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Schkeuditzer Stadtwerke verlegen eigenes Glasfasernetz

Breitbandversorgung Schkeuditzer Stadtwerke verlegen eigenes Glasfasernetz

Während anderswo im Breitband-Entwicklungsland Sachsen für schnelles Internet erst noch Arbeitskreise auf den Weg gebracht oder gerade aufgelegte Förderprogramme bis 2025 verkündet werden, schafft Schkeuditz Fakten. Bis zum 31. Oktober 2016 sollen 99 Prozent aller Schkeuditzer über High-Speed-Internet verfügen.

Glasfaserkabel für Schkeuditz: Ende des Jahres soll es in der Stadt in der Erde liegen.

Quelle: Olaf Barth

Schkeuditz. Während anderswo im Breitband-Entwicklungsland Sachsen für schnelles Internet erst noch Arbeitskreise auf den Weg gebracht oder gerade aufgelegte Förderprogramme bis 2025 verkündet werden, schafft Schkeuditz Fakten. Bis zum 31. Oktober 2016 sollen 99 Prozent aller Schkeuditzer über High-Speed-Internet verfügen. Das bedeutet eine Breitband-Grundversorgung, bei der Daten mit bis zu 100 Mbit/s übertragen werden. Viele Nutzer kommen mit ihren Anschlüssen bisher auf Downloadraten zwischen drei und 16 Mbit/s, weil die anliegenden Telefonleitungen nicht mehr hergeben.

Möglich wird der Internet-Turbo durch die Schkeuditzer Stadtwerke (SWS). Das Tochterunternehmen der Stadt verlegt für 1,5 Millionen Euro ein eigenes, 27 Kilometer langes Glasfasernetz und verpachtet es an die HL komm Telekommunikations GmbH. „Der Ausbau passiert ohne Fördermittel, wir wollen das Ganze zügig vorantreiben. Es wird von drei Baufirmen an drei Stellen gleichzeitig gebaut“, kündigte gestern bei einer eigens dafür anberaumten Pressekonferenz SWS-Geschäftsführer Ingolf Gutsche an. Dazu werde es am 22. Februar für Gewerbetreibende sowie am 24. und 26. Februar für private Nutzer im Kulturhaus Sonne Informationsveranstaltungen geben.

Initiator des Projektes war bereits vor fünf Jahren Gerald Fritzsche. Er ist Geschäftsführer der Schkeuditzer Wohungsbau- und Verwaltungsgesellschaft mbH (SWV), ebenfalls eine hundertprozentige Tochter der Stadt. Zu ihrem Bestand zählen 1300 Wohnungen. Immer mehr Mieter, gerade auch jüngere, hätten über den alten TV-Anschluss geklagt und ein modernes und schnelles multimediales Rundumpaket verlangt. „Daraus zogen wir unsere Konsequenzen. Wenn schon Internet mit Rückkanalfähigkeit, Telefonie, Ablesedienste und Fernsehen, dann zukunftsweisend über ein Glasfasernetz. Als der langfristige TV-Anschlussvertrag auslief, wollten wir so ein Paket als künftigen Standard anbieten“, sagte Fritzsche.

Man hätte bundesweit Gespräche mit Experten geführt, die HL komm habe das Angebotsverfahren gewonnen. „Und bei Oberbürgermeister Jörg Enke liefen wir mit unserer Vision offene Türen ein, er erklärte das gleich zur Chefsache“, so Fritzsche. SWV-Mieter verfügen nun ab 1. Juni über das schnelle Internet und können sogar bis zu 200 Mbit/s nutzen. „Der Fernsehanschluss wird generell umgestellt. Telefon und Internet können aber wie bisher weiter vom bisherigen Anbieter genutzt werden, niemand wird zum Wechsel gezwungen“, erklärte Fritzsche auf Nachfrage.

Jörg Enke (Freie Wähler) sah man die Freude über den gelungenen Internet-Coup deutlich an. „Auch die Stadträte hatten seit Jahren das Thema ,Schnelles Internet’ angesprochen. Wir haben das aber bewusst nicht öffentlich kommuniziert. Wir wollten verhindern, dass ein Anbieter kommt, sich die Rosinen in dichter Besiedlung herauspickt, andere, weniger lukrative Bereiche aber nicht mit versorgt. Deren Anschluss hätte dann auch kein anderer wirtschaftlich realisieren können. Wir wollen aber die ganze Stadt nachhaltig für die digitale Zukunft fit machen“, begründete Enke die „Geheimniskrämerei“. Schnelles Internet sei ein klarer Standortvorteil nicht nur bei Wohnungssuchenden, sondern gerade auch bei Unternehmen.

Das bestätigte HL komm-Geschäftsführer Richard Fahringer. Angesichts der vielen Unternehmen in Schkeuditz und deren teils riesigen Bedarf nach hohen Bandbreiten, sehe er großes Potenzial, mit dem Glasfasernetz neue Kunden zu gewinnen. Geld verdienen wollen mit dem neuen Netz auch die für die Strom-, Gas- und Fernwärmeversorgung zuständigen Stadtwerke. Nach circa drei Jahren soll sich die Investition amortisiert haben, sagte Gutsche. Mittelfristig sollen auch die Ortsteile an das Glasfasernetz „Saxnet“ angeschlossen werden. Zunächst führt das Netz in der Kernstadt zu den 52 Kabelverzweigern der Deutschen Telekom. Nur die sogenannte letzte Meile bis ins Haus bleibt vorerst Kupferleitung und wird von der Telekom gepachtet.

www.saxnet.info

Von Olaf Barth

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