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Schkeuditz Schkeuditzer protestierten gegen Lehrermangel
Region Schkeuditz Schkeuditzer protestierten gegen Lehrermangel
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10:30 03.10.2016
Alles nur Theater? Mit Sack und Pack ziehen die Lehrer des Schkeuditzer Gymnasiums vor den Augen ihrer Schüler aus, um vielleicht auch in Sachsen-Anhalt eine besser dotierte und verbeamtete Stelle anzutreten. Quelle: Foto: Olaf Barth
Schkeuditz

Mit Koffern, Zimmerpflanzen, Gitarre und Lineal in den Händen sagten am Freitag die Lehrer des Schkeuditzer Gymnasiums ihren Schülern Lebewohl und zogen an ihnen im Gänsemarsch vorbei, raus aus dem Schulhof. Untermalt von Bocelli/Brightmans Schmachtesong „Time to say goodbye“ winkten die Schüler ihnen noch mit weißen Taschentüchern zu und breiteten Transparente aus: „Bye Bye Bildung“. Mit dieser Aktion wollen Schüler und Lehrer ein Zeichen gegen den Lehrermangel in Sachsen setzen.

Anders als dieser inszenierte und nur kurz andauernde Auszug der Pädagogen haben sich aus Sachsen tatsächlich schon viele junge Lehrer verabschiedet, um ihr Glück in anderen Bundesländern zu finden. „Höhere materielle Anreize und die Verbeamtung, die es nur in Sachsen nicht gibt, locken die Lehrer weg. Wir brauchen hier dringend eine neue Strategie, um junge Lehrer in unserem Bundesland zu halten“, sagte Schulleiter Thomas Schönfeldt, der den Auszug seiner Kollegen angeführt hatte. Und dieses Konzept müsse einen finanziellen Ausgleich beinhalten, falls Sachsen als einziges Bundesland an der Nicht-Verbeamtung festhalten will. „Gerade wir hier an der Grenze zu Sachsen-Anhalt sind besonders von dieser Abwanderung betroffen“, so Schönfeldt. Dabei könnte auch das Gymnasium Schkeuditz junge Lehrer gut gebrauchen. „Aber nicht in Schkeuditz allein, generell ist es in den letzten Jahren zu einer Überalterung der Lehrerschaft gekommen, weil zu wenig junge Lehrer eingestellt wurden. Wenn Ältere dann wegen Krankheit oder Operationen länger ausfallen, sind diese Löcher mit den Vertretungsplänen nicht mehr zu stopfen“, erklärte der Schulleiter.

In den beiden Häusern Schkeuditz und Markranstädt des Schkeuditzer Gymnasiums werden 1270 Schüler von 112 Lehrern unterrichtet, darunter neben dem Stammpersonal auch Referendare und zugewiesene Lehrer. „Laut Stellenplan sind bei uns alle Stellen vollständig besetzt, doch vier langzeiterkrankte Kollegen können wir nicht adäquat ersetzen“, schilderte Schulleiter Thomas Schönfeld die konkrete Situation an seiner Einrichtung.

Schülersprecherin Helene Raubuch aus der Jahrgangsstufe 12 hatte die „feierliche Abschiedszeremonie“ eröffnet und den Helfern für ihr Engagement gedankt. Zehntklässler hatten tags zuvor bis in die Abendstunden die langen, schmalen Transparente angefertigt, die dann im obersten Fenster ausgerollt fast die gesamte Fassade hinabreichten und ebenfalls „By By Bildung“ verkündeten. Der Abiturient Niklas Karoos (17) verlas dann die Forderungen, ehe er anschließend zum Hammer griff und die zwei großformatigen Papierseiten an die Eingangstür des Gymnasiums nagelte.

Von ausgefallenen Stunden, von sinnlosen Freistunden, von überforderten Lehrern und Schülern in den bis aufs letzte gefüllten Klassenräumen war die Rede. So könne es nicht weitergehen. Der Forderungskatalog sieht die Erhöhung der Lehrerkapazität bei gerechten und attraktiven Konditionen für die Lehrer vor, eine Verbesserung des Referendariates und des Lehrerstudiums sowie eine Verringerung der Klassenstärken zugunsten eines besseren Lernklimas. „Deshalb muss ein nachhaltiges Zeichen gesetzt werden, damit wir Schüler erhört werden. Denn es geht um unseren Abschluss, um unsere Zukunft und um unsere Bildung!“, machten die Schüler noch einmal nachdrücklich klar.

Von Olaf Barth

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