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Straßenbahnfahrer lässt Kunden nicht mehr einsteigen und fährt los

LVB entschuldigen sich bei Schkeuditzer Straßenbahnfahrer lässt Kunden nicht mehr einsteigen und fährt los

Mitten beim Einsteigen schließen sich plötzlich die Türen der Bimmel und ab geht die Fahrt. Zurück bleiben drei verdutzte Schkeuditzer, einer von ihnen beschwerte sich bei den Leipziger Verkehrsbetrieben, die den Vorgang intern auswerteten.

So offen wie hier stand die Straßenbahntür für Rolf Rehse und zwei Mitfahrerinnen vor einigen Wochen nicht. Die Bimmel fuhr ohne die drei ab.

Quelle: Michael Strohmeyer

Schkeuditz. Weil ein Straßenbahnfahrer oder eine Fahrerin beim Einsteigen von Fahrgästen in Schkeuditz abrupt die Türen schloss und los fuhr, beschwerte sich ein Schkeuditzer Rentner bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB). Erst nach vier Wochen reagierte das Unternehmen, von den Ausführungen ist der 74-Jährige enttäuscht.

Das war Rolf Rehse so noch nie vorher passiert: Am 12. April wollte er nachmittags am Rathausplatz mit mehreren Fahrgästen in die Straßenbahn Richtung Leipzig einsteigen. Er wartete, bis die Frau vor ihm im Wagen war und wollte gerade folgen, doch da schlossen sich plötzlich die Türen. Wiederholtes Drücken des Türöffners half nichts, die Bahn fuhr los. Mit dem Senior standen zwei Frauen genauso verdattert wie er am Bahnsteig und waren sprachlos. Rehse wollte sich das nicht bieten lassen und beschwerte sich. Da der Senior nicht über E-Mail verfügt, fuhr er mit der Straßenbahn in die Messestadt und füllte bei den LVB am 15. April den Vordruck „Kundenäußerung“ aus.

„Man kann doch nicht einfach beim Einsteigen drei Leute draußen stehen lassen. Noch dazu ist die Bahn zu zeitig losgefahren“, empörte sich der Senior, als er vor ein paar Tagen der LVZ von dem Vorfall berichtete „Ich wollte ja nicht gleich zur Presse gehen, aber wenn man fast einen Monat auch auf Nachfragen keine Reaktion erhält, muss man sich eben anders wehren. Ich bin schließlich zweimal umsonst nach Leipzig gefahren“, sagte Rehse.

Die LVB-Pressestelle teilte auf LVZ-Anfrage mit, dass Kundenbeschwerden grundsätzlich mit dem entsprechenden Fahrpersonal ausgewertet werden, um Beschwerden dieser Art künftig zu vermeiden. Wegen längerer Abwesenheit des Fahrpersonals hätten sich die Auswertung und die Antwort verzögert.„Für die entstandene Wartezeit und die Unannehmlichkeiten auf Seiten unseres Kunden möchten wir uns entschuldigen“, heißt es weiter.

Inzwischen hatten sich die LVB telefonisch bei Rehse gemeldet und seit dieser Woche liegt ihm auch ein Schreiben vom „Team Kundendialog“ des Unternehmens vor. „Wir bedauern, dass Sie nicht mehr die Gelegenheit hatten zuzusteigen und möchten uns, auch im Namen des Fahrers, dafür entschuldigen“, heißt es darin. Zudem wurde für die Abfahrt der betroffenen Bahn „eine geringe Verfrühung von ein paar Sekunden“ bestätigt. Das gelte es zwar zu vermeiden, doch eine „sekundengenaue Abfahrt ist aufgrund von verschiedenen Faktoren nicht immer möglich“, wurde Rehse mitgeteilt. Kundenäußerungen würden immer mit den Fahrern ausgewertet. Aus Krankheitsgründen wäre es aber diesmal zu Verzögerungen gekommen. Die Absender entschuldigten sich auch dafür noch einmal bei dem Senior.

Der ist mit der Antwort nicht zufrieden. „Es geht doch nicht um die paar Sekunden. Da standen Leute draußen, die nicht zu übersehen waren. Da hat jemand absichtlich die Tür zugemacht, und es ist offen, warum, darum geht es doch“, erklärte Rehse jetzt. Aber er wolle kein „weiteres Palaver“ machen. Allerdings hätte er aus Kulanz, sagte er, von den LVB wenigstens den ein oder anderen Fahrschein als Wiedergutmachung für seine vergeblichen Fahrten nach Leipzig erhofft. Mit den samt Brief verschickten LVB-Werbegeschenken wie Zollstock, Einkaufswagenchip, Schlüsselband und Notizheft könne er nicht viel anfangen.

Von Olaf Barth

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