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Verband beklagt zu hohe bürokratische Hürden

Verband beklagt zu hohe bürokratische Hürden

Die negativen Nachrichten zum Thema Storch reißen nicht ab. Nachdem die Schkeuditzer den Tod der Weißstorchenbrut in der Mühlstraße verkraften mussten (die LVZ berichtete), sind jüngste Informationen weitreichenderer Natur: Der Landschaftspflegeverband (LPV) Nordwestsachsen hat die diesjährige Beringung der Jungstörche abgesagt und unterbricht damit einen Aufzeichnungszyklus, der etwa 30 Jahre nahtlos fortgeführt wurde.

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Die Storchenberingung im Altkreis Delitzsch - hier ein Foto vom letzten Jahr in Lützschena - fällt dieses Jahr aus. Der Landschaftspflegeverband nennt für die Absage gestiegene behördliche Auflagen als Grund und protestiert.

Quelle: Armin Kühne

Schkeuditz. Der Grund für die Absage sind immer größere bürokratische Hindernisse, die die zum großen Teil ehrenamtliche Arbeit behindern, sagte Veronika Leißner, Leiterin der Koordinierungsstelle des LPV in Eilenburg.Der Anlass sei jetzt ein gesteigerter Aufwand bei der Beantragung von Fördermitteln beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). "Wir müssen jetzt kurzfristig von sämtlichen Eigentümern der Grundstücke, auf denen sich ein Storchenhorst befindet, die Genehmigung zur Beringung vorlegen", sagte Leißner. Zwar wäre das womöglich sogar zu schaffen, grundsätzlich sei das aber wieder ein Stein, der dem LPV vor die Füße gelegt wird. Bisher seien diese Genehmigungen nicht notwendig gewesen.

"Der Antragsteller hat eine falsche Wahrnehmung", sagte eine Mitarbeiterin der für den Landkreis Nordsachsen zuständigen LfULG-Außenstelle in Mockrehna. Die Förderrichtlinien seien nicht geändert worden. Da der angesprochene Förderantrag aber noch in Bearbeitung sei, könnten keine weiteren Auskünfte dazu gemacht werden. Die Förderrichtlinie "Natürliches Erbe", nach der der LPV das Geld - insgesamt immerhin etwa 160 000 Euro - für die Storchenberingung beantragt, stammt vom Januar 2008, umfasst 19 Seiten und ist 2008, zwei Mal 2009, 2010, 2011 und 2012 geändert worden.

"Wir haben dieses Jahr den Hinweis bekommen, die Genehmigungen der Eigentümer mit abzugeben", bekräftigte Leißner. "Die sind aber gar nicht nötig", ergänzte die Leiterin des LPV-Nordwestsachsen. Die Storchenbeauftragten Dietmar Heyder und Dieter Wendt, die im Altkreis Delitzsch jährlich zu 20 Weißstorchenhorsten unterwegs sind, seien nämlich mit Sondergenehmigungen ausgestattet und befugt, die Grundstücke zu betreten. Außerdem spreche man sich ohnehin mit den Grundstückseigentümern ab und hole nicht die "Befugnis-Keule" aus der Tasche.

Der LPV müsse für die initiierten Projekte in Vorleistung gehen. Ohne Spenden und Gelder von Unterstützern sei das schon schwierig. "Es dauert Monate, bis das Geld - den Eigenanteil natürlich abgezogen - als Förderung wieder zurückkommt. In den letzten Jahren ist der Zeitraum immer länger und die behördlichen Auflagen immer größer geworden. Das Geld wird aber für das nächste Projekt gebraucht und wir warten darauf", machte sich Leißner Luft.

Sie gibt zu bedenken, dass Verbände und Vereine in freiwilliger Arbeit Aufgaben des Freistaates übernehmen, die das Bundesnaturschutzgesetz vorschreibt. "Ohne unsere Arbeit könnte Sachsen die Gesetzesvorgaben gar nicht erfüllen. Im Gegenzug aber wird uns das Handeln immer schwerer gemacht", benennt Leißner Grundsätzliches.

Die Storchenbeauftragten Heyder und Wendt säßen übrigens noch in den Startlöchern und würden, falls von den geforderten Eigentümer-Genehmigungen noch einmal abgesehen wird, zu einer diesjährigen Storchenberingung aufbrechen. Bis Ende Juni müsste die passieren. "Dabei geht es nicht nur um die Beringung", sagte Heyder. Die Horste würden auf ihren Zustand hin überprüft, gereinigt und falls nötig auch repariert. "Nicht selten haben wir auch Jungstörche befreit, die sich im Unrat verheddert haben", erwähnte der 70-Jährige.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.06.2014
Roland Heinrich

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