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Schkeuditzer Stadtwerke wachsen

Schkeuditzer Stadtwerke wachsen

Die Stadtwerke Schkeuditz (SWS) wollen mittelfristig einheitlicher Netzbetreiber und Lieferant von Energie in der Kernstadt Schkeuditz sowie in den Ortsteilen werden.

Schkeuditz. Das teilte das Unternehmen jetzt mit. Auf dem Weg dahin bewarb sich die 100-prozentige Tochter der Stadt erfolgreich um einige der von der Kommune neu ausgeschriebenen Konzessionsverträge.

Die Stromnetze in Radefeld und Kursdorf sowie die Erdgasnetze in Kursdorf und Dölzig werden ab 2011 bis 2013 für 20 Jahre von den SWS übernommen und von ihnen betrieben. "Es geht um die Übernahme der Netze, nicht automatisch um die der Kunden", legt SWS-Geschäftsführer Ingolf Gutsche Wert auf den feinen Unterschied. Denn so wie die Liberalisierung des Energiemarktes das Bewerben um die Konzessionsverträge möglich macht, so gehört zur Liberalisierung auch, dass die Endkunden selbst darüber entscheiden, von welchem Anbieter sie Strom oder Gas beziehen möchten. Dieser zunehmende Wettbewerb ist von der Europäischen Union gewollt und dem wollen sich auch die Stadtwerke stellen. "Natürlich bemühen auch wir uns darum, dass die Kunden zu uns kommen. Doch bei dem Erwerb der Konzessionen ging es generell darum, zu wachsen. Damit wollen wir Synergien nutzen und effizienter werden", so Gutsche. Als kleiner Versorger habe man bewiesen, die bisherigen Netze im Griff zu haben und höchsten Qualitätsansprüchen zu genügen, was unlängst mit einem entsprechenden Zertifikat gewürdigt worden war (die LVZ berichtete). Dies soll nun auch mit dem wachsenden Netz gelingen. "Das ist mit Investitionen in den nächsten Jahren und viel Arbeit verbunden. Doch wir wollen diesen Kraftakt. Die Mitarbeiter sind stolz auf die Übernahmen und stehen dahinter", spricht Gutsche für sein 30-köpfiges Team.

Bisher versorgen die SWS rund 1500 Kunden mit Gas und knapp 9000 mit Strom. Mit Übernahme der Netze sind die SWS für weitere gut 800 Strom-Endverbraucher in Radefeld und rund 300 Gasnutzer in Dölzig zuständig. Was bedeutet, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten sowie für Wartung und Modernisierung der Netze verantwortlich zu sein. Zum Beispiel ist im Stromnetz nach und nach der Rückbau der Freileitungen und die Umstellung auf Kabel vorgesehen, so wie jüngst in der Thomas-Müntzer-Straße geschehen.

In zahlreichen Kommunen laufen derzeit die 20-jährigen Konzessionsverträge aus und werden öffentlich neu ausgeschrieben. Die SWS übernehmen nun in den genannten Orten für die nächsten 20 Jahre die Netze von der Enviam beziehungsweise von Mitgas. Wie viele Bewerber es gab, will Kämmerin Sylvia Fechner nicht sagen. Sie leitete das Verfahren im Auftrag des Oberbürgermeisters Jörg Enke, der als Vorsitzender des SWS-Aufsichtsrates wegen Befangenheit an dem Verfahren nicht direkt beteiligt war. Auch jene Stadträte, die im Aufsichtsrat der SWS sitzen, durften in den nichtöffentlichen Sitzungen nicht mit über die Vergabe der Konzessionsverträge abstimmen, bestätigt Fechner. Und von einem Heimvorteil für die SWS will sie auch nichts wissen: "Wir hatten bundes und EU-weit ausgeschrieben. Es gibt Musterkonzessionsverträge. Für die Entscheidung zählen nur objektive Kriterien und ein Punktesystem, das für alle Bewerber gleichermaßen gilt." Weder Gewerbesteuereinnahmen, mögliche Gewinnausschüttungen noch Sponsoring-Aktivitäten würden eine Rolle spielen. "Die Kriterien sind Wirtschaftlichkeit und Qualität der Leistungserbringung sowie Bürgerfreundlichkeit und örtliche Nähe. Außerdem geht es um Folgekostenvereinbarungen", so Fechner.

Gerade weil es um viel Geld geht und eigene Stadtwerke mit im Spiel sind, will sich die Kämmerin hier nichts nachsagen lassen. "Die Rechtsaufsichtsbehörde hat die Verträge bestätigt. Wir sind mit unserem Vorgehen gut gefahren, es gab keinen Ärger", so Fechner. Ein Beispiel für die finanzielle Größenordnung, um die es für die Stadt geht, gibt der diesjährige Haushalt. Hier werden Einnahmen aus Konzessionsabgaben in Höhe von insgesamt fast 600 000 Euro eingeplant.

In Glesien sind die Stadtwerke Leipzig zum Zuge gekommen (die LVZ berichtete). "Um das dortige Stromnetz haben wir uns aus strategischen Gründen noch nicht mit beworben. Das war nur für sieben Jahre ausgeschrieben", so Gutsche.

Olaf Barth

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