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Vogel fliegt gegen Fenster des Schkeuditzer Ratssaales

Bleiglaskunst Vogel fliegt gegen Fenster des Schkeuditzer Ratssaales

Ein historisches Bleiglasfenster hat am Schkeuditzer Rathaus leichten Schaden genommen, weil vermutlich ein Vogel gegen die Scheibe geflogen ist. Von den dargestellten römischen Göttern hat es Jupiter, den Hüter des Rechts, getroffen.

Das Bleiglasfenster, das im Schkeuditzer Ratssaal den Göttervater Jupiter zeigt, muss repariert werden.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Durch ein rot-weißes Absperrband war es unlängst zu sehen: Das Bleiglasfenster im Ratssaal des Schkeuditzer Rathauses, welches Jupiter, den Herrn über Blitz und Donner zeigt, war einiger Glasbestandteile verlustig gegangen und wies kleinere Löcher und eine Beule in Richtung des Rauminneren auf. „Vermutlich ist ein Vogel gegen die Scheibe geflogen“, meinte Stadtsprecher Helge Fischer. Auch der Glaser, der demnächst das Fenster vom Hüter des Rechts ausbauen und mit in seine Werkstatt nach Leipzig nehmen wird, habe nach der Besichtigung gleiche Ursache des Schadens vermutet. Inzwischen ist das Absperrband am Fenster verschwunden und sind die Löcher mit Klebeband verschlossen.

Römische Götterwelt

Die sechs historischen Fenster an der Westseite des Schkeuditzer Rathauses sind die einzigen Fenster des Sitzungssaales. Sie zeigen Motive der römischen Götterwelt: Pluto, der Gott der Unterwelt und des Reichtums, und Merkur, der Gott des Handels sind auf dem vom Saal aus gesehen linken Fenster gemeinsam verewigt. Ceres, die Göttin der Pflanzenwelt, Ernte und Fruchtbarkeit und Vulkan, der Gott des Feuers und der Schmiede folgen auf dem nächsten Fenster. Nur Juno, die Göttin der Geburt, der Ehe und Fürsorge und auch Jupiter, der Göttervater und Herr über Blitz und Donner, haben im Ratssaal ein eigenes Fenster erhalten. Der Meeresgott Neptun und der Kriegsgott Mars sowie Apollo, der Gott der Künste und Wissenschaften und Minerva, die Göttin des Verstandes, folgen auf den beiden rechten Fenstern.

„Die Fenster sind im ursprünglichen Zustand“, meinte Fischer gestern. Nach Entwürfen des Münchner Buchillustrators und Gebrauchsgrafikers Paul Neu wurden die Fenster 1913 von der Firma Franz Xaver Zettel – Königlich Bayrische und Königlich Rumänische Hofglasmalerei ebenfalls aus München – gefertigt. Jenes Jahr ist auch das Jahr der Fertigstellung des neuen Schkeuditzer Rathauses am Rathausplatz, das am 28. Oktober eingeweiht wurde. Das bisherige Rathaus am Markt erlebte am 13. Oktober 1913 seine letzte Sitzung. Es war den Stadtoberen zu klein geworden, weshalb 1911 ein Neubau angeregt wurde.

Kunstverglasung kostete 10500 Mark

Im Dezember 1912 hatte sich die Münchner Hofglasmalerei mit einer Reihe von Vorschlägen und Skizzen um die Ausgestaltung der Fenster beworben. Es ging neben den sechs Ratssaalfenstern auch um die drei Fenster in der Rathausdiele, zwei Fenster in der Eingangshalle, je vier Fenster im Ratskeller und im Weinzimmer sowie um drei Fenster im Vereinszimmer. Noch heute sind in der sogenannten Ratsdiele die Wappen verschiedener Zünfte auf den Fenstern verewigt. Rechnungen über die Fertigung der Wappen von Zimmerleuten, Maurern, Schlossern, Glasern, Tischlern, Dachdeckern oder Kürschnern liegen im Stadtmuseum noch vor. Auch die Rechnung für ein „Großes preußisches Staatswappen“ für das mittlere Ratsdielenfenster in Höhe von 1000 Mark existiert noch. „Das preußische Wappen war später natürlich entfernt worden“, wusste Museumsleiter Hans Neubert zu berichten. Insgesamt habe die Kunstverglasung am Rathaus 10 564 Mark gekostet. „Davon stammten 6374 Mark aus einer Stiftung, die sich aus Spenden von Firmen und Privatpersonen speiste“, erwähnt Neubert in einer Publikation, die 2013 aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Rathauseinweihung vom Stadtmuseum herausgegeben wurde. Zu den Geldgebern haben die Sternburg-Brauerei, die Samengroßhandlung Otto Just aus Aschersleben, der Kaufmann Ruhl und 21 Privatspender gehört.

Bei der Auftragsvergabe drängelte Franz Zettler, die Stadt möge sich entscheiden. Hintergrund war die Internationale Baufachausstellung in Leipzig im Sommer 1913. Dort wollte Zettler Arbeiten für das Schkeuditzer Rathaus ausstellen. Die konnten später wegen ihrer Größe aber nicht gezeigt werden. Nur kleinere Arbeiten wurden im Pavillon des „Sächsischen Heimatschutzes“ präsentiert. Von da haben es die von Paul Neu entworfenen Fenster in den Neubau der Deutschen Bücherei.

Paul Neu, der die Glasfenster im Rathaus entwarf, wurde in diesem Jahr vor 135 Jahren Neuburg an der Donau geboren. Seine grafischen Entwürfe zum 100. Münchner Oktoberfest 1910 verhalfen ihm zum Durchbruch. Nach seiner Arbeit für das Schkeuditzer Rathaus wurde seine Kunst mit einer von ihm entworfenen Briefmarkenserie in ganz Deutschland verbreitet. 1940 starb Neu in München.

Von Roland Heinrich

Schkeuditz, Rathausplatz 3 51.395870864655 12.221680873541
Schkeuditz, Rathausplatz 3
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