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Spielmuseum zeigt letztmalig seine Schätze

Spielmuseum zeigt letztmalig seine Schätze

Mit der gewohnten Doppel-Ausstellung zur Weihnachtszeit lockt Winfried Gaudlitz wieder in die Räume seines Spielzeugmuseums. Doch in diesem Jahr liegt ein Hauch Wehmut über den vielen kleinen und großen Kostbarkeiten: Es ist die letzte Weihnachtsausstellung, denn ab April nächsten Jahres soll die Sammlung aufgelöst werden.

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Wenn wie hier Schulklassen das Spielmuseum besuchen, dann erzählt Winfried Gaudlitz auch gern, wie die Sammlung entstand.

Quelle: Peggy Hamfler

Schkeuditz. Seit 45 Jahren schon sammelt der gelernte Schriftsetzer Spielzeug. Wie es dazu kam, berichtet der Senior gern auch Besuchergruppen. Infolge des Zweiten Weltkrieges habe Winfried Gaudlitz zu den vielen gehört, die keine unbeschwerte Kindheit hatten. "1944 erlebte ich als Kind, wie eine Fliegerbombe in Leipzig abfiel. Überall lagen Ziegelsteine und die Scherben von unserem Blumentopf auf der Straße verstreut. Umso mehr ist heute das Museum für mich wie eine zweite Kindheit", erzählt der Inhaber des Modelwitzer Spielzeugmuseums einer Besuchergruppe. Aufmerksam lauschen die 52 Schulkinder der Pfiffikus-Grundschule Böhlen.

Dicht drängen sich die zwei ersten Klassen um den 79-Jährigen und hören gespannt der Geschichte zu, wie seine geliebte Märklin-Eisenbahn gegen Nahrung eingetauscht werden musste, um überleben zu können, oder wie er 1969 für seinen damals vierjährigen Sohn die erste Eisenbahn suchte. In den über vier Jahrzehnten Sammelleidenschaft trug der studierte Sänger Spielzeug, darunter auch Zinnsoldaten, Lokomotiven, original Seiffener Miniaturen aus neun Jahrzehnten, ein Karussell und eine russische Riesenrad-Schaukel aus dem Jahre 1928 zusammen.

Erst nach der Wende aber war es Gaudlitz möglich geworden, die Sammlung gewerblich auszustellen. 1997 fand der rüstige Rentner in Modelwitz einen ehemaligen Kuhstall, der als Motorradwerkstatt genutzt wurde. Dort richtete er das private Museum ein. Doch jetzt möchte der fast 80-jährige Senior kürzer treten, sagt er. 15 Jahre lang hatte der Sammler 30 Stunden pro Woche das Museum geführt. Seine Frau hatte sich bis vor einem halben Jahr um die Buchhaltung gekümmert, seit fünf Wochen erhält Gaudlitz jetzt von Museumshelfer Henry Müller Unterstützung. "Die Elektronik hier ist wirklich irre, so viele Kabel, die die Eisenbahnen und Karusselle mit Strom versorgen. Da musste ich erst einmal einen Plan machen", berichtet der gelernte Bauleiter mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Aus allen Ecken pfeift und rattert es, Puppenköpfe nicken, ein Plüsch-Weihnachtsmann winkt. Der sechsjährigen Schülerin Alina gefällt nicht nur die Technik: "Ich habe Puppen zu Hause, aber ich hätte auch gerne so ein großes Puppenhaus zum Einrichten." Deutsch- und Sportlehrerin Simone Ritter ist ebenso fasziniert: "Es ist unglaublich schade, dass das Museum schließt, unsere zwei ersten Klassen sind extra mit dem Sonderbus gekommen."

Am 31. März 2014 wird das Spielzeugmuseum das letzte Mal geöffnet sein, die 200 Quadratmeter große Ausstellungsfläche zur Wohnung umgestaltet und vermietet. Teile der Ausstellung nehme Gaudlitz in seine Wohnung mit: "Ich werde mich zu Hause dann um meine acht Katzen kümmern und mich mehr dem Gesang widmen." Bis dahin sucht er noch weiter nach einem Kauf-Interessenten für seine Sammlung.

 

 

Spielmuseum, Zum Herrnholz 30, bis Jahresende auch Sonderausstellung in der Schillerstraße 44, beide jeweils geöffnet Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr; www.spielzeugmuseum.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.12.2013
Peggy Hamfler

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