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Tränen zum Abschied

Tränen zum Abschied

Sieben Jugendliche und zwei Betreuer aus jeder Partnerstadt erlebten aufregende Tage in Schkeuditz. Die „Internationale Jugendfreizeit“ zwischen Jugendlichen aus sechs verschiedenen Ländern ging am Sonnabend mit einer großen Abschiedsdisco zu Ende.

Schkeuditz. Fazit: Den Gästen hat es in Schkeuditz gefallen.

Dieser Sonnabend wird vorerst ihr letzter Abend gewesen sein. Hand in Hand saßen die deutsche Teresa Daferner und der französische Marc Déroulède am vergangenen Sonnabend auf dem Bürgersteig. Mit einem lachenden und einem weinenden Augen blickten sich die beiden 17-Jährigen verliebt an. Es hatte wieder gefunkt – wie auch schon vergangenes Jahr beim multikulturellen Treffen der Internationalen Jugendfreizeit in Villefranche-sur-Saône.

„Das ist Schicksal“, lachte die Schülerin. „Teresa ist verrückt, so abgedreht, deswegen mag ich sie so gerne“, gab der Franzose zu. Das Mädchen kicherte. „Und Marc ist so charmant“ fügte sie hinzu. An die anstehende Abreise wollten die beiden noch nicht denken. Hand in Hand gingen sie zurück auf die Tanzfläche. Es blieb ihnen wie auch den restlichen 42 Jugendlichen in ihrer letzten Nacht keine Zeit zum Trauern, nur zum Tanzen und Lachen.

Im Kulturhaus Sonne feierten sie zusammen mit ihren Betreuern den krönenden Abschluss des vierten zehntägigen multikulturellen Treffens der Internationalen Jugendfreizeit. Da schwangen die Spanier, Franzosen, Italiener, Deutsche, Tschechen und Moldawier zu den Beats von „La Macarena“ oder „Y.M.C.A.“ gemeinsam das Tanzbein. Denn trotz der kulturellen Unterschiede und Herkünfte, erreichten diese Hits jedes Land – Musik verbindet eben.

Anfängliche Kontaktschwierigkeiten waren lange gebrochen, Berührungsängste oder Sprachbarrieren schon bei der Eröffnungsdisco vor einer Woche überwunden. Ob beim Sportfest, in Buchenwald und Weimar, bei der Flughafen-Tour, beim Schwimmen im Cospudener See, dem gemeinsamen Kochen oder in den verschiedenen Workshops – an jedem Tag kamen sich die 44 jungen Menschen näher. Mit englisch, deutsch sowie Füßen und Händen wurde gesprochen – immerhin so gut, dass es aus jeder Ecke im Kulturhaus Sonne kicherte. Unter den Feiernden sind auch Chiara Pappalarpo aus Cantú, Italien. „We are like a family“ erzählte die 16-Jährige und schielte zu Markus Stöhr. In dem Schkeuditzer hat die Schülerin einen richtig guten Freund gefunden. Er habe der 16-Jährigen immer geholfen, sie getröstet, als die Gruppe die Gedenkstätte Buchenwald besuchte und Chiara einen „großen Stein im Magen“ hatte. „He is beautiful inside“ sagte sie verlegen. Auch Markus wurde rot – was im Discolicht nicht so auffiel.

Etwas abseits tanzte die Moldawin Mihaela Vladicescu aus Kalarasch. Auch für die 15-Jährige waren die letzten Tage mehr als nur Urlaub in einem fremden Land. Nicht nur, dass sie das erste Mal alleine den heimischen Boden verließ, auch hat der schüchterne Teenager im Kletterwald Lützen ihre Höhenangst überwunden. Mihaela habe so viel über andere Kulturen und Bräuche gelernt, erzählte sie, aber vor allem viel über sich selbst erfahren – trotz des großen Heimwehs. Getreu dem Motto des Treffens: „YouTo – Together into the future“ wurden auch am letzten Abend Zukunftspläne geschmiedet, E-Mail-Adressen und Telefonnummern ausgetauscht. Umarmungen wohin man blickte, sogar ein paar kleine Tränen flossen schon.

Doch die Umstände der bevorstehende Heimreise verdrängten gestern bei einigen den Abschiedsschmerz. Denn wegen des Hochwassers im östlichen Grenzgebiet stand schon fest, dass die Besucher aus Oslavany in Dresden vom Zug in den Bus umsteigen mussten. Und die Moldawier hatten es eilig, ihre Autofahrt anzutreten, um die noch offenen Straßen nutzen zu können. „Wir hoffen, dass alle gut nach Hause kommen. Ich bin mit dem Treffen zufrieden, weil es auch die Gäste waren. Das ist wichtig. Wir wollen, dass sich die Kontakte zwischen den Jugendlichen verfestigen, das wurde erreicht“, zieht Mit-Organisator Helge Fischer eine positive Bilanz.

Auch Caritas-Sozialarbeiter Pierre Kuschel war mehr als nur zufrieden. „Den Gästen hat es allen gefallen. Die Stadt Schkeuditz kann auf diese Aktion sehr stolz sein“, sagte der 32-Jährige, auch wenn sich nur vier Schkeuditzer an diesem multikulturellen Event beteiligt hatten. Die eigene Stadt wäre den ortsansässigen Schülern sicher nicht attraktiv genug gewesen, glaubte Kuschel. Doch das wird sich sicher nächstes Jahr ändern, denn da geht’s nach Cantú, Italien. Und dort wird Markus auch Chiara wiedersehen.

Karoline Maria Keybe

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