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Sonderausstellung im Stadtmuseum wird eröffnet

70 Jahre MAB Schkeuditz Sonderausstellung im Stadtmuseum wird eröffnet

Die Geschichte des in jüngerer Vergangenheit wohl einflussreichsten Betriebes in Schkeuditz ist Thema einer neuen Ausstellung, die sich momentan noch im Aufbau befindet und am 28. Oktober im Stadtmuseum eröffnet werden soll.

Ob Gewerbekühlschränke oder Verdichter: Im MAB Schkeuditz wurde allerhand entwickelt und produziert. Vor 70 Jahren wurde der Betrieb gegründet und erhält nun eine Sonderausstellung im Stadtmuseum.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Die Geschichte des in jüngerer Vergangenheit wohl einflussreichsten Betriebes in Schkeuditz ist Thema einer neuen Ausstellung, die sich momentan noch im Aufbau befindet und am 28. Oktober im Stadtmuseum eröffnet werden soll. In Hochzeiten waren 3500 Arbeitskräfte bei jenem Maschinen- und Apparatebau (MAB) Schkeuditz beschäftigt. Aber auch für das gesellschaftliche Leben in Schkeuditz übte der Betrieb enormen Einfluss aus. Der 13. Mai 1947 vor 70 Jahren gilt als Gründungsdatum des MAB Schkeuditz.

„Der MAB ist aus drei anderen Unternehmen hervorgegangen: Die Flughafen GmbH, die Siebel Flugzeugwerke und die Lufthansa-Reparaturwerkstätten bildeten die Grundlage“, erklärte Museumsleiter Hans Neubert. Alle drei Unternehmen unterstanden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges der Sowjetischen Militäradministration. Als MAB-Gründung gilt die Übergabe des Betriebes an die Landesregierung Sachsen-Anhalt, auch wenn die Benennung erst im Juni gleichen Jahres passierte.

„Zunächst wurden, wie schon unter SMAD-Verwaltung, weiter Flugzeuge repariert beziehungsweise umgerüstet“, erzählte Neubert. Die russische Nordmeerflotte habe die Focke Wulf 200 polartauglich umrüsten lassen. Parallel dazu sei mit der Entwicklung und Produktion von Gewerbekühlschränken begonnen worden. Schon 1948 waren knapp 650 Mitarbeiter im Betrieb beschäftigt.

1954 erhielt der Bereich der Luftfahrtindustrie wieder stärkere Bedeutung, als der MAB in die Vereinigung Volkseigener Betriebe der Luftfahrtindustrie wechselte. Schkeuditz wurde zentrale Reparaturwerkstatt für die RGW (Rat gegenseitiger Wirtschaftshilfe) -Mitgliedsländer, entwickelte und fertigte Ausrüstungen und Geräte für den Flugzeugbau und den Flugbetrieb und stellte auch Leitwerke und Flugzeugbestuhlungen für die 152 her. „Im März 1961 dann kam per Ministeratsbeschluss das Aus für den Flugzeugbau in Schkeuditz“, erzählte Neubert: Bei der Messe im März 1959, bei der auch Nikita Chruschtschow zugegen gewesen war, sei bei einem Versuchsflug eine 152 bei Ottendorf-Okrilla abgestürzt. Der Hauptkunde Sowjetunion wollte das Flugzeug, trotz Beteuerung, dass es sich um einen Pilotenfehler gehandelt habe, nicht mehr bestellen.

Nach dem harten Schock für die Belegschaft folgte ein Umschwenken auf die Kühl- und Kältemittelproduktion, sagte der Museumsleiter. Verdichter als Grundbaustein der Kältekreisläufe, Klimatruhen und -schränke sowie Waggon-Klimatisierung gehörten zu den Tätigkeitsfeldern. Auch Konsumgüter wie Stühle und Tische wurden im MAB hergestellt.

„Die Einflüsse auf das gesellschaftliche Leben in Schkeuditz sind nicht unerheblich“, sagte Neubert. So sind mehrere Sozial- und Kindereinrichtungen Resultat des Großbetriebes. „Auch das Schwimmbad, was es in Schkeuditz gab, entstand auf Betreiben des MAB“, sagte er. Nicht zuletzt seien die Neubauten in Schkeuditz entstanden, weil sie für die Arbeitskräfte im MAB gebraucht wurden.

Strafgefangene hatten bis 1987 bei MAB gearbeitet. „Dann hatte es eine Generalamnestie gegeben und etwa 100 Arbeitskräfte fehlten mit einem Mal. Vietnamesen, für die es eine eigene Unterbringung auf Firmengelände gab, füllten die entstandenen Lücken.

Dokumente, Apparate und Fotos gibt es zur reichen Geschichte des MAB ab 28. Oktober im Stadtmuseum Schkeuditz, Mühlstraße 50, zu sehen.

Von Roland Heinrich

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