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Schkeuditz Straße am Airport bleibt namenlos
Region Schkeuditz Straße am Airport bleibt namenlos
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15:55 19.05.2015

Nach heftiger Kritik von Glesiener Abgeordneten ist der Vorschlag "Towerblick" nun vom Tisch. Die Namenssuche beginnt von vorn.

Gut 100 Meter führt eine kleine, namenlose Straße zum Feuerwehr-Trainingszentrum des Flughafens Leipzig/Halle. Dem Asphaltstreifen neben dem Aussichtshügel kurz vor Glesien einen Namen zu geben, ist trotz zahlreicher Beratungen seit Monaten nicht gelungen. Die Glesiener Ortschaftsräte lehnten den Verwaltungsvorschlag ab, die Straße nach dem Schkeuditzer Feuerwehrbegründer Heinrich Hertel zu benennen. Vielmehr sollte es ein verdienstvoller Glesiener Brandbekämpfer sein. Der vorgeschlagene Ortswehrleiter Kurt Wernicke hatte in der Weimarer Republik, während der Nazi-Zeit und in den ersten DDR-Jahren Brände gelöscht. Dieser Vorschlag war wiederum der Verwaltung um Oberbürgermeister Jörg Enke (Freie Wähler) zu heikel. Zu wenig sei über die politische Vergangenheit des Glesieners bekannt, er könnte belastet und unwürdig als Namensgeber sein. Die Glesiener fanden dafür keine Anhaltspunkte, begründeten ihr Festhalten am eigenen Vorschlag mit dem offenbar unpolitischen Agieren des Mannes - und blitzten ab. In einer nichtöffentlichen Vorberatung des Stadtrates votierten elf Abgeordnete für den von Enke eingebrachten neutralen Straßennamen Towerblick. Der sollte nun in der Donnerstag-Sitzung beschlossen werden.

Doch zuvor trat Stadtrat Manfred Putzke (CDU), zugleich auch Ortsvorsteher in Glesien, ans Rednerpult und sprach in die erstmals genutzte neue (und sich bewährende) Mikrofonanlage. "Unsere Stellungnahme ist dem Stadtrat vorenthalten worden, sie wäre laut OBM nicht relevant für eine Entscheidungsfindung. Und es sei nicht zielführend, ebenfalls O-Ton, wenn sich der Ortsvorsteher zum Thema äußere", beschrieb Putzke Enkes Vorgehen im Zuge der Vorberatung durch den Stadtrat. Die Glesiener seien überzeugt, dass Wernicke kein Nationalsozialist war, da er weder von den Sowjets noch von der DDR-Führung verfolgt worden war.Dennoch versuche Enke mit aller Macht, seinen Willen durchzudrücken, gegen das Votum einer gewählten Bürgervertretung. "Es geht nicht um ein paar Meter Straße auf dem Lande, sondern um die Missachtung der Legitimation von Ortschaftsräten und daraus folgend auch Stadträten", warf Putzke dem Oberbürgermeister vor. Der äußerte sich nicht zu diesen Punkten, sondern erteilte den sich reichlich meldenden Stadträten, zuerst den Glesienern, das Wort. So äußerten sich auch Chris Bageritz (Freie Wähler) und Rayk Bergner (CDU) enttäuscht und kritisierten das Agieren der Verwaltung. "Dieses Verfahren ist für mich als junger Stadtrat sehr bedenklich", sagte Bageritz. Es gehe nicht mehr nur um einen Straßennamen, sondern auch um den Stellenwert der Ortschaftsräte.

Bärbel Kinski (Freie Wähler) und Reiner Ehnert (Die Linke) befürworteten den Verwaltungsvorschlag. Für Lothar Böttcher (Freie Wählervereinigung Dölzig) war diese Vorlage keine Option. "Wir haben noch nie gegen das Votum eines Ortschaftsrates abgestimmt. Die Straßennamenvergabe in den Ortsteilen ist ureigenste Sache der Ortschaftsräte: Eine Machtdemonstration in Form einer Entscheidung gegen den Ortschaftsrat kann nicht gut sein. Es schadet niemandem, die Entscheidung zu vertagen, noch einmal die Köpfe zusammenzustecken und gemeinsam nach einem Namen zu suchen. Ich biete an, dabei zu sein", schlug der Dölziger Ortsvorsteher vor. Enke griff das sofort auf, fragte Putzke, ob er bereit wäre, noch einmal nach einem neutralen Namen zu suchen. "Ja, aber nicht mehr heute Abend."

Und so können Feuerwehrleute aus der ganzen Welt immer noch keinen konkreten Zielort in ihr Navi eingeben. Doch genau darum ging es dem Flughafen mit seiner Bitte nach Namensgebung. Das Fire Center kurz vor Glesien soll von Ortsfremden einfach besser gefunden werden können. Vielleicht hätte der Airport mit seiner Bitte gleich selbst einen verbindlichen Namen vorschlagen sollen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.09.2013

Olaf Barth

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