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Wehrleiter fordert von Politik erneut mehr Unterstützung für Arbeitgeber

Wehrleiter fordert von Politik erneut mehr Unterstützung für Arbeitgeber

Der Schkeuditzer Stadtwehrleiter Uwe Müller ist ein Mann klarer Worte. Das beweist er unter anderem immer wieder in seinen Reden auf den Jahreshauptversammlungen.

Schkeuditz. Auch diesmal richtete er einen eindringlichen Appell an Landes- und Bundespolitik, mehr jene Arbeitgeber mit Anreizen zu unterstützen, die ortsansässige Feuerwehrleute einstellen sowie diese für Einsätze und Lehrgänge freistellen. Die gesetzlich fixierte Lohnersatzleistung allein reiche dafür nicht aus.

"Das Kind ist noch nicht in den Brunnen gefallen,es steht aber kurz vor dem Absturz!", formulierte Müller am Freitagabend im vollen Kulturhaus Sonne. Denn was nützten die Zahlen aktiver Kameraden auf dem Papier, wenn die Hälfte von ihnen nicht im Ort arbeitet oder bei Firmen, bei denen sie während der Arbeitszeit definitiv nicht zum Einsatz gehen können. "Wir müssen die Kameraden zurück in die Stadt holen und auch hier halten. Und wer neu in der Verwaltung eingestellt wird, muss die Möglichkeit erhalten, sich auch für die konkrete Arbeit im Nachgang qualifizieren zu können", forderte Müller.

Ausdrücklich dankte der Wehrleiter aber jenen Firmen und Betrieben, die bereits in Schkeuditz und den Ortsteilen Kameraden beschäftigen oder die Wehr mit Spenden und andersweitig unterstützen. Lob gab es auch für die Verwaltung, die Stadträte sowie die Vertreter des Landkreises, die mit ihren Entscheidungen, Beschlüssen und Fördermittelzuweisungen für die gute Ausrüstung der Brandbekämpfer sorgen. Dennoch zieht Müller bezüglich der Personalstärke dieses Fazit: "Wir arbeiten am Limit." Im vergangenen Jahr sei das Personal trotz zweier Neuzugänge und der Übernahme fünf junger Kameraden aus den Jugendwehren wegen Austritten sowie gesundheits- oder altersbedingtem Ausscheidens um fünf aktive Kameraden geschrumpft. Derzeit verfügt die Stützpunktwehr in Schkeuditz über 43 aktive Mitstreiter. In den Ortswehren sind es in Radefeld 16, in Dölzig 27, in Glesien 17 und in Wolteritz 14 aktive Kameradinnen und Kameraden.

Insgesamt mussten die fünf Einsatzwehren voriges Jahr 217 Mal ausrücken. Den Löwenanteil leistete Schkeuditz mit 128 Einsätzen. Radefeld kommt auf 39 Einsätze, Dölzig auf 29, Glesien auf zwölf und Wolteritz auf neun Alarmierungen. 52 Mal mussten Brände gelöscht und 16 Mal technische Hilfeleistungen erbracht werden. Dazu zählen das Beseitigen von Ölspuren, Tragehilfen, Türöffnungen sowie Tierrettungen oder Einsätze nach Stürmen und Starkregen. Hinzu kommen acht Fehlalarme sowie 41 unnötige Alarmierungen aufgrund grundlos ausgelöster Brandmeldeanlagen in Firmen und Einrichtungen. Namen will hier Müller nicht nennen, aber es habe bereits intensive Gespräche gegeben. Die Zahl der Fehlmeldungen sei schon rückläufig. "Pro Falschmeldung werden 200 bis 300 Euro fällig, das hilft beim Lernprozess", sagte Müller. Brandmeldeanlagen müssen ja auch in Ordnung gehalten und deren Missbrauch verhindert werden.

Emotional sehr nah war den Kameraden ein Einsatz im April 2014 gegangen. Ein Betrunkener hatte an einer Ampel mit seinem nicht rechtzeitig gestoppten Lkw ein Auto unter einen Lkw geschoben. Ein vierjähriges Mädchen war im Wrack eingeklemmt und musste von der Feuerwehr vorsichtig befreit werden. Eine Stunde dauerte das, und die Kameraden dachten dabei an ihre eigenen Kinder und Enkel, berichtete Müller. Das Kind hatte zum Glück nur verhältnismäßig geringe Verletzungen davon getragen.

Oberbürgermeister Jörg Enke (Freie Wähler) dankte den Kameraden für ihre Einsatzbereitschaft und kündigte für dieses Jahr weitere Anschaffungen für die Wehren an: So sollen im Sommer am Stadtfestsonnabend ein neues Tanklöschfahrzeug, ein Einsatzleitwagen sowie ein Feuerwehrrettungsboot feierlich der Wehr übergeben werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.03.2015
Olaf Barth

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