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Schkeuditz Wer hat Original-Geschirr vom Flughafen-Restaurant?
Region Schkeuditz Wer hat Original-Geschirr vom Flughafen-Restaurant?
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00:21 11.06.2018
Der Glaspalast in Schkeuditz war ganz im Sinne der Bauhausarchitektur entworfen worden. Nun wird das erste Geschirr des Restaurants gesucht. Quelle: Foto: Archiv GBSL
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Schkeuditz

Die Architektur des Ex-Bauhäuslers beeindruckte schon 1930 und würde es auch heute wieder tun. Doch nicht nur außen war der komplett verglaste Bau, der zu schweben schien, vom Bauhausstil geprägt. Auch die Ausstattung war ganz im Sinne der Bauhaus-Anliegen.

„Wir lassen gerade von einer Metallgestalterin in Halle einen Leuchter nachbauen“, berichtete Museumsleiter Hans Neubert. Der Metallgestalter Karl Müller habe die Original-Lampen damals an der „Burg“ entworfen. Ein Exemplar davon existiert aber nicht mehr, weshalb eigentlich nicht von einem Nachbau, sondern von einer Interpretation gesprochen wird, erklärte Neubert. „Es gibt farbige Entwurfszeichnungen und Schwarz-Weiß-Fotografien, aber kein Original“, sagte der Museumschef bedauernd. Noch in diesem Jahr solle die Interpretation im Stadtmuseum ankommen.

„Was uns ebenfalls brennend interessiert, ist die Erstausstattung mit Geschirr im Flughafenrestaurant“, sagte Hubert Kittel. Der ehemalige Professor für Produktdesign an der Burg Giebichenstein in Halle weiß zur Geschichte des Geschirrs einiges zu berichten, ist aber auf der Suche nach Tassen, Kannen und Dosen. Die seien an der damaligen Kunstgewerbeschule im Auftrag entstanden.

Wie das Restaurant stammte auch das Geschirr aus der Feder der Burg Giebichenstein: Marguerite Friedländer, nach sechs Jahren am Bauhaus lehrte sie von 1925 bis 1933 an der halleschen Hochschule, entwarf das Geschirr. „In mehreren Chargen wurde es im Dezember 1930 an den Restaurantpächter Max Bendig geliefert“, wusste Kittel. Bendig habe eine damalige Ausschreibung zum Betreiben des Glaspalastes gewonnen, erklärte Neubert. „Woher er kam, ist bisher noch unbekannt“, ergänzte er.

Etwa 200 Kaffeekannen, über 200 Gießer, knapp 200 Kuchenteller und knapp 240 Zuckerplättchen und mehr wurden Max Bendig in Rechnung gestellt, berichtete Kittel. Aus einem Schriftwechsel zwischen Bendig und der „Burg“, der im Archiv noch vorhanden sei, gehe das hervor. Alle Geschirrteile seien mit dem Signet des Flughafens versehen gewesen. Bendig aber beklagte die Funktionsweise des Geschirrs noch vor Erhalt der Rechnung, die immerhin 1585 Reichsmark auswies, mehrfach. „Der Streit zwischen Pächter und Burg ging noch im Februar 1931 weiter. Ob es zu einem Vergleich gekommen ist, konnte ich nicht feststellen“, berichtete Kittel von seinen Recherchen. Eines sei aber höchstwahrscheinlich: Bendig wird das sogenannte Hermes-Geschirr ziemlich bald gegen Standard-Geschirr ausgetauscht haben.

Doch wo blieb die Erstausstattung des Restaurants? „Auch wir haben kein Geschirr im Museum“, sagte Neubert. Das, was hier zu sehen sei, sei nicht die Erstausstattung gewesen. Es ist durchaus möglich, dass Bendig damals alles weggeschmissen oder zerstört hat, äußerte Kittel seine schlimmsten Befürchtungen. Womöglich aber habe er das Hermes-Geschirr auch weitergegeben oder -verkauft, was bei dem Rechnungsbetrag, so er ihn bezahlen musste, auch nicht abwegig wäre. „Vielleicht aber steht auch die ein oder andere Tasse in einem Schkeuditzer Küchenschrank“, hoffte der Professor. Er bittet, sich damit im Stadtmuseum, Mühlstraße 50, zu melden.

Von Roland Heinrich

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