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Schkeuditz Städtepartnerschaft wird neues Leben eingehaucht
Region Schkeuditz Städtepartnerschaft wird neues Leben eingehaucht
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00:17 23.01.2016
In der Wehlitzer DaZ-Klasse kam Seelzes Bürgermeister Detlef Schallhorn mit Mohamed aus Syrien ins Gespräch. Danach entfernte er von seinem Jackett die Seelze-Anstecknadel und schenkte den Anstecker dem 11-Jährigen. Quelle: Foto: Olaf Barth
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Schkeuditz

Detlef Schallhorn präsentiert sich am Mittwoch bei der Führung durch die Thomas-Müntzer-Grundschule locker, kommunikativ und neugierig. Der parteilose Bürgermeister aus der Schkeuditzer Partnerstadt Seelze stellt Schulleiter Steven Machlitt und Hortchefin Marion Dzwonkowski viele Fragen. In der Bibliothek testet er als einziger die weichen Sitzgelegenheiten, im Werkraum spielt er knieend mit einer von den Kindern gebastelten Sanduhr und im DaZ-Zimmer (Deutschunterricht für ausländische Kinder) verlässt er die Erwachsenenrunde, um mit dem kleinen Mohamed ein paar Worte zu wechseln. Dann schenkt er dem elfjährigen Syrer aus der 2 a seine Seelze-Ansteckernadel. Fast schien es so, als würde der 55-Jährige hier gern selbst noch mal zur Schule gehen wollen.

„Das ist schon beeindruckend, was wir hier gesehen haben. Der Schulzoo oder der Hort mit Snoezelraum und Sauna, das ist uns völlig neu. Eine schöne Erfahrung, dass so etwas machbar ist, ohne ins Schwarzbuch der Steuerzahler zu kommen“, scherzte der Seelzer. Doch seine Beobachtungen haben einen handfesten Hintergrund. In der rund 34 000 Einwohner zählenden Stadt in der Region Hannover beginnen gerade die Planungen für eine vierzügige Ganztagsgrundschule. Das Budget von neun Millionen Euro setzt Grenzen, den Bau einer Sauna wird er sich seinen Räten nicht getrauen vorzuschlagen, sagt Schallhorn. Doch die eine oder andere Anregung nehme er gern mit. Garderobenbereich, Speiseraum, Ruhezonen, helle und modern ausgestattete Klassenräume sowie der fließende Übergang für die Nutzung der Zimmer zu Schul- und Hortzwecken stießen bei den vier Gästen auf großes Interesse. „Man kann voneinander lernen, so ein Austausch hilft beim Tagesgeschäft. Die Probleme und Herausforderungen ähneln sich. Es ist schön, dass wir so offen miteinander umgehen und über alles reden können“, zieht Schallhorn ein kleines Resümee des zweitägigen Besuches. Er bedauere, dass er erst jetzt in seiner zweiten Amtszeit den Weg nach Schkeuditz gefunden hat und wolle nun im Seelzer Rat dafür werben, die Partnerschaft fortzusetzen, ihr neue Impusle zu geben, um voneinander profitieren zu können. Da sei es gut, dass der Mehrheitsführer im Rat mit in Schkeuditz ist. Schallhorn schaut zu seinem ersten Stellvertreter, Wilfried Nickel (SPD). Der 61-Jährige sagt, er sei sprachlos angesichts des Gesehenen, müsse das erst mal sacken lassen: „Wir haben heute gute Anregungen erhalten, können einiges sicher in unsere Überlegungen einbeziehen. Heißt unser Motto für Seelze ,Stadt mit Schwung’, so haben wir heute in Schkeuditz eine ,Grundschule mit Schwung’ erlebt.“

In den letzten Jahren war die Partnerschaftsbeziehung zu Seelze nahezu eingeschlafen (die LVZ berichtete). „Na ja, beide Städte waren mit sich beschäftigt und für Schkeuditz hatte sicher Bühl den Vorrang, weil die auch mehr Möglichkeiten als wir hatten, zu helfen“, sucht Waltraud Gertz nach einem Grund für die längere Funkstille. Die 70-jährige ehemalige Seelzer SPD-Fraktionsvorsitzende gehörte 1990 mit dem gleichfalls in der SPD engagierten Schkeuditzer Ehepaar Dieter und Rosemarie Schöne zu den Initiatoren dieser Städtepartnerschaft. Und sie hatte den Kontakt nie ganz abreißen lassen, war zum Beispiel zur Eröffnung des Museums angereist. Die Beziehungen der beiden Kommunen wurden im Umfeld der damals entstehenden Partnerschaft zwischen Leipzig und Hannover auf den Weg gebracht. Gut 26 Jahre später übergibt Gertz dem Schkeuditzer Oberbürgermeister Jörg Enke (Freie Wähler) eine Bildchronik vom ersten Besuch der Seelzer in Schkeuditz am 24. Februar 1990.

Auch Enke hob den Nutzen dieser und anderer Städtepartnerschaften hervor: „Die gegenseitigen Besuche sind Inspirationen für die Arbeit. Es gibt immer Puzzlesteinchen, die man sich bei anderen abschauen kann. Auch bei uns funktioniert nicht alles“, sagt das Schkeuditzer Stadtoberhaupt und gibt zu: „Auch ich hätte meinen Stadträten nie vorgeschlagen, eine Grundschule mit Sauna zu bauen. Doch mit dem Kneipp-Konzept des Hortes war das auf einmal möglich.“ Er selbst wiederum schaue bei seinen Besuchen in Seelze etwas neidvoll auf das dort bestehende Stadtbad.

Im Anschluss zieht der Tross weiter ins Bürgeramt. Dort zeigen die Gastgeber, wie das mit dem Bürgerkoffer funktioniert, ein mobiles Büro, das sich auch die Seelzer Verwaltung wünscht. Der Gegenbesuch der Schkeuditzer in Seelze soll am 15. und 16. März stattfinden.

Von Olaf Barth

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