Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Schkeuditz Stadtrat verurteilt „Kahlschlag“ im Auwald
Region Schkeuditz Stadtrat verurteilt „Kahlschlag“ im Auwald
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 03.03.2010
Anzeige
Schkeuditz

Viel zu radikal gehen nach seiner Meinung die Waldarbeiter vor.

„Ich habe nichts gegen das Fällen kranker oder auch zu eng stehender Bäume“, betont er. Doch was hier geschehe, hätte mit Pflege nichts mehr zu tun: „Das ist Kahlschlag!“ Bereits im Januar haben Mitarbeiter im Auftrag des Staatsbetriebes Sachsenforst Leipzig zunächst an der zwischen Schkeuditz und Dölzig gelegenen Bocklinie begonnen, kranke oder zu eng stehende Bäume herauszunehmen (LVZ berichtete). Inzwischen fährt ein Traktor mit einem Greifer die Baumstämme entlang der Gundorfer Linie südlich der Weißen Elster zu Holzstapeln auf. „Ich bin ja kein Fachmann“, betont der 69-jährige Dreßler, „aber schauen sie sich die Stämme doch mal an: Für mich sehen die nicht krank aus!“ Hier würde es doch nur ums Geldverdienen gehen, ist er überzeugt. Dass die Baumstämme alle schon verkauft oder zumindest bestellt seien und nach Vorgaben der Käufer auf Längen zurechtgesägt werden, bestätigte unlängst auch Vorarbeiter Andreas Thiele. Und dies ist ein durchaus lohnendes Geschäft: Für drei Festraummeter Eiche – das wäre ein etwa fünf Meter langer und 70 Zentimeter dicker Stamm – werden nach Informationen der LVZ über 200 Euro fällig. „Einen Baum zu fällen, der einen Durchmesser von etwa 1,30 Meter hat, dauert zirka 20 Minuten“, berichtete Thiele aus seiner Erfahrung. Dreßler, der unlängst für sein Engagement für die Elsterstadt mit der Bürgermedaille ausgezeichnet wurde, hat in seiner Stadtratsfunktion gleich Oberbürgermeister Jörg Enke (Freie Wähler) zu einem Ortstermin bestellt. Doch: „Das was ich hier sehe, sind kranke Baumstümpfe“, sagt Enke auf den ersten Blick. Die gesunden Bäume, die gefallen sind, stünden nach seiner Meinung zu eng. „Ich bin aber ebenso wenig ein Fachmann“, betonte er. Warum vermutlich tote Bäume stehen gelassen wurden, können sich sowohl Enke als auch Dreßler zunächst nicht beantworten. Dreßler zeigt auf einen stehen gelassenen Baum, der jegliche Äste verloren hat: „Was soll das?“ Ein Schreiben des Forstamtes erklärt: „Biotop- und Totholzbäume, die Lebensraum etwa für Fledermäuse, Spechte, Eulen oder totholzzersetzende Insekten sind, werden bei den Durchforstungen aus naturschutzfachlicher Sicht belassen.“ Dass nach den Baumpflegearbeiten eine Wiederbepflanzung stattfinden muss, dazu herrscht Einigkeit. „Hier müssen wir hinterher sein“, beschwört Dreßler. Das Wild habe ja gar keine Rückzugsmöglichkeiten mehr, betont der Schkeuditzer und mahnt, sich nicht alles gefallen zu lassen. Der Forstbezirk indes konnte gestern wegen einer Weiterbildung aller Förster keine Auskunft geben.

Roland Heinrich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wohlig warm ist es in der Werkstatt von Ingrid Walter. Auch nach dem Ende der Frostperiode ist es nötig, den kleinen Kaminofen anzuheizen. „Wenn man die ganze Zeit sitzt und näht, wird es nach und nach doch kühl“, sagt die gebürtige Schkeuditzerin.

03.03.2010

[image:phpz23S3y20100301172425.jpg]
Kursdorf. Leergefegt sind die Straßen, Häuser verwaist, Fenster dunkel – Kursdorf wirkt ausgestorben. Wälle, Stacheldrahtzaun und Autobahn dominieren.

02.03.2010

Die Stadt Schkeuditz verzichtet auf eine Klage gegen die Geschäfte mit privaten Parkplätzen in Freiroda. Das Geschehen in leerstehenden Gehöften war vom Landratsamt Nordsachsen genehmigt und nach dem Widerspruch der Stadt Schkeuditz auch von der Landesdirektion Leipzig als rechtens erachtet worden.

01.03.2010
Anzeige