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Stadtmuseum zeigt vierte Sonderausstellung

Stadtmuseum zeigt vierte Sonderausstellung

Eine neue Sonderausstellung im Schkeuditzer Stadtmuseum in der Mühlstraße befasst sich jetzt mit dem Ersten Weltkrieg und Eindrücken beziehungsweise Auswirkungen in der Stadt.

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Besucher Odo Lilienthal aus Halle lässt sich vom Museumsleiter Hans Neubert (vorn) eine Kopie des Schkeuditzer Wochenblattes zeigen.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Mit "Die weinende Mutter" ist die in diesem Jahr vierte Sonderschau überschrieben. "Wir haben einige Leihgaben erhalten, so dass ich die beiden Räume gut füllen konnte", sagte Museumsleiter Hans Neubert.

Unter anderen hat auch Klaus Matzke, im Schkeuditzer Museums- und Geschichtsverein der Leiter für Heimatgeschichte, Aufzeichnungen seines Großvaters zur Verfügung gestellt: Carl Matzke war Pfleger in der damaligen Landesheilanstalt Altscherbitz und schrieb während seines Felddienstes und danach Tagebuch, welches nun im Museum zu sehen ist. Interessant: Carl Matzke fertigte Skizzen an, die auch die Ausstattung beziehungsweise die Ausrüstung der Soldaten veranschaulichen.

Dazu passt neben den in Vitrinen zu sehenden Munitionen oder Patronenhülsen auch ein Stahlhelm, welcher - ebenfalls als Leihgabe - den weg ins Stadtmuseum gefunden hat. "Die Nieten an den Seiten des Helms verschafften den Deutschen bei den Franzosen den Spitznamen 'Les Rivets', also 'die Nieten'", wusste Neubert zu berichten. Dabei hatten die durchaus eine Funktion: "Eine simple ist wohl die der besseren Belüftung", meinte der Museumsleiter. Eine zweite sei aber wohl viel wichtiger gewesen: "An den Nieten konnte ein zusätzliches, metallenes Schild zum Schutz der Stirn angebracht werden. Der Helm an sich war nur Makulatur. Gewehrkugeln gingen da ohne großen Widerstand hindurch", erzählte Neubert.

Neben einem Vertiko und einem Stuhl aus der Zeit um die Wende zum 19. Jahrhundert sind Fotografien, Feldpostbriefe und ein Vorderlader ausgestellt. Hinzu kommt ein Öl-Bild, das vermutlich Gustav Franz Wenzel (1874 bis 1941) zeigt. Der hatte 1902 in der Mühlstraße 2 in Schkeuditz eine Eisenwaren- und Kohlenhandlung aufgebaut. Das Portrait zeigt einen jungen Offizier und stammt aus dem Nachlass seines Sohnes Herbert Wenzel. "Der Vater muss wohlhabend gewesen sein, wenn er zu jener Zeit ein Öl-Gemälde von sich anfertigen lassen konnte", vermutete Neubert.

Bei der der Ausstellung titelgebenden "weinende Mutter" übrigens handelt es sich um ein Denkmal zu Ehren der Kriegsopfer. "Während es in den umliegenden Dörfern recht schnell Gedenkstätten gegeben hatte, brauchte es in Schkeuditz sehr lange", sagte Neubert. 1933 kam es dann in von den Nazis abgewandelter Form.

Eine Begleitpublikation, die eventuell auch die ein oder andere Tagebuchseite hätte nachlesbar machen können, gibt es leider nicht. Museumsleiter Neubert steht in der liebevoll gestalteten neuen Ausstellung aber für Informationen zu Verfügung.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.10.2014
Roland Heinrich

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