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Schkeuditz Schkeuditzer wollen zweiten Kinderarzt
Region Schkeuditz Schkeuditzer wollen zweiten Kinderarzt
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09:03 24.11.2018
Damit schnell Hilfe kommt: Wegen langer Wartezeiten machen sich die Schkeuditzer für einen zweiten Kinderarzt in der Stadt stark. Quelle: picture alliance
SCHKEUDITZ

Bis zu zwei Stunden Wartezeit. In einem vollen Wartezimmer. Mit einem Kind, das einen Magen-Darm-Infekt oder hohes Fieber hat. Katja Haase kennt das alles. Mit ihrer zweijährigen Tochter ist sie Patientin beim einzigen Kinderarzt in Schkeuditz. „Wenn man außerplanmäßig kommt, also mit einem kranken Kind, dann wird man nach Reihenfolge und nicht nach Zustand des Kindes dran genommen“, so die 37-Jährige. Ein wenig entspannter sei die Lage bei bestellten Terminen, etwa zu den Vorsorgeuntersuchungen. „Da ist man mit Glück schon nach einer Dreiviertelstunde wieder draußen“, erzählt Haase. Sie sei sehr zufrieden mit der Ärztin und letztlich könne diese ja auch nichts dafür. Es fehle schlicht an einer Kollegin oder einem Kollegen mit einer zweiten Praxis.

Oberbürgermeister Rayk Bergner (CDU) kennt das Problem, hat sich in dieser Sache bereits an die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) gewandt – und das Antwortschreiben den Stadträten in der jüngsten Ratsversammlung zur Kenntnis gegeben. Darin heißt es, dass Schkeuditz nicht zu wenig, sondern sogar zu viele Kinderärzte habe.

Versorgungsgrad von offiziell 114 Prozent

Demnach leben in der Großen Kreisstadt 17 877 Einwohner, von denen 2530 unter 18 Jahren alt sind. Das entspreche einem Versorgungsgrad von 114 Prozent in der Region Schkeuditz, so die KVS. Die Region gehöre zum größeren Planungsgebiet Delitzsch, wo die Überversorgung laut KVS sogar 166 Prozent beträgt.

Auch Katja Haase hat sich an die KVS gewandt. Und bekam die selbe Antwort. Zudem eine Liste mit Ärzten und den jeweiligen Entfernungen zu Schkeuditz. „Das sind allerdings alles Angaben in Luftlinie“, sagt sie. So betrage die Entfernung zu einem Kinderarzt in Leipzig-Gohlis laut Liste neun Kilometer. „Das sind aber, wenn ich es mit dem Auto fahre, mehr“, sagt sie. „Und das mit einem kranken Kind.“ Tatsächlich sind es 13 Kilometer über die B6 und 23 Kilometer über die A14. Allerdings: Dann ist ja keinesfalls sicher, dass sie bei einem anderen Arzt überhaupt behandelt wird – in Leipzig nehmen Kinderärzte kaum neue Patienten auf. „Und: Ich will doch gar nicht wechseln“, so Haase. „Ich möchte einfach nur nicht mit einem wirklich kranken Kind ewig warten müssen.“

Unterschriftenaktion gestartet

Deshalb hat sie nun eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen. „Die KVS argumentiert ja immer, dass sich keine Eltern bei ihr beschwert hätten“, sagt sie. „Das wollen wir ändern und für einen zweiten Kinderarzt in Schkeuditz kämpfen.“ Derzeit könne in ihrem Reisebüro in der Merseburger Straße unterschrieben werden, geplant sei es auch, die Kitas mit ins Boot zu holen. „Ich glaube ja, dass die KVS nicht mit einberechnet, wie viele Familien derzeit nach Schkeuditz ziehen“, meint Haase. „Überall entstehen neue Eigenheime. Und da ziehen kaum alte Leute ein.“ Für den Bedarf werde die jeweils aktuelle amtliche Zahl als Kennziffer genommen, heißt es hingegen von der KVS. Für die Daten werde auf das Landesamt für Statistik zurückgegriffen, somit seien Entwicklungen bereits berücksichtigt.

Übrigens: Wenn Schkeuditz einen niedergelassenen Arzt aus dem Gebiet Delitzsch-Eilenburg abwirbt, sei dies laut KVS kein Problem, so der Oberbürgermeister. Nur, es dürfe eben kein neuer kommen.

Von Linda Polenz

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