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Steht die Storchenberingung vor dem Aus?

Steht die Storchenberingung vor dem Aus?

In einer spektakulären Aktion wurden am Dienstag die drei Jungstörche in der Mühlstraße in Schkeuditz beringt. Dietmar Heyder, Storchenberinger im Landkreis Nordsachsen, in Leipzig und darüber hinaus, wurde mit der Drehleiter an den Storchenhorst herangefahren.

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Auge in Auge mit der Storchendame: Dietmar Heyder (rechts) wird von der Feuerwehr an den Horst gefahren.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Die Feuerwehr hatte die Aktion unterstützt. In Kleinliebenau wurden die Jungstörche noch nicht beringt. "Die sind noch zu klein", sagte Heyder. Im Schkeuditzer Stadtteil Wehlitz wurde die Beringungsaktion dann abgebrochen, weil die Drehleiter am Feuerwehrfahrzeug kaputt gegangen war. Eventuell in der nächsten Woche sollen in Wehlitz und Kleinliebenau neue Versuche gestartet werden. "Die drei Jungstörche in Dölzig hatten wir schon beringt", informierte der 71-Jährige.

"Generell sind wir mit der Besetzung der Horste zufrieden. Es ist in diesem Jahr aber auch schon vorgekommen, dass Eltern ihre Jungen aus dem Nest geworfen haben", sagte Heyder. Das liege an der Trockenheit und dem dadurch fehlenden Kleinfutter für die Jungen. "Es fehlt an Heuschrecken oder Würmern. Mäuse sind genug da. Die sind aber für die Jungen zu groß", wusste der Storchenberinger.

Heyder, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Beringer-Jubiläum begeht, sieht ein Ende seiner ehrenamtlichen Arbeit kommen. "Wir finden keinen Nachwuchs", bringt er es auf den Punkt. Er habe jetzt noch für fünf Jahre eine Genehmigung, danach werde die Beringung als solche wohl auslaufen. Dabei habe Heyder im Laufe seiner Tätigkeit schon den ein oder anderen unterwiesen. "Die sind zwar dabeigeblieben, haben aber alle die Region verlassen", sagte Heyder.

Auch die Voraussetzungen für die zeitintensive Arbeit sind nicht ohne: Neben Sportlichkeit und Höhentauglichkeit müsse man einen Beringer-Lehrgang absolvieren, um eine Genehmigung zu erhalten. Für den Lehrgang wiederum ist es nötig, mindestens zwei Jahre als Beringungshelfer tätig gewesen zu sein. "Hinzu kommt, dass der Beruf es zulassen muss, Beringungsaktionen auch durchführen zu können", sagte Veronika Leißner vom Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen (LPV). Das sei beim zweiten Beringer, der neben Heyder für den LPV tätig ist, schon schwierig. Hauptsächlich im Muldental ist Dieter Wendt für die Storchenberingung unterwegs.

Hoffnungen legte Leißner in den 27-jährigen Forstwissenschaftler Peter Solluntsch. "Er ist schon mit Herrn Wendt zu Storchenberingungen gewesen. Ich weiß aber nicht, wie seine Ambitionen sind", sagte die Leiterin der Koordinierungsstelle des LPV in Eilenburg. Dessen Antwort kommt prompt: "Ich habe zum einen die Voraussetzungen nicht und kann die Arbeit rein aus Zeitgründen gar nicht leisten."

Solluntsch ist innerhalb des LPV mit einem anderen Projekt betraut, bei dem es um ein Monitoring von Rotmilanen geht. Außerdem sei er in dieser Angelegenheit beratend auch zu Landwirten unterwegs. Wegen des Projektes ist Solluntsch nun Ansprechpartner auch für andere Greifvögel. Das koste Zeit. "Bei Herrn Wendt war ich bei der Storchenberingung dabei, aber aus Interesse und nicht als Beringungshelfer", sagte er.

Eine neue Datenerfassung, die Sateliten-Telemetrie, lässt Heyder entspannt wirken. "Für die Daten eines Senders müsste ich 10 000 Störche beringen", sagte er überspitzt. Aber auch die Sender müssen an den Storch kommen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.06.2015
Roland Heinrich

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