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Vom Ikarus-Bus zur Straßenbahn

Vom Ikarus-Bus zur Straßenbahn


Schkeuditz. 1996 hatte das Schkeuditzer Straßenbahndepot ausgedient, die letzte Bahn das Haus verlassen. Am Wochenende wurde die Halle wiederbelebt.

. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Stahl-Beton-Gebäudes hatte die Interessengemeinschaft (IG) Modellbahn Schkeuditz zur Festveranstaltung geladen.

Matthias Mitdank hat eine spezielle Gabe. Auf wundersame Weise verwandelt er alte Plaste, Plexiglas, Metall und Balsaholz zu einem Ganzen – zu Straßenbahnen in Modellgröße. Grundlage all seiner Schaffenskraft sind dabei Endhaltestellenschilder aus Ikarus-Bussen, die vor geraumer Zeit in Leipzig verkehrten. Für 113 allein gebaute Wagen hat das Material bisher gereicht, sogar für eine Tram-Nachttischlampe. Fahrtüchtig sind die zehn Mal kleineren Gefährte zudem. Auf einer riesigen Anlage ließ der Bastler die Bahnen im ausgedienten Schkeuditzer Straßenbahndepot abwechselnd kreisen – wobei die Wagen nicht der Willkür seiner Fantasie entsprangen, sondern alle mit System nachgebaut wurden. Alle Fahrzeuge, die der Taxifahrer kraft seiner Geduld und Hände geschaffen hat, fuhren in Leipzig. „Die Leipziger Verkehrsbetriebe hatten eine ganze Menge von Fahrzeugtypen“, sagte Mitdank schmunzelnd.

Grundlage jedes Wagens sind Konstruktionsskizzen aus dem Fahrzeugarchiv des Straßenbahnmuseums. „Die Bibel“, fügt der Bastler an, „außerdem sind das Kindheitserinnerungen wie etwa der Markthallenzug. Das habe ich wirklich erlebt.“ Der Modellbau-Bazillus hat den Leipziger 1996 gepackt, genau zu jener Zeit, als das Schkeuditzer Depot dicht machte. 40 Aussteller belebten die 1909 von der Leipziger Außenbahn Aktiengesellschaft errichtete Werkstatt- und Depothalle. Neben den Freunden aus Schwerin, Dresden, Erfurt, Wittenberg, Leipzig und Halle war ein waschechter Südtiroler zugegen.

Für Abwechslung sorgten die Ausflüge per Oldtimerbus ins hallesche und Leipziger Straßenbahnmuseum. All das hatten die 15 Schkeuditzer Modellbahnfreunde unter Regie von Bernd Nitschack organisiert. Auch er hat seine Liebe zur Straßenbahn erst spät entdeckt, Hass verwandelte sich vor 15 Jahren ins Gegenteil. „Als Kind habe ich an der Haltestelle gewohnt“, sagte der 57-Jährige. Er und seine Mitstreiter haben sich für die kommende Zeit vorgenommen, in der Werkstatthalle das Gleis zu erhalten, zudem wollen sie den einstigen Fahrschulwagen aufarbeiten. 1925 wurde der so genannte Pullmann-Wagen gebaut. „Die Wagen haben das Leipziger Stadtbild bis fast zur Wende geprägt“, fügte der Schkeuditzer an.

Beschenkt hatten sich die IG-Modellbahnfreunde zum zehnjährigen Bestehen sogar selbst. Sie bauten den Schkeuditzer Straßenbahnhof kurzerhand nach. 30 Mann halfen dabei, Sperrholz mit Kunststoffplatten zu vermengen und am Ende zu bestreichen, sogar in der Original-Fassadenfarbe.

Einziger Wermutstropfen: „Die historische Straßenbahn aus Leipzig konnte nur bis Lützschena verkehren. Grund war ein defekter Abwassersammler in Altscherbitz unter dem Gleis“, sagte Nitschack. Von dort fuhr der Schienenersatzverkehr.

Alexander Bley

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