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"Vergessen Sie mir dieses Kirchlein nicht"

"Vergessen Sie mir dieses Kirchlein nicht"

Wenn Gerhard Graf über die Wolteritzer Kirche erzählt, dann gerät der Professor im Ruhestand ins Schwärmen. So auch gestern vor rund 100 Zuhörern in dem Gotteshaus, das schrittweise saniert wird.

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Nach dem Vortrag in der Kirche lauschen viele der Besucher auch bei einer Führung außerhalb des Gotteshauses den Ausführungen von Gerhard Graf (links).

Quelle: Olaf Barth

Wolteritz. Bei diesen Arbeiten wurden Hinweise entdeckt, die den Leipziger Experten für Kirchengeschichte und Kirchenkunst jetzt sagen lassen: "Dieses Gebäude ist mindestens 820 Jahre alt." In dem auf die Sorben zurückgehenden Ort errichteten gemeinsam mit ihnen deutsche Siedler in den Jahren nach 1100 neue Burganlagen. Das Gotteshaus auf der Anhöhe sei Mittelpunkt, aber keine Wehrkirche gewesen. "Schon der Name ,Wolteritz' deutet auf die sorbische Vergangenheit hin, sonst hieße es ja ,Waltersdorf'", erklärte der Professor.

Der 71-Jährige zeigte während seines unterhaltsamen Vortrages immer wieder auf Pfeiler, auf Elemente der Empore, auf Wände und Spuren des einstigen Gewölbes. "Die Kirche war anfangs viel kleiner, ehe sie zunächst um 1500 und später nach der allmählichen Erholung der Bevölkerung von den Folgen des 30-jährigen Krieges um 1700 herum weiter ausgebaut wurde", erklärte der Experte. So wurde der Turm höher, der Altarraum kam hinzu und der Eingang wurde versetzt. Die prächtige Tür, laut Graf die schönste in der Region, wird gerade restauriert und bald wieder eingebaut. Im "lichtvollen Altarraum" gibt es bereits fünf neue Fenster, teils mit buntem, in Blei eingefassten Glas verziert. "Dieser Raum hatte wahrscheinlich ein Gewölbe", sagte Graf und zeigt einen bei den Arbeiten gefundenen Gewölbe-stein aus einem Jahr um 1500 herum. Das Gewölbe habe wohl weichen müssen, weil der prächtige Altar, "ein großartiges Werk", sonst nicht hineingepasst hätte. Dann hält er noch einen Barock-Ziegelstein aus dem Jahr 1724 in die Höhe, ein weiteres Zeichen für die Bautätigkeit in vergangenen Jahrhunderten. "So eine Kirche ist nicht nur ein Ort für engagierte Christen. Sie ist zugleich ein Stück Kultur und ein Zeugnis der Ortsgeschichte", so Graf.

Aufgelockert wurden die Ausführungen von Liedern des Wolteritzer Frauenchores und des Radefelder Kinderchores. Die zwei Ensembles bestätigten damit, was Pfarrer Daniel Senf von der Kirchgemeinde Zschortau angesichts der Beantragung weiterer Fördergelder den Zuhörern mit auf den Weg gab: "Vergessen Sie mir dieses Kirchlein nicht. Begreifen Sie es als Ihren Raum. Er ist nicht nur ein Ort für Christen, für Gottesdienste, Taufen und Trauerfeiern, sondern auch ein kulturelles Zentrum. Dieses zu erhalten, bedarf der Initiativen aus dem Ort." Das sieht auch Ortschronistin Angelika Hofmann (65) so, die den Vortrag sehr interessant fand: "Die Wolteritzer stehen zu ihrer Kirche. Es gab auch schon größere Einzelspenden von Privatleuten."

Derzeit werden laut Senf 83 000 Euro verbaut, davon 60 000 Euro europäische Fördermittel. Um auch im neuen Förderzeitraum Hilfe zu erhalten, sei das Engagement des ganzen Dorfes nötig. Damit werde gezeigt, dass diese Kirche für alle Dörfler ein erhaltenswerter Ort ist.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.04.2015
Olaf Barth

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