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Schkeuditzer kämpfen um ihre 11. Klasse

Schkeuditzer kämpfen um ihre 11. Klasse

Der Saal war brechend voll, die Stimmung aufgeheizt: In der Informationsveranstaltung Mittwochabend im Schkeuditzer Gymnasium machten Eltern der jetzigen 51 Zehntklässler ihrem Ärger Luft.

Schkeuditz. Denn ihre Kinder sollen ab Klasse 11 komplett ins Haus Markranstädt wechseln. Die Entscheidungsträger versuchten das Geschehen zu begründen, überzeugten die Eltern aber mit ihren Ausführungen nicht. Am Ende kam es doch noch zu einem Kompromiss-Vorschlag.

Betriebsleiter Artur Beuchling von den Kommunalen Bildungsstätten des Landkreises Nordsachsen, Anke Kahnt, die für Gymnasien zuständige Abteilungsleiterin bei der Leipziger Regionalstelle der Sächsischen Bildungsagentur, Schulleiter Jürgen Melzer sowie seine Stellvertreterin Beate Schaaf und Markranstädts Bürgermeisterin Carina Radon (CDU) sahen sich einer geschlossenen und zornigen Elternschaft gegenüber. Zur Entspannung der Situation trug auch nicht gerade Melzers Weigerung bei, die betroffenen Jugendlichen in den Saal zu lassen. Erst nach heftigem Protest von Schülersprecherin Katharina Orth und zahlreichen Eltern stimmte Melzer einer Teilnahme der Jugendlichen zu.

Die hatten zuvor auf der Straße, im Schulhof war es verboten worden, mit Transparenten auf ihr Problem aufmerksam gemacht. Nun erlebten die 16-Jährigen aus dem Nachbarraum heraus eine sehr emotional geführte Debatte, die teils die Grenzen des höflichen Umgangs miteinander sprengte. Teils ließen die Eltern die Verantwortlichen gar nicht ausreden, teils ließ sich in dieser Atmosphäre selbst der sonst so besonnene, doch nun offenbar sehr gereizte Beuchling zu provozierenden Aussagen hinreißen. Er sei Doktor, fiel er unter anderem einer Mutter ins Wort, die ihn nicht korrekt angesprochen hatte. Es gab aber auch viele besonnen argumentierende Stimmen, darunter auch von Lehrern, die sich für eine 11. Klasse in Schkeuditz einsetzten.

Um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen, verzichteten die Zehntklässler auf das Einspielen eines Films, der sie beim jüngsten Rundgang durch das neue Schkeuditzer Schulhaus mit Beuchling und Landrat Michael Czupalla (CDU) zeigt. Zweifel daran, dass sie hier bald lernen würden, gab es da noch nicht. Obwohl bereits im Januar zwischen Bildungsagentur, Landratsamt und Markranstädt eine entsprechende Entscheidung getroffen worden war: Alle Kurse der Sekundarstufe II finden im Haus Markranstädt statt. Bekräftigt wurde dies am Dienstag in Torgau. In Gegenwart des intervenierenden Schkeuditzer Oberbürgermeisters Jörg Enke (Freie Wähler) bestätigten Czupalla, Beuchling, Melzer, Kahnt und Leipzigs Bildungsagentur-Direktor Ralf Berger diesen Weg.

Auf die Frage vieler Eltern, warum die Oberstufe nur noch in Markranstädt Kurse besuchen soll, machten Beuchling, Radon und Kahnt zunächst auf die Tatsache aufmerksam, dass es ohne der seit 2002 geltenden Zweckvereinbarung zwischen Schkeuditz und Markranstädt, beide Gymnasien zu vereinen, es beide Häuser aufgrund zu geringer Schülerzahlen gar nicht mehr geben würde. Radon bekräftigte ihre Absicht, ab Schuljahr 2012/2013 wieder ein eigenständiges Gymnasium haben zu wollen. „Dann haben Sie unsere komplette 12. Klasse und wir stehen ohne da, das gefährdet doch unser Gymnasium hier“, warnte Elternsprecherin Barbara Orth. Dieses Risiko sehe er auch, sagte Enke aus den Reihen der Besucher und bat inständig darum, einen Kompromiss zu suchen.

Abteilungsleiterin Kahnt widersprach, dass das Gymnasium ohne 12. Klasse gefährdet sei und begründete den kompletten Umzug damit, dass viele Kurse einfach nicht die Mindestzahl an Schülern erreichten und dass die Lehrer effizient eingesetzt werden müssten. „Es ist sicher ein Fehler gewesen, dass so nicht zu kommunizieren“, sagte Kahnt mit Blick auf Melzer.

Dessen Stellvertreterin bot nun den aufgebrachten Eltern als Kompromiss an, das ganze Kurssystem noch einmal durchzurechnen, um zu erreichen, dass eventuell doch noch Kurse in Schkeuditz voll werden und angeboten werden können. Dem Ruf aus dem Saal „Da kommt doch nichts bei raus“ widersprach Kahnt: „Es kommt immer was dabei raus, wenn sich Menschen Gedanken machen.“ Auch gestern sagte sie gegenüber der LVZ ausdrücklich noch einmal die ergebnisoffene Prüfung der Kurse zu.

Olaf Barth

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