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Schüler wollen nicht nach Markranstädt

Schüler wollen nicht nach Markranstädt

Im Schkeuditzer Gymnasium rumort es. Genauer gesagt im Haus I, dem Stammsitz. Denn die dort lernenden Zehntklässler sollen zum neuen Schuljahr nicht in den schmucken Schkeuditzer Neubau, sondern ins Haus II nach Markranstädt umziehen.

Schkeuditz. Eine Entscheidung, die bei ihnen, Eltern und Kommunalpolitikern auf Unverständnis und Widerstand trifft.

Am Montag erfuhren die Schkeuditzer Zehntklässler, dass sie ab nächstes Schuljahr komplett in Markranstädt weiter lernen sollen. „Unser neuer Schulbau wurde uns groß angekündigt. Dort zu lernen, wird den nächsten 11. Klassen jedoch verwehrt. Das ist eine Ungerechtigkeit. So wollen wir Schkeuditzer Schüler uns nicht behandeln lassen“, schreibt zum Beispiel Tom Glöckner aus der 10 a. Erst wenige Tage liegt der Rundgang der Zehntklässler mit Landrat Michael Czupalla (CDU) zurück, wo ihm Zehntklässler stolz „ihre“ neue Schule vorstellten und er ihnen viel Spaß und Erfolg beim Lernen in dem Gebäude wünschte.

Wegen zu geringer Schülerzahlen in beiden Häusern sichern sich die Gymnasien Schkeuditz und Markranstädt seit 2002 mit einer Zweckvereinbarung gegenseitig das Überleben als ein gemeinsames Gymnasium. Das Landratsamt Nordsachsen ist Träger dieses Gymnasiums und somit automatisch in wichtigen Entscheidungen involviert. Die Stadt Schkeuditz offenbar nicht. Im Landkreis Leipzig dagegen liegt die Verantwortung über die Gymnasien direkt bei den Kommunen, weshalb Markranstädts Bürgermeisterin Carina Radon (CDU) bei wichtigen Entscheidungen immer mit von der Partie ist. So wie bei der jüngsten Runde mit der Sächsischen Bildungsagentur, Nordsachsens Landratsamt und Schulleiter Jürgen Melzer über die Zukunft der Sekundarstufe II. Ergebnis: Das breit gefächerte Kursangebot samt dazugehöriger Lehrer wird in Markranstädt vorgehalten. „Frau Radon treibt mit dem Einfluss in dieser Runde ihr ehrgeiziges Ziel voran, ab 2012 wieder ein eigenständiges Gymnasium in Markranstädt haben zu wollen“, kritisiert der Schkeuditzer Stadtrat Jens Kabisch (SPD) die Unausgewogenheit der Kräfte bei solchen Entscheidungen. Und Stadträtin Bärbel Kinski (Freie Wähler) erklärt: „Wir stoßen die Schüler vor den Kopf. Gerade die, die sich im Rahmen der Friedrich-Ebert-Stiftung für Kommunalpolitik und demokratische Mitbestimmung engagieren. Sie verstehen die Welt nicht mehr.“

Im Markranstädter Rathaus konnte gestern aus Termingründen niemand für eine Stellungnahme erreicht werden. Im Amtsblatt hat Radon ihr Ziel für ein eigenständiges Gymnasium ab 2012 schon verkündet. Doch deshalb sei die Entscheidung über die 11. Klasse so nicht getroffen worden, sagt Roman Schulz, Pressesprecher bei der Bildungsagentur: „Beide Standorte haben bauliche Veränderungen und da wird es eng. Wir können Schkeuditz nicht rappelvoll machen. Beim zweiten Grund geht es um pädagogische Qualität und effektiven Lehrereinsatz. Ein Splitten der Jahrgangsstufe mit rund 90 Schülern auf beide Häuser lässt nicht zu, ein vernünftiges Kursangebot anzubieten. Hätten wir uns andersrum entschieden, gäbe es jetzt die Diskussion in Markranstädt.“

Artur Beuchling, zuständiger Betriebsleiter im Landratsamt steht zu der Entscheidung, sagt aber auch: „An fehlenden Räumen in Schkeuditz liegt es nicht. Das Lehrerkollegium hat es selbst so organisiert und die Bildungsagentur hat entschieden. Unsere Aufgabe ist es, für den reibungslosen Schülerverkehr zu sorgen, und das ist abgesichert.“ Direktor Melzer wiederum, der beiden Häusern vorsteht, sagt, dass ein Umzug nach Markranstädt für die Schkeuditzer aufgrund des starken Jahrgangs „nicht zwingend nötig“ sei. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Aber ich habe die Entscheidung zu akzeptieren.“

Radons Ambitionen für Eigenständigkeit des Gymnasiums sieht Beuchling skeptisch: „Beide Häuser sind noch lange nicht so weit.“ Er mahnt zu Gelassenheit und Fairness und warnt vor Aufkündigung des „Solidarpakts“ beider Gymnasien.

Ob das in Schkeuditz noch ankommt, ist fraglich. Einige Eltern überlegen schon, ihre Kinder lieber in Leipzig anzumelden. Und auch Oberbürgermeister Jörg Enke (Freie Wähler) hält die Entscheidung über die Elftklässler für inakzeptabel. Er wolle nun in der nächsten Sitzung des Verwaltungsausschusses mit dem Stadtrat über eine Übernahme des Gymnasiums in Trägerschaft der Stadt Schkeuditz beraten. Laut Rathaus will der Landrat nun ein Treffen mit der Bildungsagentur durchführen mit dem Ziel, dass die Schkeuditzer Schüler der Sekundarstufe II weiterhin in Schkeuditz unterrichtet werden können.

Kommentar

Schkeuditz gehört mit an den Tisch

Keine Frage: Eine gut aufgestellte Schullandschaft ist für jede Stadt ein Aushängeschild und ein wichtiger Standortfaktor für Zuzüge und Ansiedlungen. Verständlich, dass sowohl Schkeuditz als auch Markranstädt alles unternehmen, ihre Gymnasien zu erhalten. Zurzeit noch unter einem gemeinsamen Dach. Doch die aus der Not geborene Zweckgemeinschaft beider Häuser bröckelt. Zu unvermittelt kam die Entscheidung, dass alle Schkeuditzer neuen Elftklässler nach Markranstädt wechseln müssen. Formal ist es vielleicht richtig, dass Vertreter der Stadt Schkeuditz nicht zu solchen Entscheidungsrunden eingeladen werden müssen, aber praktisch ist es ein Affront. Denn die Markranstädter Bürgermeisterin sitzt völlig zu Recht immer mit am Tisch. Sie könnte Einfluss nehmen und damit die eigenen verkündeten ehrgeizigen Ziele vorantreiben. Doch das darf nicht zu Lasten des anderen Hauses gehen und erst recht nicht zu Lasten der Schkeuditzer Schüler. Sie, deren Eltern und Kommunalpolitiker wollen nun gegen den Umzug kämpfen. Und auch bei den Entscheidungsträgern besteht offenbar noch Redebedarf. Bei dieser Runde dann aber gehört die Stadt Schkeuditz mit an den Tisch. Olaf Barth

Olaf Barth

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