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Stadtrat verurteilt „Kahlschlag“ im Auwald

Stadtrat verurteilt „Kahlschlag“ im Auwald

„Das sind doch keine Pflegearbeiten“, ist Stadtrat Werner Dreßler empört. „Hier sind ja richtige Lichtungen entstanden“, beschreibt er die Situation im Auwald entlang der Gundorfer Linie.

Schkeuditz. Viel zu radikal gehen nach seiner Meinung die Waldarbeiter vor.

„Ich habe nichts gegen das Fällen kranker oder auch zu eng stehender Bäume“, betont er. Doch was hier geschehe, hätte mit Pflege nichts mehr zu tun: „Das ist Kahlschlag!“ Bereits im Januar haben Mitarbeiter im Auftrag des Staatsbetriebes Sachsenforst Leipzig zunächst an der zwischen Schkeuditz und Dölzig gelegenen Bocklinie begonnen, kranke oder zu eng stehende Bäume herauszunehmen (LVZ berichtete). Inzwischen fährt ein Traktor mit einem Greifer die Baumstämme entlang der Gundorfer Linie südlich der Weißen Elster zu Holzstapeln auf. „Ich bin ja kein Fachmann“, betont der 69-jährige Dreßler, „aber schauen sie sich die Stämme doch mal an: Für mich sehen die nicht krank aus!“ Hier würde es doch nur ums Geldverdienen gehen, ist er überzeugt. Dass die Baumstämme alle schon verkauft oder zumindest bestellt seien und nach Vorgaben der Käufer auf Längen zurechtgesägt werden, bestätigte unlängst auch Vorarbeiter Andreas Thiele. Und dies ist ein durchaus lohnendes Geschäft: Für drei Festraummeter Eiche – das wäre ein etwa fünf Meter langer und 70 Zentimeter dicker Stamm – werden nach Informationen der LVZ über 200 Euro fällig. „Einen Baum zu fällen, der einen Durchmesser von etwa 1,30 Meter hat, dauert zirka 20 Minuten“, berichtete Thiele aus seiner Erfahrung. Dreßler, der unlängst für sein Engagement für die Elsterstadt mit der Bürgermedaille ausgezeichnet wurde, hat in seiner Stadtratsfunktion gleich Oberbürgermeister Jörg Enke (Freie Wähler) zu einem Ortstermin bestellt. Doch: „Das was ich hier sehe, sind kranke Baumstümpfe“, sagt Enke auf den ersten Blick. Die gesunden Bäume, die gefallen sind, stünden nach seiner Meinung zu eng. „Ich bin aber ebenso wenig ein Fachmann“, betonte er. Warum vermutlich tote Bäume stehen gelassen wurden, können sich sowohl Enke als auch Dreßler zunächst nicht beantworten. Dreßler zeigt auf einen stehen gelassenen Baum, der jegliche Äste verloren hat: „Was soll das?“ Ein Schreiben des Forstamtes erklärt: „Biotop- und Totholzbäume, die Lebensraum etwa für Fledermäuse, Spechte, Eulen oder totholzzersetzende Insekten sind, werden bei den Durchforstungen aus naturschutzfachlicher Sicht belassen.“ Dass nach den Baumpflegearbeiten eine Wiederbepflanzung stattfinden muss, dazu herrscht Einigkeit. „Hier müssen wir hinterher sein“, beschwört Dreßler. Das Wild habe ja gar keine Rückzugsmöglichkeiten mehr, betont der Schkeuditzer und mahnt, sich nicht alles gefallen zu lassen. Der Forstbezirk indes konnte gestern wegen einer Weiterbildung aller Förster keine Auskunft geben.

Roland Heinrich

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