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Spielzeugmuseum schließt im März und feiert am Sonntag seinen 15. Geburtstag

Spielzeugmuseum schließt im März und feiert am Sonntag seinen 15. Geburtstag

Das Schkeuditzer Spielzeugmuseum im Stadtteil Modelwitz feiert am Sonntag seinen 15. Geburtstag. Mit Kinderflohmarkt, Hüpfburg, Torwand oder Glücksrad wird die Geburtstagsfeier wohl zu einem Straßenfest geraten.

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Winfried Gaudlitz hält eine Holz-Dampflok, die derzeit im Spielzeugmuseum zu sehen ist. Das Museum feiert am Sonntag seinen 15. Geburtstag.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Dennoch wird Wehmut mitschwingen, denn das Museum im ehemaligen Kuhstall des Modelwitzer Gutes wird einen weiteren Geburtstag nicht mehr feiern.

Der gebürtige Leipziger Winfried Gaudlitz, der vor 15 Jahren das Spielzeugmuseum in der Straße Zum Herrnholz in Schkeuditz eröffnete, könnte mit seinen Erlebnissen aus der Vergangenheit Bücher füllen. Mit seiner Spielzeug-Sammelleidenschaft jedenfalls machte er gleiches immer wieder mit Zeitungsseiten. Nicht, weil er selbst schrieb: Berichte über ihn, seine Sammelleidenschaft oder über neue Spielzeuge füllten die Blätter.

Auch zu DDR-Zeiten wurde regelmäßig und über mehrere Jahre hinweg über den heute 79-Jährigen geschrieben. Lesen konnte Gaudlitz das aber erst nach der Wende in den Akten der Staatssicherheit. "Bei einer Börse bin ich 1977 von der andern Ecke des Raumes von einem Unbekannten fotografiert worden. Das habe ich mitbekommen und das war der Beginn meiner Beschattung", erinnerte sich Gaudlitz. Seine Sammelleidenschaft habe sozialistische Normen gesprengt und die Staatsmacht versuchte, ihm Spekulantentum und Steuerhinterziehung nachzuweisen. "Das gipfelte 1982 in einer Wohnungsdurchsuchung, bei der sieben Mann eine Woche lang alles inspizierten und auflisteten", sagte Gaudlitz. Zu jener Zeit habe er die umfangreichste Spielzeugsammlung auf dem Gebiet der ehemaligen DDR besessen. Allein 4000 Loks und Eisenbahnwagen zählten zu seinem Besitz.

"Für diese Sammlung, die auch einen gewissen Wert darstellte, hätte ich keine Vermögenssteuer bezahlt", nannte Gaudlitz die Begründung der DDR-Behörden, weshalb Wohnräume nach der Durchsuchung verplombt wurden. Gaudlitz vermutete, dass sein Spielzeug unter der Federführung des DDR-Devisenbeschaffers und Stasi-Offiziers Alexander Schalck-Golodkowski die Reise in den Westen Deutschlands antreten sollte.

Die öffentliche Präsentation seiner Sammelleidenschaft, die Gaudlitz selbst als sein "Lebens-Hobby" bezeichnet, wird es im Spielzeugmuseum nur noch bis zum 31. März geben. "Der Mietvertrag, den ich über 15 Jahre abgeschlossen hatte, läuft Ende Juni nächsten Jahres aus", begründete Gaudlitz. "Damit ich besenrein übergeben kann, mache ich schon drei Monate früher zu", sagte er. Ein neuer Interessent, der dann im ehemaligen Kuhstall wohnen möchte, sei vom Vermieter auch schon gefunden, wusste Gaudlitz.

Am liebsten wäre es dem Sammler, wenn die Stadt Leipzig seine Sammlung übernehme und für eine öffentliche Präsentation sorgen würde. Mit der Flughafenstadt beziehungsweise der Verwaltung ist er nie richtig warm geworden. "Das fängt damit an, dass auf den Stadtfestflyern nicht mal ein Hinweis auf das Museum gegeben wurde. Die Zusammenarbeit mit dem Verein der Modellbahner aber ist als äußerst positiv hervorzuheben", sagte Gaudlitz.

Auch wenn es für den Sammler, dessen zweite Leidenschaft die Musik oder genauer das Singen war, bedauerlich ist, dass jetzt ein Ende des Museums konkret wird, äußerte sich Gaudlitz auch etwas erleichtert. "Ein Bekannter sagte mir, ich solle ein rechtzeitiges Museumsende finden. Dieser ist später an seiner Museumskasse in Goslar gestorben. Jetzt ist mir die Entscheidung abgenommen worden", sagte er.

Auch an der Hobby- und Freizeitmesse vom 3. bis zum 6. Oktober in Leipzig wird sich Gaudlitz zum letzten Mal beteiligen. "Hier sind wir immer ein Hingucker gewesen", lädt er zum Standbesuch (Halle 3, K 4) ein. Doch zuvor sollen die Gäste am Sonntag zum Spielzeugmuseum kommen, um den letzten Geburtstag des Hauses zu feiern. Beginn ist um 11 Uhr. Und sicher gibt es die eine oder andere Geschichte aus Gaudlitz' Mund zu hören, die sich zum Niederschreiben eignet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.09.2013

Roland Heinrich

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