duschen gebe. Zudem könnten die Fahrer ihren Stellplatz per App bereits am Morgen buchen, so Bergner.

„Man könnte doch ein Stück weg von den Ortschaften bauen“

Im Ortschaftsrat Radefeld wurde das Vorhaben bereits zuvor mehrheitlich abgelehnt, wie Ortsvorsteherin Birgit Gründling (Freie Wähler) mitteilte. Eben wegen der zusätzlichen Lärm- und Schadstoffbelastung. „Von den 300 Einwohnern in Freiroda leben schon jetzt 200 über der Auslöseschwelle für Lärmschutzmaßnahmen“, so Gründling. „Im Jahr 2013 wurde den Bewohnern des Ortes vom Flughafen eine Lärmschutzwand versprochen. Die ist nun zur Hälfte gebaut, aus Kostengründen geht es nicht weiter.“ Die erneute Mehrbelastung sei den Freirodaern nicht vermittelbar. Die Frage, ob der Ortschaftsrat zustimmen würde, wenn der Flughafen im Gegenzug die Wand weiterbaue, konnte die Ortsvorsteherin nicht beantworten.

Ob denn der Autohof nicht einfach ein Stück verlegt werden könnte, wollte hingegen Stadtrat Werner Dreßler (Freie Wähler) wissen. „Man könnte doch ein Stück weg von den Ortschaften bauen.“ Der Investor sei in diesem Fall auf die Stadt zugekommen, um genau dort zu bauen, erläuterte der Oberbürgermeister. „Deshalb stellt sich die Frage für uns nicht.“ Immerhin habe die Herecon die entsprechenden Flächen bereits erworben. Er versuchte, noch einmal für den Standort zu werben: „Ich sehe darin tatsächlich eine Chance, das fehlende Stück für den Lärmschutz durchzubekommen“, sagte er.

Die Vorlage konnte er damit aber nicht mehr retten. Mit elf Gegenstimmen, vier Enthaltungen und fünf Ja-Stimmen wurde sie mehrheitlich abgelehnt. Demnach entfalle auch die ab Montag geplante frühzeitige Bürgerbeteiligung, wie Bergner mitteilte. Für den 29. November war eine Informationsveranstaltung in Freiroda geplant, auch die finde nun nicht statt.

Von Linda Polenz

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