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Schkeuditz Schkeuditzerin plant Publikation zum abgerissenen „Bergmannswohl“
Region Schkeuditz Schkeuditzerin plant Publikation zum abgerissenen „Bergmannswohl“
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00:29 09.01.2016
Der ehemalige „Bergmannswohl“-Klinikkomplex aus der Luft. Quelle: Quelle: Stadtmuseum Schkeuditz
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Schkeuditz

Die einstige Pflegedienstleiterin im dann 2005 abgerissenen Bergmannswohl-Krankenhaus, Ruth Wolff, hat viel zu erzählen: Den größten Teil ihrer Berufszeit bestritt sie in der ehemaligen Knappschafts-Klinik in Schkeuditz. Auch versorgte die Seniorin das städtische Museum jüngst mit reichlich Bildmaterial von Personal und Klinikbauten. „Frau Wolff stopfte damit eine Lücke im Bestand des Museums. Bildmaterial vom Krankenhaus-Alltag hatten wir bisher nicht“, sagte Museumsleiter Hans Neubert bei der Präsentation der Neuzugänge im Museumsarchiv (die LVZ berichtete). Jetzt plant die zur damaligen Klinikleitung gehörende Wolff, ein Buch zum Krankenhaus herauszugeben.

Nicht nur reichlich Bildmaterial vom ehemaligen Komplex an der Kursdorfer Straße ist im Stadtmuseum nun zu finden. Ende 2012, als die Freiflächengestaltung am Museum sich dem Ende neigte, kam auch ein Bestandteil des ehemaligen Eingangsgiebels auf das Gelände: Während des Abrisses des Krankenhauses ist das Tympanon geborgen und eingelagert worden. Eigentlich sollte diese Giebelverzierung, wie einige Bestandteile des denkmalgeschützten Baus auch, in das Baustoffarchiv des Bergezentrums Trebsen gebracht werden. Der Flughafen Leipzig/Halle hatte das Portal beim Abriss sichergestellt. Die massive Steinplatte zeigt ein Wappen und zwei Bergmänner.

Bergmänner spielten nicht ohne Grund sowohl am Eingangs-Giebel, als auch im Namen eine Rolle: Das Schkeuditzer „Bergmannswohl“ gehörte neben dem „Bergmannstrost“ in Halle und dem „Bergmannssegen“ in Oberschlesien zu den Unfallkrankenhäusern der Bergbau-Berufsgenossenschaft Knappschaft, die vor und nach dem 1. Weltkrieg gebaut wurden. Bereits 1890 hatte diese Genossenschaft mit dem Bergmannsheil in Bochum einen unfallchirurgisch ausgerichteten Typ eines Krankenhauses errichtet. Der in der Grube verletzte Bergmann sollte sofort einem auf seine Verletzungen spezialisierten Krankenhaus zugeführt werden.

Im Jahr 1913 wurde die „Nervenheilanstalt Bergmannswohl“ mit etwa 100 Betten eröffnet. 1925 folgten Erweiterungsbauten und damit eine Verdopplung der Bettenzahl. Ab 1947 war das „Bergmannswohl“ in Schkeuditz Kreiskrankenhaus. 1998 übernahm der Helios-Konzern das Krankenhaus und zog 2004 in den Neubau in der Leipziger Straße. Ein Jahr später begann der Abriss des vom Flughafen übernommenen Klinik-Komplexes.

„Die Schkeuditzer waren vom Abriss des ,Bergmannswohls‘ schockiert. Man kann die Reaktion schon als Aufschrei bezeichnen“, sagte die ehemalige Pflegedienstleiterin. Nicht nur Gebäude, auch der Klinikwald, eine Gärtnerei oder ein Brunnen verschwanden von der Bildfläche. Vielen der einstigen Mitarbeiter hätten Tränen in den Augen gestanden, obwohl der Auszug aus dem Krankenhaus schon längst geplant und im Jahr zuvor erfolgt war. „Der Denkmalschutz des Krankenhauses wog damals nicht so schwer, wie das öffentliche Interesse“, erklärte Jürgen Liebau, Sachgebietsleiter Denkmalschutz im Landratsamt Nordsachsen, und bezog sich auf das Planfeststellungsverfahren zur Start- und Landebahn Süd des Flughafens.

„Ich möchte auch Anekdoten erzählen“, sagte Wolff nun zur geplanten Publikation. „Dabei spielt ein Pavillon auf dem Klinikgelände, der auch Liebeslaube genannt wurde, eine Rolle“, verriet Wolff, ohne konkreter zu werden. Eine Geschichte aus ihrer Zeit als Krankenschwester erzählt sie aber doch: „Mein Chef kontrollierte die Temperatur von etwa 30 Patienten, ohne sich Notizen zu machen. Ich fragte, wie er sich das merken kann. Die Antwort war simpel: Er merkte sich nur die von der Norm abweichenden Werte.“

Wann das Buch zum Bergmannswohl erscheint, ist noch ungewiss. Bei den regelmäßigen Treffen mit einstigen Kolleginnen und Kollegen wird darüber wohl noch das ein oder andere Wort gewechselt werden.

Von Roland Heinrich

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